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Der Israelit · 1890-09-11 · Heft 72-73 (11.9.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 72-73 (11.9.1890)
Date
1890-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»• ■ V - .y - ,« -•- --t-V--'---7*^7 : e--rrs' - -’ * befer. Buchb&ncLlu4£ \ * XXXI. Jahrgang. V^/kfukJ*/ M 72 & 73♦ Israelit - Itschurii». 3ritrdjrift W FSrüemg iiiö. GrW uiiö W. ftto in Ars. GmkMr mb Mir. Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 11. September 5650 (1890). Da mit dem 1. Oktober 1890 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten WHWW Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Wir geben heute eine Doppelili^^r nnmmer, da des hl. Neujahrsfestes wegen die nächste Nummer (Nr. 74) Donnerstag, den 18. September, erscheint. Leitende Artikel. M ü ck K o h v. (Zum Neujahrsfeste.) Mainz, 9. September. Es ist ein tiefer, beglückender Gedanke, dem unsere heilige Sprache Ausdruck gibt, wenn sie das erwachte Bewußtsein unseres verfehlten Thuns und Lassens, mit dem festen Vorsatz eines neuen, pflichttreuen Lebens und seine redliche Ausführung, Rückkehr, Teschuba, nennt. Diese Bezeichnung sagt, daß jeder Schritt, der uns von unserer gottgebotenen Pflicht entfernt, uns auch unserem himmlischen Vater entfremdet. Daß Gott dem Menschen, seinen Bedürfnissen, Wünschen und Hoffnungen nahe ist, diese beseligende Liebesnähe unseres himmlischen Vaters für jede zu ihm emporstrebende Menschenseele, ist der ursprüngliche, naturgemäße Zustand, wie wir ihn aus der Geschichte der ersten Menschen kennen. Erst der Jrrthum, der Wahn und Trotz des sich gegen Gottes Gesetz auflehnenden Menschen entfernt und entfremdet das Kind dem Vater und verschließt ihm die Pforten seines Paradieses. Aber in dem Augenblick, in welchem die Sehnsucht nach der Unterordnung unter Gottes Gesetz in der menschlichen Brust sich wieder regt und durch die That sich bewährt, vollzieht sich die Rückkehr in ein besseres Heim, und der Verirrte weiß sich wieder geborgen unter dem liebenden Schutz der göttlichen Gnade. Unter unseren Pflichten nimmt daher Mizwas Teschuba, die Rückkehr zur Pflicht, sobald wir uns von ihr entfernt, einen hervorragenden Platz ein. Das Wort Gottes, wenn es uns ihre Bedeutsamkeit zu Herzen reden will, legt uns nahe, wie sie nicht zu unfaßbar für unser Verständnitz und nicht zu fern liegend sei, daß sie nicht himmelhoch unseren Horizont überrage, und auch nicht jenseits des Meeres gesucht werden müsse. .irwj& -pnVm ‘inö um yb» nrip '2 „Die Sache liegt dir ungemein nahe, in deinem Munde, in deinem Herzen, um sie zu vollbringen." (5. B. M., 30, 14.) Der Mund spricht ungeschminkt das Unrecht arrs, dessen wir in der Gegenwart uns schuldig wiffen, das reuige Herz ruft den Allwissenden als Zeugen seines Schmerzes über die verfehlte Vergangenheit an, und aus beiden erblüht für die Zukunft die That, welche vollbringen soll, was der Mund gesprochen und das Herz bewegt hat. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft reichen sich hier die Hand. Wo der strebende, irrende, sorgende Mensch stille steht in der Flucht der Zeiten, um Mizwas Teschuba zu üben, hört er aus dem Pendelschlag der Zeit diesen ihren Dreiklang heraus, dessen räthselhaftes Geheinmiß Geist und Gemüth ergreift. Aber der Mensch auf der Jagd nach den Gütern seines vermeintlichen Glücks steht nie stille, hat keine Zeit stille zu stehen, und wenn er selbst die Zeit fände, so geht ihm die Muße, -das Bedürfniß und die äußere Veranlassung ab, um in der von ihm rastlos durchjagten Rennbahn innezuhalten. „Vorwärts, Vorwärts!" lautet die Parole des Tages. Vorwärts treiben Wahn und Sorge den gehetzten, keuchenden Menschen in einen Kampf, in dem das Leben eingesetzt wird, um die Mittel zum Leben zu erlangen. Vorwärts zur Erde beugt und krümmt sich das Futter und nichts als Futter suchende Ebenbild Gottes auf Erden, und verlernt den Blick zum Himmel zu richten oder ihn auch nur über die bereits zurückgelegte Strecke orientirend schweifen zu lassen.

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