Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 91 (20.11.1890)
- Date
- 1890-11-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1641 derselben betraf den Antisemitismus, über welchen die „Eisenacher Zeitung" folgendes berichtet: „Herr Gymnasiallehrer Dr. Stechele verlas einen Fragezettel, der hinwies auf die hier im Werke befindliche Gründung eines Antisemitenvereines und Antwort darauf haben wollte, ob Mitglieder des Nat.-lib. Reichsvereins auch dem Antisemitenvereiu beitreten könnten. Die unleserliche Unterschrift dieser Frage war entweder „Ern Judenfreund" oder „Judenfeind". Herr Dr. Stechele erwiderte hierauf, er wisse nicht recht, ob man es hier mit einer ernsthaften Angelegenheit zu thun habe, ob man das Ganze ansehen solle als Ulk oder als eine Falle. Er erkläre aber, der Nationalliberale Reichsverein habe mit dem Antisemitismus gar nichts zu thun. (Lebhaftes Bravo!) Wir sind nicht Antisemiten, aber haben wir, so frage er, nach den Statuten des Vereins das Recht, den Mitgliedern den Antisemitismus zu verbieten? Er vermuthe im Uebrigen, daß die Frage nur darauf angelegt sei, in die Zeitung zu bringen, der Verein verfolge antisemitische Tendenzen. — Herr Dr. Wedemann, Vorstand des hiesigen national-liberalen Reichsvereins, fügt diesen Auslassungen noch einiges hinzu und betont: Entweder sei man Mitglied im Nationalliberalen Reichsverein oder im Antisemitenverein — beides zusammen sei unmöglich. — Gegen 11 Uhr hatte die Versammlung, die um 8 Uhr begann, ihr Ende erreicht. Leipzig, 14. Novmber. Die Studenten entfalten jetzt in Leipzig eine rührige Thätigkeit für die antisemitische Sache. So fand am Donnerstag Abend im Saale des Schuhmacher-Jnnungshauses eine Versammlung statt, wo der Zudrang so groß war, daß Hunderte von Damen gehen mußten. Der Techniker Fritsch hielt eine Rede, welche darin gipfelte, daß die Zeit da sei, wo die studirende Jugend an ihre Pflichten gegenüber den umstürzlerischen Bestrebungen der Gegenwart gemahnt und zur scharfen Beobachtung der jüdisch-demokratischen Umtriebe aufforderte. Der Redner behauptete, die Sozialdemokratie sei nicht aus deutschen Herzen erwachsen, sie sei durchaus undeutsch und trage das Gepräge des jüdischen Geistes — der Vaterlandslosigkeit, des Religionshasses und der Umsturzgelüste, die seit Jahrtausenden das Wesen des Semitenthums ansmachen. Nicht in den Dienst einer Parthei wolle er die akademische Jugend gestellt sehen, aber in den Dienst der Vaterlandsliebe, der Königstreue — und der Sittlichkeit! Bei der Diskussion betheiligten sich Mitglieder des Vereins deutscher Studenten; es waren dies die Herren: Dinger und v on L ich tenberg — zwei vermeintliche Würdenträger! Ein brausendes Hoch auf Stöcker wurde ausgebracht. — Es ist auch neuerdings unter den Führern der deutsch-sozialen Partei ein Plan gereift, daß man antisemitische Jugend-Vereine gründe, worin Leute von 16 Jahren au ausgenommen werden sollen! Schließlich werden die Antisemiten das liebe Vieh noch dressiren für ihre Sache. — So schaffen die antisemitischen Hetzereien immer mehr Zwist — und Diejenigen, die sich Freunde und Förderer der Vaterlandssache nennen, sind thatsächlich die Träger gewaltsamer Staatsumwälzungen! Unsere überlegende, kaltblütige Ruhe den Feinden gegenüber, unsere unermüdliche Thätigkeit, wenn das theure Vaterland rufen sollte, unser fester, eiserner Sinn gestählt durch das Feuer der anerkannten Nothwendigkeit, unser inniges Gefühl für den Werth reiner Religion — alle diese Dinge können uns nie geraubt werden, weder durch Ränke der Halbgebildeten, noch Heuchlerlist — kurz, unser alter Ruhm des Biedersinns — und der unwandelbarsten Treue gegen Gott. — Fürst und Vaterland, gegen Behörde und Landesverfassung werden uns mehr und mehr gegen die sinn- und haltlosen Angriffe der Antisemiten schützen. Mit welchem Muth und Zügellosigkeit diese Partei vorgeht, erhellt täglich ihr Auftreten. So spricht Fritsch und Liebermann in Stadt und Dorf, wo kein Jude wohnt — und Stöcker in diesen Tagen in Eilenburg, wo nur vier Juden mit ihren Familien leben. Karl Wiesenthal. O esterr.-U n gar. Monarchie. Pesth. Seine Majestät, der König, hat den jüdischen Brigade-Arzt, Herrn Dr. Adolph Stern in Debreczin zum königlich ungarischen Honvedstabsarzt mit Majors-Character zu ernennen geruht. Nur sieben Stabsarztstellen sind in ganz Ungarn kreirt. Daß Herr Dr. Stern, den wir als eifrigen Juden kennen, eine dieser hohen Stellen erhielt, gereicht nicht nur ihm, sondern auch seinen Glaubensgenossen hier zu Lande zur besonderen Ehre. Debreczin, 14. November. Melde Ihnen unverzüglich das erfolgte Ableben unseres hochverehrten Rabbiners, Rabbi Jona Bernfeld, der uns, nachdem er 19 Jahre den hiesigen Rabbinatsposten begleitet, im Alter von 67 Jahren verlassen hat, D’D^yn ’n nrmc^ 'b -j^m. Fünf Rabbiner sprachen an seiner Bahre und achtzehn Gemeinden waren bei dem Begräbnisse durch Deputationen vertreten, wbv y'nwv emo nit o ny auir. Frankreich. Paris, 2. November. Das Central-Comittz der „All. Jsr. Univ." versendet das nachstehende Schreiben: „Ein Individuum, welches sich bald Dr. Munk, bald Albert Schweizer nennt und vielleicht noch andere Namen annehmen dürfte, und welches wahrscheinlich Komplizen hat, nimmt seit einiger Zeit in verschiedenen Ländern die öffentliche Wohlthätigkeit durch Veranstaltung vonj Sammlungen in Anspruch, deren Ertrag nach seiner Angabe zur Unterstützung bedrängter israelitischer Gemeinden dienen soll. Der Betreffende zeigt zu seiner Beglaubigung einen angeblichen Brief der „All. Jsr." auf einem mit der Firma der Allianc versehenen Briefbogen vor. Wir bitten Sie, Ihren Lesern mitzutheilen, daß dieser Brief gefälscht und nachgemacht ist, ebenso wie der Briefbogen und daß die Alliance Niemandem einen Brief der genannten Art gegeben hat oder jemals gibt."