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Der Israelit · 1890-11-10 · Heft 88 (120.11.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 88 (120.11.1890)
Date
1890-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1594 nen der Sozialdemokratte nichts wissen. Vielmehr wollen wir, daß die Machtvollkommnisse unseres kaiserlich königlichen Thrones im vollsten Matze erhalten werden; wir wollen uns unsere christliche Religion mit ihren sittlichen Einrichtungen, der Ehe, Taufe, den christlichen Rechtszuständen nicht beschimpfen und entreißen lassen." So bethätigte sich die christliche Liebe gegen einen Christen, gegen ein Mitglied der brandenburgischen Provinzialsynode. O esterr.-Un gar. Monarchie. Wie«. In ihrer wissenschaftlichen Beilage veröffentlichte die „Münchener Allgemeine Zeitung" aus der Feder eines Herrn Carl v. B i n z e r eine längere Reihe von Aufsätzen, welche den Titel führen: „Eine Fahrt nach Galizien." Als ob das genannte Kronland unserer Monarchie von Herrn Binzer erst für die Leser der „Münchener" entdeckt wurde. Herr Carl v. Binzer entpuppt sich auch als ein Anhänger der grimmigsten Judenfresserei, die um so widerlicher erscheint und um so energischer zurückgewiesen werden muß, als sich dieser famose Reiseschriftfteller selbst einen flüchtig vorüberziehenden Fremdling uennt. Ein solcher hat vorweg das Recht verwirkt, über Land und Leute so bornirte und wahrscheinlich mit absichtlicher Entstellung gebrachte Mittheilungen zu veröffentlichen. Binzer schreibt unter Anderem wörtlich Folgendes: „Der Großvater konnte noch sehr lebendig von den Einfällen der Türken erzählen. Vor dieser Schreckenszeit gab es hier auf dem Lande solide Häuser auS Steinen und starke Blockhäuser auf Fundamenten gebaut. Als diese von den immer wiederkehrenden Tartarenhorden zerstört waren, bauten die Bewohner in der Voraussicht neuer Ueberfälle leichte Lehmhütten ganz ohne Fundamente. Dabei sind sie bis jetzt gewohnheitsmäßig geblieben, nur daß sie in neuerer Zeit wieder einen Grundbau von Holz machen. Hätte sich dieses Landvolk, das den Regimentern rin hervorragendes Material stellt, ohne den Druck der Juden entwickeln können, so würde man wahrscheinlich heute schon ganze Dorfschasten mit stattlichen Häusern sehen. Die galizischen Regimenter müßten der Bevölkerung nach zum großen Theil aus Juden bestehen, und doch sieht man, wie ich höre, fast gar keine in der Truppe. Während sie also die Rechte, die ihnen die Verfassung sichert, vollständig auszubeuten wissen, entziehen sie sich den Pflichten der Staatsbürger. Wie sie das zu Stande bringen, das ist in Dunkel gehüllt; ich glaube aber, daß es ihnen in anderen Ländern etwas schwerer werden würde." Man beachte die echt jesuitische Fassung dieser Sätze. Man sieht fast gar keine Juden in der Truppe! Und das weiß Herr Carl v. Binzer nicht einmal aus Autopsie, er hörte es blos! Also der Schriftsteller, der eine Fahrt nach Galizien in acht spaltenlangen Feuilletons beschreibt, legt solche dummdreiste Dinge in einer weitverbreiteten Zeitschrift nieder, die er sich von Hinz und Kunz erzählen läßt. Er hat keine Ahnung, daß mehr als entsprechend dem Procent der Bevölkerung im österreichischen Heere über 36,000, sage sechsunddreißigtausend Mann jüdischen Glaubens dienen, daß sie in den galizischen Regimentern beinahe das ausschließliche Material für die Unteroffiziere bieten. Es ist bedauerlich, daß ein angesehenes Blatt sich zur Verbreitung solcher crasfen Lügen mißbrauchen läßt. Prag, 2. November. Im kommenden Jahre findet hier eine volkswirthschaftliche und Industrieausstellung unseres Kronlandes statt. Das AusstellungscomitS hat sich daher in einer Zuschrift an den Vorstand unserer Cultusgemeinde gewendet und denselben aufgefordert, ihm leihweise die in den hiesigen zahlreichen Synagogen befindlichen alterthümlichen Erzeugnisse der böhmischen Kunst und Industrie, als: Parocheth (Bundeslade-Hüllen), Kleh Kodesch (Thoraschmuckgegenstände), Kidduschbecher rc. zu überlassen, damit es dieselben gleichfalls ausstelle. Unser Vorstand hat nun dieses Schreiben einer Kommission zur Prüfung und Begutachtung übergeben. Dieselbe wird jedoch voraussichtlich diesen Vorschlag zur Annahme empfehlen. Die wohlthätigen Stiftungen, die von unserem Cultusvorftande verwaltet werden, haben einen Werth von circa anderthalb Millionen Gulden, der Zweck derselben ist jedoch nur Wenigen bekannt. Unser Cultusvorstand hat daher beschlossen, ein genaues Verzeichniß aller dieser Stiftungen und zugleich auch den Zweck derselben in Druck legen zu lassen, damit sie so allgemein bekannt werden sollen. Mancher Arme und mancher Hilfsbedürftige wird so auf eine Stiftung aufmerksam gemacht werden, die eigentlich nur dazu ist, um ihm eine Unterstützung °zu bringen. Frankreich. Paris. Aus den von der sogenannten russischen „Judenkommission" gesammelte» amtlichen Aktenstücken werden von dem „Temps" Ziffern mitgetheilt, welche, wie sich selbst das der russischen Regierung sehr freundlich gesinnte Pariser Blatt ausdrückt, klar darthnn, „daß gewisse Vorwürfe, welche man gegen die Juden richtet, auf nichts Possitivem beruhen." Zn diesen völlig haltlosen Vorwürfen gehört auch der, daß die Juden nicht das Handwerk lieben, also nichts produzire». Demgegenüber weist nun ein offizieller Bericht nach, daß in 15 Gouvernements, welche den Juden geöffnet sind, 12.2 pCt. sich dem Handwerk widmen, also bedeutend mehr als in Frankreich und Preußen. Die russische Industrie würde durch den Widerruf der unsinnigen Maigcsetze vom Jahre 1872 nur gewinnen können. Der Moskauer Professor Janshul hat festgestellt, daß die russische Industrie von 1867—1878 in den zehn westlichen Provinzen sich

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