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Der Israelit · 1890-11-20 · Heft 91 (20.11.1890) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 91 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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sÄrthodoLe -NuderrthumÄ 1-0 AA O S E S \J)' [1890, 20. Novbr.^ -ZK!!? imm uaf-s <\ o* v Nächstenliebe. Ein Beitrag zur Erklärung (?) des Mathäus-Evangcliums. Bon Dr. M. G übemann. -h- „Yeritas ipsa loquitur!“, oder noch kräftiger drückt es jene semitische Sentenz aus: „DDTiDon rrjo *]ns j\v." Durch die Kraft der Wahrheit gehoben und getragen, hat das Judenthum nahezu zwei Jahrtausend hindurch mit stillem, tiefinnigem Selbstbewußtsein zusehen können, wie Fremde seine erhabenen Lehren sich angeeignet und für die ihrigen ausgegeben haben. Denn es sagte sich im Stillen: „Die Wahrheit ist selbstredend" und was allbekannt ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Im Grunde war es ja unsere eigenste Mission, diese Lehren zu verbreiten und sie zum allgemeinen Gute der gesammten Menschheit werden zu lassen. Der Dichter sagt: „Wenn man über das Werk den Meister vergißt, ist dieser am meisten gelobt." So erging es dem Judenthume mit den Zehngeboten u. a. m., so mit dem Gebote der Nächstenliebe — vom Judenthume stammen sie alle her, und kein Jude fand es bislang für nöthig, an diese offenkundige Wahrheit zu erinnern. Erst in der neuesten Zeit wurden die jüdischen Schriftsteller empfindlicher, und schreiblustig bemühen sie sich in reichhaltigen Bänden, zu beweisen, was eigentlich als längst erwiesen, keinen Beweis erheischt. Wenn nun gar ihre Beweise hinken, wenn ihre Dialektik dazu linkisch und unwissenschaftlich erscheint, so haben sie der allbekannten Wahrheit — gelinde^ gesagt — keine guten Dienste geleistet, und diese Erwägung allein, nicht, was sie zu beweisen suchen, fordert die Kritik heraus. Unter angeführter, mehr einem gewissen Effekte als dem wirklichen Inhalte entsprechender Aufschrift erschien jüngst in der „Oesterr. Wochenschrift", ein Exegese. spaltcnlanger Aufsatz. Er handelt über den männiglich bekannten apokryphen Satz in der Bergpredigt (5, 43 f.): „Ihr habt gehört, daß gesagt ist; Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen" ich aber sage euch: liebet eure Feinde re." Der Verfasser bemüht sich nun in seinem weitspurig ftilisirten Artikel zunächst darzuthun, daß das Gebot von der allgemeinen Nächstenliebe ursprünglich ein alt-testamentarisches, und von da — aus dem Alten- Testamentc — in das Neue-Testament überkommen sei, und dann, was den Passus „und deinen Feind hassen" betrifft, der sich nirgends in dem Alten- Teftamente findet, fo soll dieser aus dem — Talmud stammen, worauf der Evangelist mit den Worten: „es ist gesagt" abziele, und es sei nicht die Rede „vom persönlicher^) Feinde, sondern vom politisch 2) (?>r eligiösen „den zu Haffen (eigent- 1) Persönlicher Feind?! Dom Standpunkte unserer Religion durste keinerlei persönliche Feindschaft gehegt werden, denn es heißt (III. B. M. 19, 17): „Du sollst nicht hassen deinen Bruder im Herzen, du sollst deinen Nächsten zurrchtweisen, du sollst ihm aber das Pergehen nicht nachtragen." Unsere Gefetzeslehrer verweisen hierbei aus die Stelle in der heiligen Schrift (II. B. M. 23, 5): „Wenn Du siehst den Esel deines Feindes ("NJ20 unter der Last darniederliegen, so darfst du dich der Mithilfe nicht entziehen, sondern du sollst ihm mitarrshelfen". Diese Feindschaft darf auch keine „persönliche"- sein, sie könnte etwa wegen eines sittlichen Mackels (“O” nnjO herrühren, wegen dessen er zufällig den Nächsten nicht belangen kann aus Mangel des erforderlichen juristischen Beweises — dann ist es ihm nicht verwehrt, ihm im Stillen feind zu sein rtnNjLS'? “in*C). (Talmud Pestachim 113b). Aus diesem Gesichtspunkte erscheint daher die Definition des Verfassers — müßig. 2) „Politisch"?! Von den Tannaiten wird ein Anlaß zur Feindschaft dahin präcisirt: „Weil sie — die Zadukim — Eifer, Feindschaft und Zorn zwischen Israel und seinem himmlischen Vater-stiften". (Sabb. 1l6 at. Der Verfasser hätte daher die „Politik" aus dem Spiele lassen sollen.

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