Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 92 (24.11.1890)
- Date
- 1890-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. M 92 Zsraklit... Icschuru». 3fitfrtjrift zur FSrbermg 19b. Geißes unb 19b. Kkbeus iu Am. Gemlrbe u«b Zlhule. Aentrak-Organ für das orthodore IudenLhum. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 24. November 5651 (1890). Leitender Artikel. WereK Schiray. XV. Fortgesetzt von Liepman Philip Prins. (Der Lobgesang der Gefilde.) I. Frankfurt a. M., 20. November. .n:iana d’dv po p« no» nsaria 'n onoi« nntp Tiefsinnig schaut uns der Spruch des Gefildes entgegen. Er bildet den Kernpunkt einer der weisheitsvollen Mahnungen Salomo's an seinen Sohn (Mischte, III, 19). Um ihn zu erfassen, wollen wir den Worten des erleuchteten Königs vom Anfang des Abschnittes an lauschen, wollen mit ihm zusammen die Sprossen seines Gedankenganges emporsteigen, um dann, auf der Höhe angelangt, mit freiem und weitem Blick den Sang der Gefilde zu schauen und mit Gottes Hilfe zu begreifen. Er möge die Gottes! ehre nicht vergessen, beginnt mit dem ersten Vers des dritten Kapitels der weise König zu seinem Sohne, er möge Gottes Geboten folgen (V. l),-das werde ihm langes und glückliches Leben bringen (V. 2). Liebe und Wahrheit, diese Früchte und darum Erkennungszeichen der Treue, mit der Du sowohl Dein Forschen in der Lehre vollführst, als auch Deiner Pflicht in der Erfüllung der Gebote obliegst, Liebe und Wahrheit werden Dich dann nicht verlassen — aber dennoch: binde sie um Deinen Hals, schreibe sie auf die Tafel Deines Herzens (V. 3). Liebe und Wahrheit, Herzensneigung und Pflichttreue, sie werden in reiner Harmonie zusammenklingen Dem, der hingebungsvoll in der Lehre forscht und unermüdlich die Gebote übt. Aber auch ein getreuer Forscher im Gotteswort kann irren, ein kühner Verfechter der Gottessache kann straucheln, riesengewaltig' wächst der Irrwahn in seiner Brust, mit aller Leidenschaft der Seele hangt er an einem Idol, errichtet von der eigenen falschen Erkenntniß, und die Pflichttreue gegen das Gebotene, das Ueberkommene beginnt zu wanken, zu weichen, zertrümmernd wollen die Wogen einer wahnsinnigen Neigung branden gegen den geruhigen, machtvollen Fels der Wahrheit — darum ruft eindringlich mahnend der weiterfahrene König dem Sohne zu: Das, was Dir aufblühen wird, aufblühen muß aus dem Studium der Thora und der Uebung der Gebote, die Einheit der Herzensneigung und der Pflichttreue, der Liebe und der Wahrheit — binde Dir diese Einheit von vornherein als Talisman um den Hals, schreibe sie von vornherein in unvergänglichen Zügen auf die Tafel Deines Herzens. Und dann wirst Du, mein Sohn, Gunst finden bei Gott und den Menschen und Du wirst auf Gott vertrauen, Ihm huldigen und Seiner Zucht Dich beugen (V. 4—12). mnn p'v' rnm naan nsd on« nrx. (V. 13.) „Glücklich der Mensch, der also noan gesunden, der Mensch, der aus ihr ™an erlangt." niaan ist die Weisheit, die Gelehrsamkeit, die errungen ist durch reiche, pflichtgetreue Thätigkett, durch eifriges, liebevolles Studium. Die richtige, srucht- und segendringende Anwendung des erworbenen geistigen und ethischen Besitzes, der noan, ist die nj>an, die Einsicht. Wie nicht jeder durch Glücksgüter begünstigte Mann die Gott und den Menschen gefällige Art hat, von seinen Schätzen Gebrauch zu machen, so hat auch sobald nicht Jeder, der sich niaan angeeignet hat, die ihr entsprechende und ihrer würdige Einsicht, rum Durch eine drastische Anekdote illustrirt diese Thatsache der berühmte Dubnovr Maggid: Nach fleißigem Studium auf der Hochschule kehrte ein Sohn zu seinem Vater heim; er rühmte sich zu Hause seines Wissens, unter Anderem, er vermöge jeden Gegenstand, den man verschlossen in der Hand halte, an der Form der Hand zu erkennen. Der Vater schloß einen Ring in die Hand und fragte den Sohn: Nun, was enthält meine Hand? Nach einem raschen Blick antwortete dieser