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Der Israelit · 1890-09-04 · Heft 70 (4.9.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 70 (4.9.1890)
Date
1890-09-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. KeilngeM^Z70 des ,ZsraM"§e,-Ieschurm" Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Westerburg. Heute, verehrter Herr Redacteur, habe ich Ihnen, G. s. D., nur Erfreuliches ans unserem zwar romantisch gelegenen, aber dem Weltverkehr fast gänzlich entrückten Städtchen zu erzählen. Gestern wurde, wie wahrscheinlich in allen Gauen Deutschlands, auch hier der zwanzigjährige Gedenktag der Schlacht bei Sedan gefeiert. Die Krieger unserer Grafschaft hatten weder Kosten noch Mühe gespart, um das Fest zu einem imposanten zu gestalten. Den Glanzpunkt dieser Feier bildete das auf einem freien, inmitten der Unterstadt gelegenen Platze Nachmittags abgehaltene und bis in die Abendstunde sich erstreckende, gemüthliche, vom friedlichsten Volksgeiste beseelte Fest, an welchem sich fast alle Bürger unserer Stadt, worunter auch unser allgemein verehrter Herr Landrath v. d. Goltz, sowie zahlreiche Auswärtige sich betheiligten. Wenn wir nun bedenken, daß die vom Antisemitenführer hiesiger Stadt, Herrn Clemens Brand, gehaltene Festrede, wie wohl nicht zu erwarten war, eine Frieden und Toleranz athmende gewesen, so verdanken wir sowohl dieses, als auch den während des ganzen Festes herrschenden brüderlichen Ton lediglich dem edlen Wirken des hochverehrten, biederen, toleranten und ehrenhaften Präsidenten des Kriegervereins: Herrn Grubendirektor Fichtel. Ihm allein haben wir es zunächst zu verdanken, wenn dem Antisemiten - Apostel Dr. Böckel der Boden für seine fluchwürdigen Agitationen hier entzogen worden ist. Schließlich kann ich die erfreuliche Bemerkung nicht unterdrücken, daß der Wirth, Herr Adolf Fuckert, welcher im verflossenen Winter Herrn Böckel seinen Saal zur Verfügung stellte, dieses, laut seines mir gegebenen Versprechens, in Zukunft nicht mehr thun wird. Gebe der Allgütige, daß die friedliche, augenblicklich in unserer Heimath zwischen allen Confessiouen herrschende Stimmung auch von Dauer sein möge. München, im August. Heute kann ich den geehrten Lesern des „Israelit" von einer schönen Feier berichten. Herr und Frau Rabbiner Selz begingen diese Woche das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Herr Rabbiner Selz siedelte vor einiger Zeit, nachdem er 41 Jahre seines mühevollen Amtes in der Gemeinde Harburg im Ries gewaltet hatte, hierher über, wo er das wohlverdiente otinm eum äixvitat pflegt. Das Fest verlief in schönster Weise. Kinder, Enkel und Freunde bemühten sich dem Jubelpaar den Tag zu einem möglichst freudigen zu gestalten. Auch Se. Königl. Hoheit der Prinz-Regent ließ dem Gefeierten seinen Glückwunsch, nebst einem großen Blumenstrauß überbringen. Möge das ehrwürdige Paar noch eine Reihe von Jahren steter Gesundheit und heiteren Gemüthes sich erfreuen. B. Oefterr. - Ungar.-Monarchie. Lewberg, im August. Der Gerichts- und Landes-Advokat Dr. zur. Philipp Mansch, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Mitbegründer und langjähriger Leiter des Vereins „Schomer Jisroel", ist verschieden. England. Ramsgate, im August. Den rastlosen Anstrengungen des Chacham's der Portugiesen, Dr. Gaster, verdanken wir den großartigen Erfolg, den seit kurzer Zeit unsere berühmte Lehranstalt „Judith College" erzielte. Es ist weniger die Anzahl der herbeiströmenden Wißbegierigen aus allen Welttheilen, die eine Zufluchtsstätte für Unterricht und Belehrung hier finden, welche der Anstalt Ruhm und Ansehen verleiht, als die Energie und unermüdliche Thätigkeit der Professoren und namentlich des Direktors, welche erwähnt zu werden verdienen. Noch niemals exiftirte in England eine Anstalt, die einer so staunenswerthen raschen Entwickelung entgegeneilte. Wir wünschen, daß die mühevolle Sorge der Lehrer und Vorstände das erzielen mögen, was zum Ruhm des Judenthums gereichet mnttrfci min Die hier spazierenden Badegäste können nicht umhin, ihre Verwunderung auszudrücken, daß auf dem stillen Hügel der Last cliffe eine solche Pflanzstätte des Wissens ruhet, die zur Hoffnung berechtigt, daß das Wirken der darin mit solcher Anstrengung Arbeitenden diese Aufgabe zur vollen Realistrung bringen wird. Möge der Himmel seinen Segen dazu verleihen! Brasilien. Seit der Begründung der Republik haben sich in unserem Lande mehrere jüdische Gemeinden gebildet. Die Regierung hat volle Religionsfreiheit proclamirt. In der Hauptstadt wohnen etwa 200, in Bahia 50 und in Pernambuco 20 Juden. Briefkasten der Expedition. Dankend erhalten von Heinrich Bendheim II. in Bensheim a. d. Bergstr. Mk. 1.50. Berichtigung. In Nr. 68 des „Israelit und Jeschurun", Seite 1248, erste Columne, Zeile 13 von unten, ist zu lesen, statt: „Des Morgens stieg", „Des Morgens stand".

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