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Der Israelit · 1890-10-16 · Heft 81 (16.10.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 81 (16.10.1890)
Date
1890-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. M 81. Israelit... Jeschum«. Zeitschrift W FSrdMW jSd. Geistes Mil D. Kkbkm in Am. Gemeinde Md Kchnlk. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 1«. Oktober SSS1 (1890). Leitender Artikel. DleMlihtigkelt des jöd. Rellgisns-Werrlchts «nd der Schaden, welcher aus der Vernachlässigung desselben erwächst. Von Arnold Budwig. Motto: Soll der Palmenzweig dir Winken, Darfst dich nicht der Kleinste dünken. Denkt ihr noch der schönen Zeit eurer Jugend, als das kindliche Gemüth an Märchen seine Freude fand und mit Andacht den erzählenden Worten der Mutter lauschte? Da fand so mancher gute Vorsatz Eingang in euer offenes Herz, und wenn der Held des Märchens durch eigene Schuld zu Falle kam, wie nahmt ihr euch da vor, klug und tapfer zu sein, wenn ihr je in gleiche Lage kommen solltet! Wenn der Bauernknabe mit dem Schlüssel, mit dem unscheinbaren Ring, den ihm das Märchenwunder geschenkt, nichts zu beginnen wußte und ihn achtlos sortwarf, während er durch ihn in den Besitz aller Schätze der Erde hätte gelangen können, wie wünschtet ihr stets an der Stelle des Knaben gewesen zu sein, denn ihr, des wäret ihr überzeugt, hättet von der Zaubergabe den weisesten Gebrauch gemacht. Nun. ihr seid in gleicher Lage! Warum nützet ihr sie nicht? Ihr besitzet den Schlüssel zu den herrlichen Schätzen! Warum schließet ihr die Pforte nicht auf, die euch zu ihnen führt? Würdet ihr sie öffnen, in einen Palast trätet ihr ein, und der Bauernknabe würde erkennen, daß er sich in einen Königssohn verwandelt hat und sich aus einen Thron setzen darf, der aus uraltem Golde gezimmert ist, und daß die Perlen und das Geschmeide, die ihm stets, wenn er sie bei Anderen erblickte, so begehrenswerth erschienen, seine eigene Schatzkammer in reichster Fülle schmücken. Oder wißt ihr nicht mehr, daß vor langer, langer Zeit einem Volke der Talisman gegeben worden ist, der mit unwiderstehlicher Macht alle die Riegel, welche die idealen Güter des Himmels den Blicken der Menschen verbergen, zu sprengen vermag? Die jüdische Religionslehre ist dieser Talisman, und eure Ahnen sind es gewesen, denen der kostbare Schatz anvertraut worden ist. Ihr seid die Enkel, doch so mancher unter euch scheint die hohe Kraft des ererbten Gutes nicht zu kennen und gleich jenem Knaben des Märchens achtlos fortwerfen zu wollen, was die Väter in Weisheit bewahrt und stets schöner zu gestalten sich bestrebt haben. Doch noch ist es nicht zu spät, der kostbare Edelstein ist noch in eurer Hand. Darum merket eine kurze Weile auf, vielleicht gelingt es mir, euch von der hohen Bedeutung zu überzeugen, welche die Kenntniß der jüdischen Reltgionslehre für euch hat, vielleicht vermag ich euch zu warnen, indem ich euch zeige, wie ihr euch und Anderen durch Vernachlässigung dieser Lehre schadet. Vier Lehrgebiete sind es, deren Kenntniß der Unterricht in der jüdischtn Religion erschließen soll: die Glaubenslehre, die Pflichtenlehre, die biblische Geschichte und die hebräische Sprache, und jedes Lehrgebiet wird auf besondere Art euch Förderung bieten. Beginnen wir mit der Glaubenslehre. Schon daß man „glauben" lernt, ist ein hohes Glück. All' unserer Erkenntniß ist eine Grenze gesteckt; wie weit auch immer unsere Einsicht reichen mag, eine Schranke gibt es, über die wir nimmer hinausgelangen. Hier, wo unser Wissen endet, muß das Glauben beginnen, wenn nicht der Zweifel in uns das marternde Gefühl der Trauer über unseres Geistes Unzulänglichkeit heraufbeschwören soll. Wie in der körperlichen Natur, so darf es auch in unserer Gedankenwelt keinen leeren Raum geben, Alles will ausgesüllt sein, nichts soll uns unverstanden bleiben. Reichen unsere Sinne hierfür nicht hin, so kann nur das Ueberstnnliche uns helfen. Glücklich darum der Mensch, der glauben gelernt hat. Er wird ohne die Qual innerer Unruhe an der Grenze, welche unser Denken doch nicht überschreiten kann, in Ergebenheit Halt machen. — Die jüdische Religion lehrt uns den Glauben an einen einzigen Gott in höchster Reinheit. In seiner Einheit und Einzigkeit ist Gott der Inbegriff aller Macht und

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