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Der Israelit · 1890-10-27 · Heft 84 (27.10.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 84 (27.10.1890)
Date
1890-10-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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jeden Abend entweder in dem Lokale der Religionsschule oder in dem rn^ty rvn d'tq statt und werden abwechselnd oyn, y'jn und mwo gelernt, oft auch von einigen der Vorgeschrittenen exegetische Vorträge gehalten. Bis jetzt gehören dem Vereine, der sich den Namen dhid? jiiw beigelegt hat, mehr als 40 junge Leute an und erfolgen noch fortwährend Beitrittserklärungen. Von Seiten achtbarer Gemeindemitglieder findet der junge Verein kräftige Förderung und Unterstützung; er verfügt schurr jetzt, einige Tage nach seiner Constituirung, über einen nicht unbedeutenden Kassenbestand, der zur Anschaffung grundlegender hebräischer Werke verwendet werden soll. Es ist wahrhaft wohlthuend, zu sehen, wie die Kinder im abendlichen Dunkel dem Versammlungslokale zuströmen, um dort dem Studium des göttlichen Wortes obzuliegen und bliebe nur noch zu wünschen; '».u?rp 'v .o’D’n bj nr con1? Am meisten haben sich um die Gründung des Vereins zwei zu den Ferien hier weilende Schüler des Rabbiner-Seminars zu Berlin verdient gemacht, die Herren Silberberg und Mannes. Unsere Gemeinde, die sich seit mehreren Jahren durch Wegzug an r« und pa vermindert, hat abermals einen empfindlichen Verlust durch den Wegzug des Herrn Glück st ein nach Berlin zu beklagen. Dieser Herr hat, seitdem er sich vom Geschäfte zurückgezogen, seine Zeit fast gänzlich dem Gemeinwohl gewidmet und zwar speziell den jüdischen Gemeinde-Interessen. Er gehörte seit Jahren dem Repräsentanten-Collegium an, war Vorsteher der Betschule, der inan und anderer Vereine, deren Reorganisator er war und die seiner Thätigkeit ihr Fortbestehen und ihre Prosperität verdanken. Hervorzuheben ist hierbei, daß er ein eifriger Förderer der orthodoxen ^Interessen und deren Vorkämpfer war. Sein Weggang wird allgemein bedauert und es ist nicht zuviel gesagt, wenn man versichert, daß er für den Augenblick unersetzlich ist. Daß hierorts kein prinzipielles Rischus herrscht und daß namentlich seitens der Schulverwaltung nicht gerade immer der Religiösität Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, war erst vor Kurzem ersichtlich. Die jüdischen Schüler pflegen alljährlich sich zu den hohen Festtagen Dispensation vom Schulbesuche zu erbitten. Ein Lehrer der Prima glaubte jedoch im Interesse der Abiturienten, diesen vorstellen zu müssen, daß sie diesmal den Schulbesuch an den beiden Neujahrstagen nicht versäumen möchten, weil an diesen Tagen einige wichtige Stunden gegeben würden und das Abiturienten-Examen bevorstehe. Die jüdischen Abiturienten ließen sich jedoch hierdurch nicht bestimmen und der betreffende Lehrer erbot sich darauf, ihnen die versäumten Stunden in seiner Wohnung privatim zu ertheilen, was natürlich dankbar angenommen wurde. Bemerkenswerth ist, daß gerade ein Schüler, der die Dispensation zu den Festtagen niemals beanspruchte und auch diesmal die Schule sogar am n"i besuchte, beim Abiturienten-Examen durchfiel. München, 11. Oktober. Die „Neuesten Nachrichten" brachten eine Notiz ans Braila in Rumänien, gemäß welcher nach der „Versammlung der Studenten rumänischer Nation" in Braila diese eine Synagoge überfallen und theilweise zerstört hätten, Gebetbücher und Thorarollen verbrannt, vielen Juden die Fenster eingeworfen re. Ein Mitglied des Studentenkongresses in Botoschani schickt nun ein Dementi ein, wonach an der Sache nichts Wahres, als daß Einwohner (Nichtstudenten) von Braila an jenem Abend einige Fenster eingeworfen hätten. Studenten hätten sogar der Polizei geholfen, jene Uebelthäter zu verhaften. Die Studentenschaft wäre niemals im Stande, etwas so Verdammenswertes zu thun. „Bitte wollen Sie," schließt die Zuschrift, „um die Wahrheit überall walten zu lassen, jenen Bericht dementiren, durch den die rumänischen Studenten so sehr kompromittirt sind". Es scheint also doch, daß nicht aller Sinn für Anstand den zukünftigen Geiftesheroen von Rumänien fehlt. Warum aber wurden grade an.jenem Abend, an welchem die Versammlung stattfand, Fenster eingeworfen £ Schade, daß sich der Bericht hierüber nicht ausspricht. Oesterr. Ungar. Monarchie. Wien, 14. Ott. Die „N. F. Pr." schreibt: Das großherzoglich hessische Ober - Consistorium, welches sich wie in Ihrer Montagsnummer bereits berichtet, in einem Ausschreiben an die ihm unterstehende evangelische Geistlichkeit auf das entschiedenste dahin ausgesprochen hat, daß die Betheiligung an der antisemitischen Agitation mit den Christen- und Amtspflichten eines Geistlichen nicht vereinbar sei, steht weder unter dem Verdacht des „JudemLiberalismus", noch fehlt es ihm, wie aus jeder Zeile seines Erlasses hervorgeht, an nationalem Sinn und Verständniß für die wirthschaftlichen Leiden des deutschen Volkes- Trotzdem — oder vielmehr eben darum hat diese Kirchenbehörde es als ihre Pflicht angesehen, sowohl den Betrug zu brandmarken, der damit getrieben wird, daß für alle Ausschreitungen der Gewinnsucht und ihre Folge-Uebel die Juden verantwortlich gemacht werden, als auch aus die gefährlichen Konsequenzen aufmerksam zu machen, welche aus dieser Aufreizung der Massen gegen eine einzelne Claffe von Staatsbürgern für Staat, Kirche und Gesellschaft unfehlbar hervorgehen müssen.

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