Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 70 (4.9.1890)
- Date
- 1890-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448092--30663-2478452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I I XXXI. Jahrgang. M 70. Israelit «* Jeschumn. jcitrüjvift jut FördkMg jiikl. Geistes Md iiiö. Ktbktls ill Aus. GklllkiLdk Md Klyllir. Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Zudentßum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 4. September 5650 (1880) Leitender Artikel. Sprüche der Maler. Viertes Buch. XXXV. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. Bad Sandvoort, 2. Septbr. □’jnn oiijd pyy wyn Vxi imrr p »nön hu. Wir haben schon erwähnt, daß die Bescheidenheit eine der edelsten Tugenden ist, wir haben in Moscheh ein Muster der Bescheidenheit, welches uns immer und überall voranleuchtet, dem wir nachdaß die Aussprüche R. Lewitas und R. Jochanan den Beroka über die Bescheidenheit und über die Entweihung des göttlichen Namens im Sinne jener Secte ausgelegt werden können, da befürchtete er Mißverständnisse und er suchte diesen vorzubeugen. Für den Israeliten haben selbst die größten Tugenden nur dann Werth, hat die strengste Wahrheitsliebe, die größte Bescheidenheit und das ängstliche Streben, sich von otpn fern zu halten, nur dann Bedeutung, wenn elftere im Verein mit allen nisc geübt, letzteres im Verein mit allen nnay gemieden werden. Ein Fehler kann das schönste Gesicht häßlich machen; zur Schönheit gehört die Harmonie aller Theile. streben müssen. Im Wesen der Bescheidenheit liegt Zpr Erlanguu^dLr. Schönheit, der Bolldas unbewußte Zurücktreten der eigenen Persönkommenheit, die wir erstreben nasn p tmsn hü, lichkeit bei Gelegenheiten, die ein berechtigtes Hervortreten mit sich bringen. Der Bescheidene bescheidet sich beim Lobe wie beim Tadel, und wenn Jemand eine Bescheidenheit zur Schau trägt, in der sich nicht alle Eigenschaften der Tugend vereinigen, so ist er nicht bescheiden, so besitzt er diese Tugend nicht, er trägt sie nur zur Schau — er heuchelt eine Tugend, er ist unwahr. Alle Gebote Gottes beruhen auf Wahrheit und jede Uebertretung eines solchen ist eine Entweihung des göttlichen Namens. Wer sich von der Lüge fern hält, wer nicht vergeblich schwört, nicht lästert und flucht, der hütet sich vor der Entweihung des göttlichen Namens nur in einer Hinsicht. Nur im Reden scheut ein solcher Mensch, den Namen unseres Vaters im Himmel zu entweihen. Aber damit ist das Verbot noch nicht zu Ende. Man kann den göttlichen Namen durch Thaten ebensosehr entweihen wie durch Worte. Wenn nun die Essäer gelobten, sich jeden Schwures, jeder Unwahrheit zu enthalten, aber damit nicht die Beobachtung aller riwv, das Fernbleiben von jeder Uebertretung in diesen Schwur einschlossen, so hat R.Zadok das gerügt, indem er sagte: 1128.1 p BMisn ha „Sondere diese (Gebote nicht von den sämmtlichen Geboten." iwrr bedeutet nicht nur eine Gemeinde, sondern auch eine Gesammtheit, ein Ganzes (Könige II. X 8). Als der sittenstrenge Rabbi hörte, sondere man nicht eine msa von der anderen, denn nur in der Harmonie aller liegt der Glanz der göttlichen Schönheit. □’nn »ans» pyy pyn Du besitzest nicht das Recht, Dich zum Gerichtsherrn, zum Sachwalter zu machen. Dieses Recht steht nur der Obrigkeit zu. Wer von uns Menschen will sich anmaßeu ein Urtheil über die Wichtigkeit einer mso, über die Größe einer rroy sprechen zu dürfen? Wer vermag zu ergründen, in welchem Grade die von uns am geringsten geachtete rvroy unserer Seele schadet? Wer will die Verantwortung für ein solches Urtheil übernehmen? — Gewiß Niemand! Darum nmn 'dtijd psy tyyn ^.*) na hunnh moy n^yn ^«1. Gebrauche keine mso als Krone, mit Dich damit zu zieren. Dieser Ausspruch galt den Oberen des Ordens, den Leitern und Führern, deren einziges Streben dahin ging, den Ehrenplatz eines Oberen des Ordens der Bescheidenheit einnehmen zu können. Die eklatanteste Entweihung des Begriffs dieser Tugend wurde dadurch herbeigeführt. Der Bescheidene schmückt sich nicht mit seiner Bescheidenheit; er strebt nicht, zu prangen und zu glänzen. *) Hillcl und R. Jehuda b. Tabai haben diese Aussprüche freilich schon als eigene Sentenzen gelehrt, aber nicht in dem Sinne wie unser Autor.