Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 72-73 (11.9.1890)
- Date
- 1890-09-11
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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WrthodoLe MuderrthumÄ kwV\ÖSES~ 11. Septbr.^ [1890. MM Ir'TNv MW Filerarische Rundschau. Jüdisches Leben in Wort und Bild von Sacher-Masoch. Original - Illustrationen von Gerardin, Alphonse Levy, Emil Levy, Heinrich Levy, Eduard Levy, Schlesinger, Vogel, Worms. Mannheim bei I. Bensheimer 1890. Lieferung 1. (2.50) Ein eigenartiges Werk ist es, dessen erste Lieferung uns zurBeurtheilung vorliegt und fast hätten wir eine Recension in diesen Blättern abgelehnt, hätten uns nicht zwingende Gründe dazu veranlaßt, einem Prachtwerke, wie dem Vorliegenden unsere Aufmerksamkeit zu widmen. „Jüdisches Leben" will der Verfaffer uns vorführen, der Verfasser, der selbst Nichtjude ist! Jüdisches, echt jüdisches Leben ist heutzutage selbst für den Glaubensgenoffen selten zu finden. Seitdem die Neuzeit ihren vergiftenden Hauch einer falschen Aufklärung in die meisten Familien der großen Städte und selbst des flachen Landes hat wehen lassen, ist aus vielen dieser Kreise das echt jüdische Leben entschwunden, und seitdem der Antisemitismus überall umherspürt, um jüdisches Leben zum Verbrechen zu stempeln, hat sich dasselbe, wo es noch anzutreffen war, in den Kreis der Familie zurückgezogen, der keinem Fremden zugänglich ist. Deshalb muß der Verfasser vorliegenden Werkes, um die alten jüdischen Sitten mit ihrem biblischen Charakter, ihrem naiven Aberglauben, ihren poetischen Legenden und ihrem für das patriarchalische Leben so lebhaften Gefühl wieder zu finden, sie in den Dörfern und kleinen Städten des slavischen Ostens, im Elsaß ic., nur nicht in den großen Städten des Westens beobachten. Für viele der Bewohner dieser Städte „ist das jüdische Leben nur noch eine, poetische Erinnerung wie das Ghetto." Wahre Worte aus dem Munde eines Nichtjuden,derein offenes Auge und unbefangenes Urtheil für die Poesie des jüdischen Lebens hat. Das, was der Verfasser in Worten schildert, führen berufene israelitische Künstler unserer Seele im Bilde vor und wenn auch die Ausführungsweise der Illustrationen durch ihre, dem Publikum seltener zu Gesicht kommende Manier im ersten Augenblicke frappirt, so sind die Mienen und der Ausdruck der einzelnen Figuren doch trefflich gelungen. Die Verlagshandlung hat das Werk, welches in 10 Lieferungen vollendet sein wird, auf das Eleganteste ausgestattet, und däucht uns der Preis für das Gebotene nicht zu hoch. Doch nun zum Inhalt. Der Verfasser führt uns zuerst nach Galizien in das Land der Chassidim in die Stadt Sadagora. Dort bewohnt Herz Maisel, „ein Ehamer und ein Schlemihl" mit seiner Frau und seinen Kindern die Hälfte einer Stube, in deren anderer Hälfte Sadjuel Pik- Kckeröau treibender Jude in Zlußtand.