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Der Israelit · 1890-10-27 · Heft 84 (27.10.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 84 (27.10.1890)
Date
1890-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1522 die Privatwohnungen dieser drei Herren und halten! dort Haussuchung." So geschah es. Natürlich fand sich nichts im Bureau, und auch der zurückgekehrte Beamte hatte nichts gefunden. „So, jetzt rufen Sie Ihren Disponenten," befahl der StaatsaRwalt. „oder haben Sie noch etwas zu bemerken. Haben Sie Verdacht auf Jemanden?" Da erhob sich Schickler und sprach: „Zu dem Schranke gibt es nur drei Schlüssel. Einen besitze ich, einen der Herr Direktor und einen der Disponent. Der Disponent war gestern allein hier, Müller hat Geld in seinem Pulte gesehen — ich meine, das wäre ein leichtes, einen Verdacht zu äußern. Der Jude hat sich nicht genügend vorgesehen, oder nicht genug bekommen können, sonst hätten wir heute das Nachsehen." „Sie meinen also, Herr Schickler," fragte der Staatsanwalt, „der Disponent sei verdächtig?" „Ja, und ich bitte, seine Kleider, sein Pult und seine Effecten durchsuchen zu lassen. Diese polnischen Juden sind schlau, ich kenne sie, Herr Staatsanwalt; ich bin überzeugt-" „Schon gut", erwiederte der Staatsanwalt, „ich bedarf Ihres Rathes nicht; wollen Sie den Disponenten rufen lassen!" Chajim erschien. Er war todtenbleich und bebte am ganzen Körper. Hätte der Staatsanwalt nicht Bescheid gewußt, so hätte Chajim's Benehmen einen Verdacht gerechtfertigt. Der Staatsanwalt theilte ihm mit, was geschehen war, und welchen Verdacht der Cassirer soeben geäußert habe. Chajim erzählte, was der geschätzte Leser bereits weiß, und als er geendet hatte, fragte der Staatsanwalt den Direktor, ob sich die Sache so verhalte. Dieser bejahte und der Staatsanwalt wandte sich jetzt an Schickler, was er zu der Sache meine. „Ausgezeichnet eingefädeltversetzte dieser. „Doch mich täuscht man nicht so leicht. Wer sollte das Geld dort hingelegt haben? Woher sollte ein anderer ein Couvert haben, welches die Adresse des Disponenten trägt? Daran erkennen Sie wieder die jüdische Gemeinheit. Diese Bande stiehlt nicht nur, sie will auch anderen ehrlichen Leuten den guten Namen abschneiden." „Seien Sie stille mit Ihren antisemitischen Tiraden", fuhr ihn der Staatsanwalt an; „die Sache liegt meiner Ansicht nach ganz anders. Ich nmß Sie beide verhaften, wenn nicht der Herr Director die Bürgschaft für Sie übernehmen will." „Für Herrn Mandelkern übernehme ich jede Bürgschaft", entgegnete der Direktor, der den Fingerzeig verstand. „Sie sind unser Gefangener!" sprach der Beamte, sich zu dem Cassirer wendend. Sofort traten zwei Polizisten an ihn heran und nahmen ihn in ihre Mitte. Schickler sah sich nach einer Gelegenheit zu entfliehen um, die Beamten jedoch merkten sein Vorhaben und legten Hand an ihn, um ihn abzuführen. Vorher gab der Staatsanwalt jedoch noch den Befehl, den Cassirer zu durchsuchen. Schickler widersetzte sich auf jede Weise diesem Vorhaben, so daß die Polizisten ihn binden mußten. Bei der nun erfolgenden Untersuchung desselben fanden sie jedoch nichts, und so wurde derselbe in Untersuchungshaft geführt. Als der Staatsanwalt und die Beamten sich entfernt hatten, bat der Direktor Chajim mit in fein Arbeitszimmer zu kommen. Chajim folgte ihm und war sehr erfreut, als der Direktor, der auf einige Tage verreisen mußte, ihm seine Stellvertretung anbot. Glänzender konnte Chajim nicht gerechtfertigt werden. Doch wie wird man im Hause Sternfels über ihn denken? (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschurun" erscheint'wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedeSmal in mindestens 8 Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt gaiyjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ftt beziehe« bei G. F. Steinackrr, Leipzig. Uostplnh 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Drrecte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einiHjetttat. Inhalt (Hanhtblatt) r Leitender Artikel: Die Bankrutterklärung der Reform. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Worms. Berlin. Briefen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Oedenburg. — Frankreich: Paris. — Rußland: Odessa. — Persien: Teheran. — Amerika. — Vermischtes. — Feuilleton: Gosrith momelach: Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Schlesien. Posen. München. Gnesen. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. Budapest. — Vermischtes. — Feuilleton: Gustav Freytag über die Juden. Inhalt der Extra-Beilage: Wappenrc. Schilder-Tableaux der Firma: D. Grödel in Frankfurt a. M. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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