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Der Israelit · 1890-10-27 · Heft 84 (27.10.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 84 (27.10.1890)
Date
1890-10-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1526 Hafteste" Mann, am Abend des 26. Januar 1890, also nachdem sein Artikel bereits unter der Presse war, bei dem „tresenen" Rosenberg Abendbrot gespeist!! . . . Während der Verhandlung konnte der Erpressungsversuch zusolge mangelhafter Aussage Rosenbergs nicht sestgestellt werden, der Staatsanwalt war demnach genöthtgt seine Anklage fallen zu lassen. Der Gerichtshof sprach in Folge dessen den Ex-Fleischinspector Wellisch frei, wogegen Dr. Halasz die Berufung anmeldete. Wellisch hatte die Absicht, die Autorität des Rabbinats anzutasten und an demselben sein Müthchen zu kühlen, der Präsident gestattete jedoch dies nicht und entzog ihm das Wort — Unserer Ansicht nach wäre es das Klügste gewesen, diesen „häuslichen" Zwist nicht vor die Oeffentlichkeit zu bringen, da Juden und jüdische Institutionen dadurch nur lächerlich gemacht wurden! D. H. S. > Vermischtes. < Berlin. Ueber den Wechsel der Glaubensbekenntnisse veröffentlicht der evangelische Oberkirchenrath in dem „Kirchlichen Gesetz- und Verordnungsblatt" eine Statistik aus den Jahren 1875 bis 1888, die allerdings, da sie Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau nicht berücksichtigt und nnr die Hauptglaubensbekenntnisse der Evangelischen, Katholiken und Juden in Betracht zieht, auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann. Danach sind in diesen Jahren zur evangelischen Landeskirche übergetreten 22764 Katholiken, 1901 Juden, 6913 Andersgläubige, während von Evangelischen übertraten: 2441 zum Katholizismus, 135 zum Judenthum, 14825 zu sonstigen Kirchengemeinschaften, die im Einzelnen zum größten Theil unbekannt sind. Die Uebertritte von Juden haben sich fortwährend in steigenden Richtungen bewegt, sie betrugen 1888: 348, es waren hauptsächlich Brandenburg und Schlesien daran betheiligt; bei den Katholiken hielten sie sich in den letzten drei Jahren auf gleicher Höhe, ungefähr 2000, und haben zuletzt sogar etwas abgenommen. Dresden, l. October. Einem unlängst vom hiesigen Stadtverordneten-Eollegium gefaßten Beschlüsse, auf Grund dessen der Stadtrath ersucht wurde, vom 1. Januar 1891 ab das Brod für die sächsischen Anstalten nur bei Jnnungsmeistern zu entnehmen, ist der Stadtrath nicht beigetreten. Bemerkenswerth ist es, daß der erwähnte Antrag von einem antisemitischen Jnnungsschwärmer, dem Bäckermeister Mertig, ausging, der sich besonders darüber zu ärgern scheint, daß die städtischen Brodlieferungen gegenwärtig einer Brodfabrik übertragen sind, deren Inhaber ein Jude ist. Die Leistungsfähigkeit und Reellität der betreffenden Firma ist über allen Zweifel erhaben und wurde s. Z. auch von konservativen Stadtverordneten anerkannt. Der älteste Mann Deutschlands. Aus Bielefeld wird mitgetheilt, daß der älteste Mensch in ganz Deutschland, der Rentner Markus Jord an, am 14. Oktober seinen 112. Geburtstag begangen hat und zwar in ganz vorzüglicher körperlicher Rüstigkeit und einer für sein ungewöhnlich hohes Alter ' ganz besonders zu betonenden geistigen Frische. Zu erwähnen ist vor Allem, daß Herr Jordan einen sehr gefunden Schlaf hat, noch seine sämmtlrchen Zähne besitzt und mit gutem Appetit ißt. Er liest hin und wieder in Zeitungen und Büchern und bedarf keiner Brille dazu. Mit besonderer Vorliebe spricht der Greis von seinem hohen Alter, auch kommt er häufig in längeren Erzählungen auf alte Jugenderinnerungen zurück, wobei er jeder unbedeutenden Einzelheit mit großer Genauigkeit sich erinnert und zu erzählen weiß. Fe «i Ile ton. Gustav Ireytag üöer die Juden.*) „Die Grenzboten", jenes berühmte, altehrwürdige Wochenblatt, welches zwar in neuerer Zeit stark antisemitisch angehaucht ist, bringen Jahrgang 1851 aus der Feder G. Freytags folgendes interessante Aufsätzchen: „Die Judenfrag e in England". Zum zweiten Mal haben die Lords die vom Unterhaus beschlossene Emancipation der Juden verworfen. Die tragikomische Scene mit Rothschild hat sich mit dem Alderman Salomon noch etwas pikanter erneuert. — Die Engländer gerathen über Dergleichen nicht außer Fassung, sie haben Geduld; sie wissen, daß eine unabweisbare Forderung des Rechts und der Humanität sich bei ihnen durchsetzen muß, in der nächsten Zeit durchsetzen, wie sehr auch der Pietismus und der aristokratische Hochmuth sich dagegen sträuben möge. — Dabei sind sie nicht so romantisch wie die Deutschen; sie halten es nicht für den einzigen Zweck ihres Liberalismus, die Juden zu emancipiren. Uns ging es mit den Juden wie mit den Polen; es sah ganz so aus, als ob jede Sorge für uns selbst gemeine Selbstsucht wäre, wenn wir nicht vorher Jene zu unserm Niveau erhoben hätten. — Wie dem auch sei, die Emancipation der Inden ist nicht nur eine rechtliche Nothwendigkeit, sondern auch das beste Mittel, was uns an diesem Volk noch fatal ist, allmählich zu heben. G. Frey tag. Gustav Freytag, der berühmte deutsche Dichter ist seiner Ansicht nicht treu geblieben; er hat mehrfach gegen die Juden recht gehässige Schriften verfaß^_Carl Wiesenthal. Nach Schluß der Redaction eingetrofsen. Gnesen, 24. October. An Stelle des nach Prag berufenen Rabbiners Dr. Ehrenfeld ist Dr. I a c o b s o h n aus Schrimm als Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde gewählt. Wochen - Kalender. Freitag, 31. October, 17. Cheschwon. Samstag, 1. November, 18. Cheschwon. 3"rD 'DO NTH. Montag, 3. November, 20. Cheschwon. ’Jty rvjyn. Sabbat-Ausgang 5 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr.) Briefkasten der Expedition. D., Lehrer in Messel. Fiume, der Wohnort von M. A. Goldstein, liegt in Ungarn. Richtigstellung. In dem Leitartikel der Doppelnummer 78 u. 79: „Die Bankrutterklärung der Reform," Seite 1423, 1. Zeile, statt „fehlte" lies: „fehlt". — Seite 1424, 1. Sp., 18. Z. v. u. nach „der" ist einznschalten „mit", und Zeile 20 das. ist „mit" zu streichen. *) Nachdruck untersagt.

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