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Der Israelit · 1890-10-16 · Heft 81 (16.10.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 81 (16.10.1890)
Date
1890-10-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1473 hatte. Allein die Frankfurter sollte sich nicht lange des ungestörten Besitzes der Erbschaft erfreuen. Es meldeten sich nämlich mehrere Seltenverwandte, die sich zum Vermögen erbberechtigt fühlten, im Prozeßwege die Sicherstellung der Verlassenschaft zu erwirken suchten und alle Hebel in Bewegung setzten, um wenigstens einen Theil der fetten Erbschaft zu erhalten. Die Wittwe blieb trotz dieser Machinationen Nutznießerin der Verlassenschaft, ja sie wollte sich mit ihren Gegnern nicht einmal in Ausgleichsverhandlungen einlassen. Als die prozesstrenden Seitenverwandten die vollständige Aussichts- : losigkeit ihrer Ansprüche gewahr wurden, ließen sie der Wittwe die Mittheilung zu Ohren kommen, daß . sie über Beweise verfügen, die geeignet seien, alle i ihre Ansprüche zu vernichten. Da die Wittwe auch hierauf nicht reagirte, wendeten sie sich neuerdings mit der Mittheilung an den Gerichtshof, Stransky i sei vor 50 Jahren, ehe er sich noch in Ungarn nie-; verließ, Katholik gewesen, unter solchen Umständen sei seine Ehe mit Katharina Frankfurter laut den! ungarischen Gesetzen ungiltig und sein zurückgelassenes Vermögen müsse daher an die Seitenverwandten ausgefolgt werden. Wer die strenggläu- , bige Frömmigkeit des Verstorbenen kannte, hält diese Angabe für eine Unwahrheit. Nichtsdestowet niger wollen die Klagcführenden auf dieser Basis . die Znurtheilung des Vermögens erwirken und muß J nun abgewartet werden, ob es ihnen gelingen wird, , für ihre Angabe rechtsgiltige Beweise zu produziren. j Ueber den Ansgang dieses interessanten Erbschaftsi Prozesses werden wir seinerzeit berichten.; Frankreich. Paris. Zn den dahier bestehenden 3 ortho- - doxen Synagogen wird sich demnächst eine 4. anr reihen, indem Herr Lcop. Steindecker eine solche in i der Avenu-Malokoss errichtete und bereits ein sehr - schönes Local dafür gewonnen hat. Ö Einer großen n’m 'w'i hatte sich das neu er- I richtete Restaurant International hier am jüngsten r hod erworben, indem dasselbe eine sehr geräumige naio in seinem Hause errichten ließ, welche sowohl r t)on Familien als auch von vielen jungen Leuten o stark fregnentirt wurde und hierdurch einem großen e Bedürfnisse abgeholseu wurde, da dies das einzige II Restaurant hier, wo eine 71212 zu sinden war. n Dieser Tage fand hier unter dem Vorsitze des ' Herrn Grand-Rabbiner Z. Kahn eine Conferenz r statt zur Besserung der traurigen Lage unserer Glaubeusbrüder in Rußland, woran auch Herr j Rabbiner Dr. H. Adler von London Theil nahm, lieber das Resultat werde ich später in der Lage sein, Ihnen Mittheiluug zugehen zu lassen. 8. Belgien. Brüssel, 14. October. Bei der gestrigen Eröffnung der Vorlesungen an der hiesigen Universität wurde der neugewählte Rector Dr. Philipps 0 n, ein Sohn des verstorbenen Dr. Ludwig Philippson, von den Studenten, bei denen er als Deutscher nicht beliebt ist, ausgezischt und mußte er auch den Saal verlassen. Vermischtes. <4- Wie«, 21. September. Pater Dr. Wiesinger hat an das „Wiener Tagblatt" folgendes Gedicht gesandt: An die ungereimte Redaction des versemachenden „Wiener Tagblatt"! Auf Ihre wunderbaren Verse in Ihrem heutigen Blatte, in welchen „kei" (!) Kirchenstirst und „kei" (!!) Prälat zu finden ist, antworte ich Ihnen mit der fol genden Strophe: Der Wiesinger noch so viel Haare hat, Daß sie zu Berg' ihm steh'n beim Schöpsenblatt; Und weil die Meute winselt, wenn er spricht, So fehlt's ihm sicher auch an Zähnen nicht. Doch gab' man einen Juden ihm zum Fraß, Gleichviel, ob polnisch oder and'res AaS, Es würd' ihm ekeln, und im Magen schwer Lag' ihm das Vieh, wenn's noch so koscher war. Ja, ja, ja. Das hat kein Börne g'schricb'n, daS hat kein Heine g'sagt, Damit hat sich kein Beer, kein Hirsch, kein Schöps geplagt, Das ist der Wiesinger, der stets vom Herzen lacht, Wenn er das Vieh zum Heulen und zur Flucht gebracht. Dr. Albert Wiesinger. (Eommentar unnothig.) Czcrnowitz. Kapitän Bernhard Baltinester, welcher 1866 in der Schlacht von Eustozza schwer verwundet wurde und welchen der Kaiser für seine Dienste im Felde durch ein allerhöchstes Anerkennungsschreiben geehrt hat, erhielt jetzt vom Kaiser die neugestiftete militärische Verdienstmedaille „Signum Laudis.“ Der tapfere Kapitän war der erste jüdische Offizier in der Bukowina und ist auch der erste Einwohner dieser Provinz, welcher durch die neueste Decoration ausgezeichnet wurde. Eine neue Zeitung, die „Deutsche Warte", Tagblatt für Politik und Gesellschaft, geistiges und wirthschaftliches Leben, welche in ihrer Probennmmer vorliegt, bietet außer dem an der Spitze des Blattes enthaltenen Programm, welches der Zeitung zur Richtschnur dienen wird, in gedrängter Kürze im pclitischen Theile Artikel über wichtige Fragen der Gegenwart, als das „Sociale Königthum", die „Sklavensrage in Ostafrika", das „Erlöschen des Socialistengesctzes". Ihnen ' schließen sich an eine Uebersicht über die wichtigüen Vorgänge im deutschen Reiche und im Auslände, Nachrichten vom Hofe und der Gesellschaft, Mittheilungen ans dem Gebiete der Landwirthschaft, der Technik, der Kmist und Mode. Es folgt ein besonderer Theil für Industrie, Handel, Verkehr und Eoursbericht. Endlich enthält das Feuilleton eine Novelle von Hermann Heiberg, Theater- und Musikberichte, Mittheilungen wichtiger Ereignisse und Vermischtes. An Vielseitigkeit des Stoffes fehlt es daher dem neuen Blatte nicht. Preis 3 Mk. vierteljährlich. Briefkasten der Expedition. Ü R. in Ballenstedt M. 2.— empfangen.

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