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Der Israelit · 1890-11-03 · Heft 86 (3.11.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 86 (3.11.1890)
Date
1890-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI, Jahrgang. M 86. Israelit «nd Jeschmun. Zettslhrist Ml IFöröcruna W. Geistes uni D. Kebens in Dm. Gemeinde uni Mir. Gentrak-chrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von I>r. Lehmann in Mainz. Montag, den 3, November 5651 (1830). Leitender Artikel. Die DanKrntterMms der Deform. Von Isaak Hirsch. (Schluß.) Die widerrechtliche sich „Judenthum" nennende Reform ist es demnach, die durch 'ihren Anwalt, Herrn Emil Lehmann, in Nr. 34 der „Allg. Ztg. d. Jdth." vor denr Forum der weitesten Oeffentlichkeit ihren Bankrutt anmeldet. Es ist offenbar ein Jrrthum des Anwalts, welcher den von der Reform Betrogenen wenigstens einen schalen Trost mitgeben möchte über den gänzlichen Verlust des reichen Schatzes religiösen Bewußtseins und beseligender, religiöser Pflichterfüllung, den die Reform schnöde vergeudet hat, eine um dieses menschenfreundlichen Zweckes vielleicht entschuldbare Verwechslung der Begriffe, wenn er Angesichts der vielen förmlichen Uebertritte von der Reform zur christlichen Kirche darauf hinweist, daß auch schon in anderen Zeitaltern Juden sich vom Judenthum losgesagt und zum Taufbecken geeilt, trotzdem aber das Iudenthum nie verwaist geblieben ist und immer wieder herrliche Blüthen und Früchte hervorgebracht hat. Herr Lehmann verwechselt hier einfach Judenthum mit Reform. Das Iudenthum freilich überdauert alle Zeiten, es besteht ewiglich, wenn auch Zehn- und Hunderttausende der zur Treue und zum Gehorsam gegen es Verpflichteten es verachten, mißachten und verleugnen. Das Iudenthum überwindet auch die Reform, die ja nichts anderes, als die vollendete Leugnung des Judenthums ist. Herr Lehmann hat ganz recht, wenn er meint: „gewiß, das Iudenthum hängt in seinem Fortbestände nicht von der Treue ab, die einige Tausende ihm halten oder entziehen." Gewiß; aber dasjenige, was Herr Lehmann Iudenthum nennt, ist ja alles Andere, nur nicht Iudenthum, und was für das Iudenthum gilt, kann doch unmöglich für dessen entschiedensten Gegensatz eine Wahrheit sein. Daß aber derselbe Mund, welcher noch vor drei Jahren mit solcher Begeisterung die Heilesbotschaft der Reform verkündete und für das Iudenthum und feine treuen Bekenner in der Gegenwart — Herr Lehmann nennt das Erstere „jüdische Neuorthodoxie" und die Letzteren „Heißsporne" — nur ein vornehm überlegenes Lächeln und den Vorwurf „des jüdischsozialen Zelotismus" hatte, jetzt von der Reform bekennen muß, daß sie es nicht vermocht hat, religiöses Wissen zu pflegen, religiöse Ueberzeugnung zu wecken, zur religiösen Begeisterung anzuspornen, daß dagegen unter der Aegide der Reform in den Kreisen ihrer Gläubigen „bodenlose Unwissenheit" heimisch geworden, jegliches religiöses Gefühl erstorben, „Mangel an sittlichem Stolz und Selbstgefühl" anzutreffen ist, das ist die vollgiltigste Bezeugung des totalen Zusammensturzes aller der Güter, mit denen die Reform sich gebrüstet. Sie hat solche niemals besessen; der Glanz, mit welchem sie sich zu umgeben bemühte, war eitel Flitter und Blendwerk. Wie sehr muß die Reform abgewirthschaftet haben, daß ihr Wortführer heute nur mit einem so winzigen Bruchtheile des Programms aufzutreten wagt, mir mit der sulr d b. in ihren „Grundzügen" aufgeführten These „der Ablehnung der hebräischen Sprache als Gebetsprache, wie als Zweig des Religionsunterrichts." Man Hätte doch von dem begeisterten Reformhäuptling erwarten sollen, daß er auf die Frage; was uns uoth thut? mit der Verkündigung der vollen Reform-Lehre antworten würde. Was im Jahre 1887 „als Grundzüge der deutschjüdischen Reformpartci" galt, das müßte doch im Jahre 1890 volle Bedeutung haben,. und das Heil kann doch nur von der Verwirklichung der ganzen Reformlehre kommen, jedenfalls doch vollkommener, als von einem kleinen Theile desselben. Warum also nicht: gänzliche Beseitigung der Beschneidung, gänzliche Aufhebung aller Sabbate und Feste, gänzliche Ausmerzung aller jüdischen Gebräuche?? Da Herr Lehmann sicherlich die Vermuthung eines ihm mangelnden Muths als einen seiner unwürdigen Vorwurf zurückweist, er auch ganz be-

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