Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1890)
- Date
- 1890-09-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. s2*Hxfurt M 71. Israelit «* Ieschurnn. Zrltslhrist litt Färöeritiig jiiii. Gelßes Md W. ßrbrM iu Uns. GemlMe Md KUie. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 8. September 8850 (1800). Da mit dem l. Oktober 1890 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitender Artikel. Der Gegensatz in den Gemeinden. Von Isaak Hirsch. (Fortsetzung.) Der Vorwurf, welchen die heutigen Stimmführer der Reform gegen die Orthodoxen erheben, daß sie den Frieden der Gemeinden zerstören, fällt somit auf die Reformer zurück. Nicht minder aber ist es mit der gleißnerischen Berufung auf die Lehre Hillels; nasn p wnDn ‘pm, mit welcher ein geradezu frivoles Spiel getrieben wird. Ihr dürft Euch, so rufen die Reformer den Orthodoxen zu, doch nicht von der Gemeinde trennen, da Hillel ausdrücklich eine solche Absonderung verpönt. Wie könnt Ihr, die ihr den Aussprüchen der alten Meister eine so autoritative Bedeutung beimesset, eure eigenen Wege wandeln, wenn die Majorität der Gemeinde es für gut befunden hat, ältere Gewohnheiten abzulcgen und neue Einrichtungen zu treffen? Die Minderzahl hat sich der Mehrheit unterzuordnen, sich aber keineswegs abzusoudern: msn p t^nsn sondere dich nicht von der Gemeinde, mahnt der weise Rabbi. Nun gilt allerdings im Judenthume die Regel der Mehrzahlautoritüt mtsr6 D'm nn« überall dort, wo die Majorität sich auf den Boden des Gottcsgesetzes stellt, wo aber die Majorität sich von diesem Boden entfernt, da lautet die Maxime: i-rnn nV n'Dn1? D':n nnx, „Folge nicht der Majorität zum Bösen!" Und wahrlich hat Hillel keiner Minorität, auch nicht der allergeringsten, anrathen wollen, einer Mehrheit sich anzuschlicßen in der Vetheiligung einer Uebung, welche wider das Gesetz verstößt. Darum bemerkt auch R. Schtmeon ben Zemach Dunau in seinem Kommentar zu dieser Lehre Hillels nnxriBo rawo;r nn dhd Emen D^p^po orran, „Wenn I aber die Gemeinde ungehörige Weisen annimmt, I dann ist Derjenige, welcher sich von ihr absondert, lobenswürdig, wie ja auch Jirmijahu gesprochen: O, daß ich eine Herberge in der Wüste fände, ich verließe mein Volk und zöge von ihnen fort, denn sie haben sich alle der Sinneslust ergeben, sind eine Rotte Treuloser geworden! (Kap. 9, 1) — und David spricht: Ich habe stets jeden Verein von Uebelthätern gehaßt und wollte niemals einen Sitz einnchmen bei Frevlern (Psalm 26, 5) — ebenso auch Jeschaja: nennet nicht eine Vereinigung jegliches, was dieses Volk also nennt (Kap. 8, 13)." Hirsch iu seiner Kommentirung zur Stelle (Jeschurun 1886, S. 253) führt iu dem gleichen Sinne ans: Nicht dem Einzelnen, der Gesammtheit naniö n^np, hat Gott seine n-nn zur Vererbung an alle Folgegeschlechtcr übergeben, darum hat jeder Einzelne, so lange seine Gcmc in de sich als echte, treue Trägerin und Pflegerin der mm bewährt, in Gesinnung, Wort und That sich seiner Gemeinde auzuschließen und alle ihre Lasten und Aufgaben hingebungsvoll mitzutragen." Die Gesammtzahl der an einem Orte wohnenden Juden bildet aber nur einen Bruchtheil der gesammten nojD, und die Gesammtzahl aller Inden eines bestimmten Zeitabschnittes nur einen Bruchtheil des ^np 'Ni o'jro mbnu, der Einheit, welche alle Juden aller Zeiten zu seinen Gliedern zählt. Von diesem großen, alle Zeiten umfassenden im» haben sich aber Diejenigen abgesondert, welche das ganze Judenthum, oder auch nur einzelne Theile desselben in Gesinnung und That verleugnen. Die Majorität eines Ortes, eines Landes, einer Zeitgeuossenschaft, welche der Reform huldigt, hat sich von dem Gesammtkörper losgesagt, während die verschwindend kleinste Minorität eines Ortes, eines Landes, einer Zeitgenossenschaft, welche dem Judenthume treu bleibt, den Zusammenhang mit diesem großen -nast bewahrt. Die gesetzestreue Minorität