Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1890)
- Date
- 1890-09-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448093--30696-2478486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1317 ich ihm die ganze Erbärmlichkeit seiner Denkweise auseinandersctze, wie er seine Erstgeburt für ein Linsengericht, sein Aller heiligstes für ein saftiges Beafsteak hingkbt. Sage ich ihm das klipp und klar, wie ich's meine und wie es ja in Wirklichkeit ist, dann beachselzvckt er mich als einen Grobian, der kein savoir vivre hat und er erklärt sich Wilden für einen besseren, polirtcren Menschen als mich rabenschwarzen Fanatiker. Für die gute Sache kommt bet solchen Disputationen nichts heraus, wohl aber für die schlechte. Deßhalb suchen die Abtrünnigen solche Discussionen auf, und deßhalb untersagen wohl unsere Weisen darauf einzugehen und aus diesem Grunde verdrießt es mich, wo solche Unterhaltungen angezettelt werden. Mein Gegenpart wird nach gewalteter Discussion weiter r&iu essen und weiter sein zügelloses Leben führen, und sich dabei sagen, es haben schon viele ihm beweisen wollen, daß er im Unrecht wäre, aber der Beweis sei bis jetzt keinem gelungen. Er wird auch nie gelingen. Es ist schade dafür, doppelt schade, wenn man auf dem Vierwaldstätter See fährt und die Bewunderung der hier verschwenderisch hingezauberten Naturschönheitcn durch solche Betrachtungen auch nur einen Augenblick stört. Der Vierwaldstättersee ist die Perle der herrlichen Schweizer Seen und übertrifft an ergreifender Großartigkeit wohl alle Seen Europas. Ich habe schon oft Schilderungen von ihm gelesen, aber man bekommt keinen Begriff von der Wirklichkeit, wenn man sic nicht mit eigenen Augen geschaut. Ich nehme deßhalb von jeder Beschreibung Abstand. Denke Dir den Rhein von Bingen bis Bonn und Du hast einen Maßstab en miniature für die Herrlichkeiten des Bierwaldstättcrsees. Während der Rhein nur einen von Bergen eingerahmten Wasserftreifen repräsentirt, hast Du hier eine Wafferfläsche von fast 9 Stunden Länge und einer Stunde Breite, an deren Ufer sich Berge thürmen, gegen welche die Höhen längs des Rheins nur wie bescheidene Hügel erscheinen. Dazu kommen die durch Schiller's Dell so populären historischen Erinnerungen, die sich an den See und die ihn umgebenden Berge und Dörfer knüpfen. Man sieht den Rütli, auf welchem vor nun 600 Jahren die Eidgenossen zu einem Bunde zusammentraten und bewundert den deutschen Dichterfürsten, der in seinem Dell die ganze Scenerie so treu geschildert hat, obwohl er niemals die Schweiz gesehen. Mitten in dem berückenden Ensemble spielte mir meine jüdische Brille wieder einen Streich, und erinnert mich daran, daß wir Juden die älteste Eidgenossenschatt auf Erden sind, führt mir un s eren Rütli vor das geistige Auge, an dessen Fuß wir Gott den Eid der Treue — yotwi n^j/J — gelobt. Neben mir kauen zwei Glaubens- oder richtiger Eidgenossen ihre Schinkenbrödchen! Sie haben auch den Gotteseid einst mitgeschworen und brechen ihn hier, wo alle anderen überwältigt von Gottes Allmacht, Gottes Stimme in der Schönheit und Erhabenheit der ganzen Natur still verehren. Ich schäme mich immer tief in die Seele hinein, wenn man mich mit solchen Menschen in einen und denselben Topf wirft, indem man sie meine Glaubensgenossen nennt. Wenn man sie Physignomie- Genossen nennen würde, könnte ich nichts dagegen haben. Aber Glauben? Als ich eben den blauen See bewundert habe, wie sich die Bergriesen in ihm spiegeln, war ich unfreiwilliger Zeuge des Glaubensbekenntnisses der beiden Schinkenstullenkauer. Der eine glaubt, daß auf Rigi-First die Roastbeafs viel weicher und zärter wären, als auf Rigi-Scheidegg. Und der andere glaubt, daß man in ganz Bern kein so gutes Bier bekäme, als im „National!" — Das sind die Angelpunkte, um die sich ihr Glauben dreht und welche den Gegenstand ihrer Unterhaltung bilden, wenn sie sitzen und wenn sie gehen, wenn sie sich niederlegen und wenn sie aufstehen. Was haben meine Ueberzeugungen mit diesem Glauben gemein, daß man mich ihren Glaubensgenossen nennt? Stehe ich nicht dem gebildeten, vorurtheilsfreien Christen hundermal näher, als diesen ungebildeten, vorurtheilsvollen sogenannten Glaubensgenossen? Doch genug davon. — Meine Tinte ist gelb, es ist zu viel Galle darin, viel mehr als für einen Ncisebnef-Schreiber und -Leser zuträglich ist. Wochen - Kalender. Freitag, 3 2. September, 27. Elul. Samstag, 13. September, 28. Elul. D’3S5 2. Sabbat-Ausgang 7 Uhr 5 Min. (Mainzer Uhr). Sonntag, 14. September, 29. Elul. my. Nach der „Allgemeinen Versicherungs-Presse" hatte im Jahre 1869 von den 4 großen Gegenseitigkeits-Gesellschaften den größten Reinzuwachs die „Lebensversicherung?: und Ersparniß-Bank in Stuttgart"; darnach folgte die „Leipziger Lebensversicherungs-Gtsellschast", dann „Gotha" und „Karlsruhe." Von den Aktie!,-Gesellschaften nahmen bezüglich des Reinzuwachses die „Germania" in Stettin und die „Viktoria" in Berlin die ersten Stellen ein. llen Freunden einer ausgezeichneten Cigarre empfehle ich aus eigener, praktischer Erfahrung als beste Bezugsquelle das Versandtgeschäft von H. Zimmer, Fürstenwalde bei Berlin. Die genannte Firma hat sich durch ihre Solidität einen ganz besonders guten Ruf erworben. Ihr Geschäftsprinzip ist: Veste Maare bei billigster Preisstellung und durchaus reeller Bedienung. Ich bin überzeugt, daß ein jeder Raucher nach einmaligem Versuch ein treuer Kunde der Firma wird. Die Firma versendet Preiscourante gratis u. franco. A. E. in F.