Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 82 (20.10.1890)
- Date
- 1890-10-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift m FördkliiW jiiii. Geistes uni) jiw. ßrbrns in Uns. Gemeiniie nnd Kchnie. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Vr. Lehmann in Mainz. IsraelitJeschurun Montag, den S«. Oetober S«SL <R8V«>. Leitender Artikel. ..Antisrmilen-Äpiegkl". Die Antisemiten im Lichte des Chriftenthums, des Rechts und der Moral. Erste Lieferung. Danzig. Kafemann. 1890. Besprochen von Jsaac Hirsch. Die Mahnung des Abgeordneten Rickert, mit welcher er seinen, auch in dieser Zeitschrift mitgetheilten ausgezeichneten, von heiligem Eifer für Ehre, Recht und Vaterlandsliebe erfüllten Aufsatz über die antisemitischen Bestrebungen schloß: „Es wäre ein schwerer Fehler, die Gegenwehr zu verabsäumen; dieselbe ist in erster Reihe eine Ehrenpflicht der Christen. Ihnen liegt es ob, Protest dagegen zu erheben, daß unser öffentliches Leben vergiftet werde durch eine unter „nationaler" Firma betriebene unchristliche und undeutscheHetze gegen eine große Zahl gleichberechtigter Staatsbürger, von denen in Übereinstimmung mit den Traditionen des Hohenzollernhausrs ein deutscher Kaiser sagte, daß „sie seinem Herzen gleich nahe stehen." Ehrenpflicht der Christen ist es ferner, nicht eher zuruhen, alsbis die gleiche Berechtigung, welche den jüdischen Mitbürgern nach unseren Gesetzen zusteht, auch in allen Beziehungen thatsächlich durchgeführt werde . . . ." hat in weiten Kreisen des deutschen Volks Herz und Verstand gerührt. Denn die wüste, meist nicht von blinder Leidenschaft, sondern von den kalt rechnenden Unholden: Haß, Eigennutz, Coucurrenz und Verfolgungssucht betriebene Agitation hat zwar leider große Verheerungen angerichtet, aber dennoch, Gott sei Dank, nicht vermocht, jedes Gefühl für Ehre und Recht zu ertödten, so daß die Stimme der Wahrheit doch noch gehört und beherzigt wird. Der „Antisemiten-Spiegel", dessen erste Lieferung in diesen Tagen erschienen ist, bezeugt, daß der Mahnruf Rickerts an die deutsche Christenheit nicht vergeblich ergangen, daß er dazu beiträgt, die Erkenntniß der Wahrheit zu fördern, so daß man sich der Pflicht erinnert, die die Ehre gebeut: mannhaft aufzutreten gegen den ärgsten Feind des Vaterlands, gegen den Antisemitismus, und Protest dagegen einzulegen, daß eine so „unchristliche und undeutsche Hetze" unter „nationaler Firma" betrieben wird, von der deutschen Christenheit die „Schmach" abzuschütteln, welche diese fluchwürdige Agitation, die es wagt, sich christlich, deutsch und volksfrcundlich zu nennen, ihr zu" bereiten sich erdreistet. Der von Rickert gegebenen Anregung ist die verdienstvolle That des „Antisemiten-Spiegel" zu danken. Er hat sich die Aufgabe gesetzt: „das Ziel und den Umfang der antisemitischen Bewegung darzulegen, die Mittel, mit denen sie betrieben wird, und die Angriffe gegen gleichberechtigte Mitbürger zu kennzeichnen." Der Verfasser will auf diese Weise der „Ehrenpflicht der Christen", so viel an ihm ist, genügen. Wir bedauern es sehr, daß er sich nicht genannt hat; nicht allein deßhalb, weil er sich durch dieses mannhafte Eintreten für Wahrheit, Ehre und Recht gegen Lüge, Bosheit und Gewalt ein hohes Anrecht auf die dankbare Anerkennung des deutschen Volks erworben hat, sondern vor allem deßhalb, weil der perfiden Kampfmethode des Antisemitismus gegenüber, welche von Rickert folgendermaßen treffend gekennzeichnet ist: „Judenknecht, bezahlter Judenanwalt — das sind die Ehrentitel, die man sich leicht erwerben kann, wenn man auch nur für die staatsbürgerlichen Rechte der Juden eintritt . . . ." dringend geboten erscheint, mit offenem Visir auf den Plan zu treten. Mit vollem Rechte meint Rickert: „. . . . und es unterliegt keinem Zweifel, daß es viele sehr ehrenwerthe Christen gibt, welche die Schmach der Judenhetze fühlen, ihre Gefahr erkennen — und sich doch lediglich durch die Besorgniß vor solchen elenden Verdächtigungen davon zurückschrecken lassen, offen Farbe zu bekennen und vorzugehen. Wer vor solchen Ge-