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Der Israelit · 1890-09-18 · Heft 74 (18.9.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 74 (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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glänzen sehen. Es war schwer, ihn zu beurtheilen. Er erschien Allen als ein verschlossenes Buch. Wenn man die Züge seines Angesichts beobachtete, so blickte einem aus denselben zwar strenger Ernst, aber keine Härte entgegen, ja, man mußie sich gestehen, daß sogar ein sympathischer Ausdruck über dieselben gebreitet war. Wer oft mit ihm in Berührung kam und ihn genau kannte, der konnte nicht anders sagen, als daß er ein braver, stets dienstfertiger Mann, Freunden ein treuer Freund und zuweilen auch ein recht heiterer Gesellschafter sei. Von Natur waren ihm sicherlich seine jetzigen absonderlichen Eigenheiten ursprünglich nicht zugetheilt; es muß etwas durch sein Leben gegangen sein, das ihm sein absonderliches Wesen nicht etwa von selbst, wider seinen Willen und ohne sein Zuthun aufgezwungeu hat, sondern das ihn veranlaßt hat, sich mit einer gewissen Selbstüberwindung diese Haltung zu geben und sie gewissermaßen zu seiner zweiten Natur zu machen. An dem bestimmten Tage waren um vier Uhr Nachmittags in dem 51s diesem Zwecke in einem großen Hotel gemietheten Saale die sämmtlichen Chewramitglieder versammelt, Carlisle nicht ausgeschlossen. Max Kirschner hatte schon einige Tage vorher bei Meixner die Erlaubniß eingeholt, bei dieser Versammlung einen Vortrag über die Gründung und geschichtliche Entwickelung der Chewra halten zu dürfen. Meixner setzte jetzt die Verfammlung mit einigen einleitenden Worten von diesem dankenswerthen Anerbieten des Herrn Kirschner in Kcnntniß und ersuchte diesen, mit seinem Vortrage zu beginnen. Dieser begann damit, einen geschichtlichen Rückblick auf die Gründung des Vereines zu werfen, was ihn natürlich darauf führen mußte, sich zunächst mit der Person des Gründers derselben, des vor fünfzehn Jahren in einem Alter von fünfundsiebenzig Jahren verstorbenen und Allen, die ihn kannten, unvergeßlichen Herrn Samson Kohn, zu beschäftigen, wobei er nicht hinzuzufügen vergaß, daß wir heute die Ehre haben, den Schwiegersohn desselben, den hochgeehrten Herrn Salomon Carlisle vor uns zu sehen. Er zeichnete die Person des Herrn Samson Kohn, der in der That durch sein imponirendes Aeußere, durch sein reiches jüdisches Wissen, durch seine aufrichtige Frömmigkeit, durch seine Rechtlichkeit und Gewandtheit in seinem Geschäfte als Wechselmakler und durch seine sonstigen rühmlichen Eigenschaften Vielen unvergeßlich war, von seiner entbehrungs- und prüfungsvollen Jugend an bis zu seiner geschäftlichen Blüthe und in derselben Zng um Zug, durch alle Zeitabschnitte seines Lebens hindurch bis zu seinem Tode, in so geschickter, lebenswahrer und klarer Weise, daß selbst Diejenigen, die ihn gar nicht gekannt hatten, ein anschauliches Bild von dieser ungewöhnlichen Persönlichkeit erhielten. Alle fühlten sich tiefergriffcn bei dieser geschickten Schilderung und Zusammenstellung aller folgenwichtigen Strebungen und Ereignisse eines so thatenreichen und erfolggesegneten Lebens, in welche auch zugleich das Leben des Vereines und Vieler seiner Angehörigen, die sich um denselben verdient gemacht hatten, in sehr zutreffender Weise mit eingeflochtcn war. Selbst Carlisle konnte sich eines, ihm schon lange fremden Eindruckes nicht erwehren, so sehr er auch anfänglich dagegen kämpfte; er war ergriffen und bewegt. Man merkte ihm das an, als er nach Beendigung des dreiviertelstündigen Vortrages zu Kirschner hiutrat und ihm unter Händedruck seinen Dank aussprach. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschnrun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSmal in mindesten» 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch -en Auchhanöri bestehen bei E. F. Kleinacker, Leipzig, Uosjplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt «(Hauptblatt): Leitender Artikel: Kehre zurück, Israel! — Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Leipzig. Uffenheim. Gr. Zimmarn. Rimbach i. Odenwald. — Schweiz: Bafel. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Wien. Preßbnrg. Brünn. Oroshaza. — Rnmänien: Bnkarest. — England: London. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Das Süiidenbekenntniß ani Versöhnnngstage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Lechenich. Nieder-Wöllstadt. Gersheim. — Oesterr.Ungar. Monarchie: Wien. Prag. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Bürgel. Mannheim. Jungholz. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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