Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1890)
- Date
- 1890-09-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1316 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Ketskemat, 28. August. Der verwaiste Stuhl unseres Rabbinais ist nun wieder besetzt. Dr. Josef Barany, bisher Inspektor der Schulen der israelitischen Gemeinde in Budapest, wurde zum hiesigen Rabbiner erkoren und tritt schon demnächst seinen neuen Posten an. Dr. Barany ist als tüchtiger Pädagog und auch als vortrefflicher ungarischer Kanzelredner bekannt. Satorallya-Ujhely, 2. September. Heute hat nun, wie ich Ihnen schon angeknndigt, der neue Rabbiner der hiesigen Status quo - Gemeinde, Rabbi Koloman Weiß, seinen feierlichen Einzug hier gehalten. Der Vorstand war ihm in corpore mit seinem Präses Herrn Bernhard Schwarz an der Spitze bis Szerencs entgegengefahren. Hier im Bahnhofe, wo der Zug um 4 Uhr Nachmittags eintraf, wurde der neue Oberhirte von seiner Gemeinde aufs ehrfurchtsvollste begrübt, wobei das Vorstandsmitglied Herr Albert Friedlicber eine kurze Ansprache an ihn hielt. In zahllosen Kaleschen und Kutschen bewegte sich nun der imposante Zug nach der Stadt und fuhr dann direkt nach der Synagoge. Das Gotteshaus war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Es wurde nun das Minchagebet verrichtet und auch ein Psalm gesungen, worauf der neue Oberrabbiuer die Kanzel betrat und hier ein weihevolles Gebet für den König, das Vaterland und seine neue Heimathsstadt vortrug. Es folgte dann seine Jnaugurationsrede über die Pflichten, die ihin nun in seiner neuen Seelsorge obliegen werden und fand dieselbe allgemeinen Beifall. England. London. Die Einrichtung von Feriencolonien für Schulkinder hat erst vor wenigen Jahren in England Eingang gefunden. Allein diese wahrhaft humanitäre Institution hat solchen Anklang gefunden, daß bereits in diesem Jahre circa 500 jüd. Schulkinder je durch 14 Tage auf dem Lande untergebracht werden konnten. Allerdings hat das Gönnte nicht blos durch Sammlungen die nöthigen Mittel aufgebracht und persönlich die höchst beschwerliche Juspection besorgt, sondern einzelne Mitglieder haben ganze Partien in vollständige Verpflegung genommen. Mr. Samuel Montagu hatte, wie im Vorjahre, die Güte, während des ganzen Sommers 30 Kinder auf seinem Landsitze in Swathling zu beherbergen; Mr. Ernest Franklin nahm 15 Kinder in Catcrham und Mr. Arthur Franklin ein Dutzend in Folkcstone auf. Es ist dies eine wahre Wohlthat für die Kinder der armen Juden des East-End, weßhalb schon jetzt für eine umfassendere Action für das nächste Jahr Sorge getragen wird. Rußland. Aschkabad, 1. Sept. Wie verlautet, hatte der Landeskommandirende Knropatkin mehreren in Aschkabad wohnhaften Juden den Befehl ertheilt, ihre Geschäfte abzuwickeln und binnen einem Monat Transkaspien zu verlassen. P a l ä st i n a. Hebron, im August. Die Missionsgesellschaft breitet sich immer weiter ans, auch hier hat dieselbe nunmehr eine Filiale errichtet, iu welcher man armen kranken Glaubensgenossen ärztliche Behandlung angedeiheu läßt und ihnen kostenfrei Arzneien stellt. Es wäre sehr zu wünschen, daß nunmehr auch von jüdischer Seite ein Arzt hierher entsendet werde, damit unsere Kranken nicht in die Hände der Mission fallen. Wir hatten zwar seither einen Arzt, Herrn Dr. Stein; derselbe verläßt aber wieder unsere Stadt, weil das Salair, das unsererseits bewilligt werden kann, nicht hinreicht, ein genügendes Auskommen zu bieten. Es ist ja höchst rühmenswerth, daß für Jerusalem in jüngster Zeit so viel geschehen; detzhalb bitten wir aber dringend, unser nicht zu vergessen, da Gefahr im Verzüge. Feuilleton. Weiseöriefe aus der Schweiz. Bon E. H a t t e n f e l s e r. IV. Luzern, 8. El ul. Mein lieber Freund! Ich kann die religiösen Disputationen nicht ausstehen, die unsere abgefallenen Brüder bet jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vom Zaune brechen. Jeder halbwegs gewissenhafte Jude, mit dem sie zusammentreffen, ist eine stumme und dennoch nicht abzuweisende Anklage gegen den leichtsinnigen Lebenswandel, den sie führen. Das fühlen sie, und haben daher das Bedürfniß, sich zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Sie, die froh sein sollten, wenn man sie gewähren und nach ihrer Fa^ou unselig werden läßt, fangen noch Disputationen an, und geben sich den Anschein, als hätten sie Recht mit dem schreienden Unrecht, das sie öffentlich sau3 gene begehen. Es kommt bei diesen Discnssionen nichts heraus, Herr 9t. ißt nsiv, weil das leichter, bequemer und billiger ist, als iieo zu essen. Daran kann ich nichts ändern, und wenn ich in der Discussion mit ihm, mit Engelszungen spräche und ihm das Blaue vom Himmel herunterholen könnte. Gegen dieses innerste Motiv seiner Handlungsweise habe ich kein Argument, als daß