Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 89 (13.11.1890)
- Date
- 1890-11-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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licht zum Beweise deffen, daß alle hervorragenden Schriftsteller Rußlands dies ebenfalls gethan haben, einen vor 32 Jahren erlassenen und von 147 der bekanntesten russischen Schriftsteller, Dichter und Journalisten Unterzeichneten Protest gegen eine, die Juden beleidigende Bemerkung in der Zeitschrift „Jllustrazia". Dieser Protest wurde 1858 in Katkows „Rußki Westnik" veröffentlicht und unter den Unterzeichnern befanden sich Turgenjew, Katkow, Aksakow, Beftjushew, Koftomarow, Krylow, Nekrassow, Pogodin und eine Menge anderer berühmter, Schriffteller jener liberalen Epoche, die bis weit in die 60. Jahre hineinreichte. Es ist ebenfalls ein Zeichen der abscheulichen Reaktion, welcher Rußland jetzt preisgegeben ist, daß die Juden mit einer Brutalität sonder Gleichen geschmäht und verfolgt werden. Warschau. Der Oberpolizeimeister von Warschau hatte im vorigen Monat alle Warschauer Rabbiner vorgeladen und ihnen befohlen, von ihnen abhängige Maßregeln zu ergreifen, damit ihre Glaubensgenossen sich auf den Straßen anständig aufführten. Dieser Tage ist nun in den Synagogen Warschaus eine Bekanntmachung in jüdischer Schrift ausgehängt worden, die, wie es scheint, das Resultat jenes Befehls des Herrn Oberpolizeimeisters ist. Italien. Rom. An Stelle des kürzlich verstorbenen Rabbiners Motsö Sorani wurde Rabbiner Leone Racah in Livorno, Mitredacteur des „Corriere Jsraelitico" in Trieft, zum Professor am hiesigen Rabbiner-Seminar ernannt. Selbstverständlich wird Rabbiner Racah auch noch weiterhin seine vortreffliche italienische Feder dem genannten Blatte widmen. Siena. Die hiesige jüdische Gemeinde hat vor Kurzem eine Subscription eröffnet, um die verfallene Mauer unseres Friedhofes wieder Herstellen zu können, die das schöne Erträgniß von 10,000 Lire lieferte. Unter den Subscribenten fkgurirte auch unser hochverehrter Ministerpräsident C r i s p i mit 500 Lire. Herr Crispi gehört eben zu jenen Andersgläubigen, von denen unsere Lehrer sagen: »an übiyb pbn inb &*> nb'wn moi« »im „Auch die Tugendhaften der andersgläubigen Nationen haben Antheil am jenseitigen Leben." Serbien. Belgrad, 6. November. Gestern wurde hier einer der hervorragendsten serbischen Aerzte Dr. Ignaz Hirsch, unter großer Betheiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Dr. Hirsch erfreute sich hier allgemeiner Beliebtheit. Scin plötzlicher Tod erregte großes Aufsehen. Der brave Mann sank nämlich am Krankenlager eines seiner Patienten;m Augenblicke vom Schlage gerührt todt zu Boden, als er im Begriff war. dem Kranken ein Rezept zu verschreiben. Am Grabe hielten der hiesige Oberrabbiner und der Präsident der serbischen Aerzte dem Heimgegangenen ehrende Nachrufe, in welchen sie den Verblichenen nicht nur als tüchtigen Arzt, sondern auch als großen Menschenfreund feierten. .TDöJn Rumänien. Bukarest, 3. Nov. In einer Wählerversammlung der hiesigen liberalen Opposition hielt der frühere Ministerpräsident Joan Bratianu eine chauvinistische Rede, in welcher er auch das Judenthum in Rumänien als eine Plage für das Land bezeichnete. Damit wird meine schon vor längerer Zeit ausgesprochene Behauptung bestätigt, daß die Nationalliberalen den Antisemitismus als ihren Bundesgenossen im Kampfe gegen ihre politischen Gegner, namentlich aber gegen die Juministen, zu benützen gedenken. Nach Schluß der Redaction eingetrofsen. Aus Schlüchtern geht uns die Mittheilung zu, daß der dortige idid S. Oppenheimer das Geschäft des verstorbenen Bär übernommen hat und in gleicher Weise weiterführt. -£» vermischtes. «3- Berlin, 20. October. Herr Musikdirektor L. Lewandowski begeht am 12. Dezember das Fest seiner fünfzigjährigen amtlichen Wirksamkeit. Zur würdigen Begehung der Feier ist bereits ein Comitee zusammengetreten. Mattersdorf (Ungarn.) (Der Verein zur Erhaltung armer Jessode-Thora-Zöglinge.) Allen Wohlthätern und Gönnern unseres Vereines theilen wir auf diesem Wege, den Verlauf der stattgehabten Prüfung mit. Die Zöglinge beantworteten die schwersten Fragen rasch und pünktlich. Die erste Klasse, welche unter der Leitung des Lehrers Herrn Adolf Benedikt steht, hatte ganz ’b&Q "ICD, 40. Cap. ll'M', auch vollst. NwQ rDDD und 8 Blatt in tinpD p")C, gründlich und tüchtig gelernt. Die 2. Klasse, unter der Führung des Lehrers Herrn M. Josef Weiß stehend, hatte 48 Bl. in pD'Jl PDDQ mit □inriNI D’Jl&ftO durchgcnommen. 5 Volksschüler, im Alter von 10—11 Jahren, welche ihre Ferienzeit dazu benützten, um an dem Unterricht in der Jesode Thoras Emes theilzunehmen, hatten, da sie noch rechtzeitig zu den Wiederholungsübungen kamen, ganz {TOD nDDD aufs gründlichste gelernt, so daß dieselben bei den sogenannten Verhören die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich lenkten und nicht wenig Staunen erregten. Gebe Gott, daß unser Verein auch in der Zukunft vom segensreichsten Erfolg gekrönt werde, und zur Freude aller seiner Wohlthater erblühe und gedeihe! Der Vorstand Heinrich Rosenberger. Briefkasten der Redaktion. Toda W'simra, I. u. II. Theil von L. Lewandowski, ist vom Componisten direct oder von Bote u. Bock, Musikhandlung in Berlin, zu beziehen. Schir-Zion von S. Sulz er, I. und II. Theil, Gottesdienstliche Gesänge, sind unseres Wissens bei H. Engel u. Sohn in Wien, Wollzeile 1, zu haben.