Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 84 (27.10.1890)
- Date
- 1890-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448103--30943-2478719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXXI. Jahrgang. ""‘M 1-^-'. Jv AV: Vr-'V; ff , \\QuT-. BAictihandluai? V/^NK F'JuT,^- Israelit - Jkschuril«. Bcitrdjrift zur Fördkmg jüü. GMes unö W. Dm in Aus. Gewkinlie und Kchnle. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 27. Oe tob er 5651 (1890). Leitender Artikel. Die AnKrulterMrung der Deform. Von Isaak Hirsch. (Fortsetzung aus Nr. 78/79.) Was ist Emil Lehmann, dem Mitbegründer und Mitleiter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der sich ehedem stets mit Vorliebe Gemeindevorsteher von Dresden nannte, was ist ihm, dem vermeintlich eifrigen Vorkämpfer für das Judeuthum, das Judenthum? Er, der den Weck- und Mahnruf erschallen läßt: „weckt Begeisterung für das Judenthum", „schafft Wissen", ist doch sicherlich von dieser Begeisterung erfüllt und besitzt doch sicherlich dieses Wissen, und es ist doch zweifelsohne sein Wissen vom Jndenthum, das er verbreitet haben will, seine Begeisterrng für das Jndenthum, die er in den Gemüthern zu entflammen sucht. Was ist ihm Judenthum? Ist es das von Gott am Sinai geoffeubarte Gesetz, die Thora, der heilige Schatz, den die dahingegangenen Geschlechter in treuer Hut bewahrten und ihn 'rein und unverfälscht ihren Nachkommen zur gleichen gewissenhaften Wahrung überliefert? Ist es das Judenthum, dem die Ahnen in dem unsterblichen yötwi rwyj jenen Treu schwur entgegengejubclt, dessen Heiligkeit die Jahrtausende bezeugen? Ist es das Judenthum, für welches Gott Seine Diener, die Propheten entsendete, um die von Seinen Geboten Abgewichencn zu mahnen und zu warnen, die Schwankenden in der Treue zu befestigen, die Irrenden in die rechten Pfade zu lenken, das Jndenthum, dem David's und der Koraiden gottbegeisterte Lieder tönen, das Judenthum, für welches. Esra und Nehemia ihr Volk wieder ermuthigten und ertüchtigten, das Jndenthum, dem das glorreiche segensvolle Wirken der Männer der großen Synode und ihrer Nachfolger, der Tanaim, Amoraim, Gaonim und Rabbinen geweiht ist? Ist es das Judeuthum, für welches Israel ein Martyrium sonder Gleichen, nach Jahrtausend den zählend, auf sich genommen, für welches es Verzicht geleistet auf Ehre und Glanz, und ein Dasein voller Elend, Mühsal, Schrecken und Bedrückung freudig zu leben verstand — freudevoll in der Bewährung der hingebendsten Treue durch die gewissenhafteste Erfüllung der Gebote des Judenthums — für welches es seine Hütten und seine Habe der Zerstörungswuth und Raubgier preisgab, für welches es seine Weiber und Säuglinge hinschlachten sah, für welches es Schaffst und Scheiterhaufen mit dem Bekenntnisse der einzigen Wahrheit auf den Lippen in todesmuthiger Begeisterung bestieg? Ist es das Judeuthum der hochangesehenen Männer, die für ihre armen, mißhandelten Brüder vor den Gewalthabern das Wort führten, von deren Einem Herr Emil Lehmann abzustammen sich rühmen darf, das Jndenthum eines Berend Lehmann, des „polnischen Residenten"? In dem vorliegenden Aufsatze „Was uns noth thut" erhalten wir hierüber allerdings keinen Aufschluß. Herr Lehmann hat aber vor drei Jahren die Welt mit einer Schrift beglückt, in welcher auf diese Frage die bündigste Antwort in der wünschenswerthesten Klarheit ertheilt wird. Diese bemerkenswerthe Schrift führt den Titel „Die Juden jetzt und einst". Lehmann hatte damit den liebenswürdigen Zweck, „einen Beitrag zur Lösung der Judenfrage" zu liefern." Diese „Lösung" deucht ihm sehr einfach, nichts mehr und nichts weniger als die consegnente Durchführung der „Gruudzüge der deutsch-jüdischen Reformpartei", zu welcher er sich bekennt. Ihm und der Nesormpartei gelten Bibel und Talmud nur „als werthvolle Litera turschätze, sie sagen sich los von dem OffenbarungsTalmud- und Schulchan- Aruch-Glauben, sie legen deßhalb „alles asiatische und orientalische Gebrauchthum" ab, verwerfen „die hebräische Sprache als Gebetsprache wie als Zweig des Religionsunterrichts, perhorresciren „d ie ch au-