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Der Israelit · 1890-10-13 · Heft 80 (13.10.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 80 (13.10.1890)
Date
1890-10-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. \ Jfi 80 Jsraelii^Jeschunm. ZkitHrlst rm Fördttlilig W. Geistes und W. Kedrss in Aus. Ge«lki«l>e and Klysie. Kentrak-Hrgan für das orthodoxe ZudentHum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den LS. Oktober SOLL (1890). Leitender Artikel. Im Wechsel der Tage. Mainz, 9. Oktober. Die Festtage haben uns verlassen und das werktägige Leben umgibt uns wieder. Jetzt soll es sich entscheiden, ob das Gebet Erhörung gefunden, mit dem wir in den ernsten Weihestunden des neuen Jahres vor unseren Vater und König traten: Dp“) uawn bx w ua^a lraw „Unser Vater, unser König, laß' uns nicht leer von Dir zurückkehren." Als unser Heiligthum sich noch . auf Zion erhob, kehrten in diesen Tagen alle jüdischen Männer, welche dort vor Gott erschienen waren, um das Band mit Ihm auf's Neue zu knüpfen, wieder heim zu ihren Familien, pflanzten die Freude, die sie vor Gottes Antlitz gekostet, in die Geister und Gemüther von Weib und Kind, und erhielten sich so die Festesstimmung, wenn auch die Feste längst vorüber waren. Sie hatten bei der Stätte der Hingebung sich vor Gottes Angesicht gelobt, Ihm und Ihm allein Gut und Blut, Leben und Tod, Genießen und Entbehren zu unterstellen, und hatten diesem Gelöbniß mit dem Opfer symbolischen Ausdruck gegeben, mit dem sie vor dem Gottesaltar erschienen. Neu gestärkt, freudig bewegt, nahmen sie ihr außerhalb der Tempelhallen in Haus und Hof nun neu zu beginnendes Leben wieder auf, und der Lebensmuth, der sie erfüllte, die Lebensfreude, die sie durchströmte, hob sie hoch über das Getriebe gewöhnlichen Denkens und Handelns. Was der Welt ein Opfer erscheint, war ihnen der Einsatz für die Gewinnung der höchsten Lebensgüter, und die bloße Opferstätte galt ihnen so als die harmonische Vollendung alles Schönen und Herrlichen, daß sie den Gottesaltar mit dem freudigen Rufe umzogen, pd'b 1? 'vi' naiö i? w und ihn so als die Quelle feierten, aus welcher alles Herrliche ihres ganzen Lebens floß. u'j'y rrh rp^ um. Sie hatten ihren Blick auf Gott gerichtet, und wandten ihn auch jetzt nicht von Ihm, wenn sie die Tempelräume verlassen und ihr häusliches, geschäftliches Leben wieder ausgenommen hatten. Diese Nachfreude, die Freude mit der Freude, wenn ihre nächste äußere Veranlassung längst dahingeschwunden, ist der untrüglichste Maßstab für ihre Wahrhaftigkeit und Reinheit. Die Freuden, welche Menschen so nennen und aufsuchen, die Freudenfeste, die sie stiften, brauchen nur verrauscht zu sein, und es tritt die Entnüchterung und Enttäuschung ein. Der Contrast zwischen den heiteren Festtagen und dem prosaischen Werktagsleben gibt jenen einen bitteren Beigeschmack, den kein Festjubel beseitigen kann. „Aber die Gerechten bleiben auch in Zukunft heiter, jubeln auch in der Folge laut auf vor Gott, sie freuen sich mit der Freude." (Psalm 68, 4.) nnDteo 'n igfyp inar ll'pnw. O, es ist ein trostloser Gedanke, leer von Gott aus dieser Zeit zurückzukehren und mit dieser Leere im Herzen das neue Leben nun wieder anzutreten. Die rauhe Jahreszeit mit ihren Sorgen für die Gesundheit unserer Lieben, mit ihrer Schwierigkeit, die Mittel zum Leben zu finden, der schwere Ernst der Zeit, welcher sich in allen Formen geltend macht, das Vorurtheil und der Wahn, die uns allenthalben als Juden entgegentreten, das harte Verhängniß, das über Hunderttausenden von jüdischen Brüdern und Schwestern schwebt, welchen an der Schwelle des Winters die Ausweisung von Haus und Hof droht, alles dies, und noch viel mehr als das, läßt uns sorgenvoll aufblicken zu Gott, mit der Frage: "iw jo vno. „Woher wird meine Hilfe kommen?" Die Antwort auf diese Frage, pNi DW nany dvd my, „Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gestaltet", wird nur denjenigen wahrhaft beruhigen, welcher von der ihr zu Grunde liegenden Wahrheit wirklich voll und ganz durchdrungen ist. Daß Gott nicht nur ein Gott des Himmels, sondern auch der Erde ist, daß Er unseren kleinen, irdischen Verhältnissen unsagbar nahe ist, daß sie der Gegenstand Seiner

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