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Der Israelit · 1890-08-28 · Heft 68 (28.8.1890) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 68 (28.8.1890)
Date
1890-08-28
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1263 geneigt erhalten wollen. So — und nun leben Sie wohl, lieber Nathan!" Hierin bestanden die Worte der edlen, milden Königin Amalie Auguste. Daß jede Silbe von allen diesen Worten, wie ein süßer Laut dem erstaunten und bis zu hellen Thränen gerührten Nathan in's dankdurchdrungene Herz klang/ ist leicht zu errathen. Mir, geneigter Leser, wird es allgemach selbst etwas feucht unter den Augenwimpern; der Wahrheit zur Steuer aber muß ich öffentlich kundgeben, daß ein Sohn des Nathan, jetzt selbst ein alter Mann, diese Geschichte mir jüngst erzählt hat — und wer die lautere, edle, erhabene und gütige Königin Amalie Auguste aus der Geschichte kennt, der wird nicht an der Wahrheit dieser Angaben zweifeln. Dir aber, israelitischer Leser, habe ich diese Geschichte mit tiefbewegtem Herzen mitgetheilt. Wobl der Königin, daß cs ihr gelang, das Herz eines Menschen zu sänftigen; und haben unsere Väter einst viel ertragen, sind sic unter Mühen und Thränen durch die Welt gegangen; ach, so hat es doch genug edle und erleuchtete Männer und Frauen gegeben, die wie das reinste Licht in der Dunkelheit - unseren Vätern, unseren müden Vätern, die kräftigste Stütze brachten! Siehe, Antisemit, das sollte'Dich allein belehren, wenn Du der Belehrung fähig bist. Nein, Du fühlst es nicht, was der Gegenwart Würde, der Vergangenheit heilige Weihe gibt. Ausgeschlürft hast Du die Quellen menschlicher Empfindungen. Gibt es für Dich keine Nächstenliebe mehr, so weiß ich, daß Dein Seelcnzustand, an welchem doch noch menschliche Gefühle hangen, die edle That der erhabenen Königin Amalie Auguste mit herzlicher Rührung erfassen wird. Blicke auf das Bild, was ich Dir hier gemalt, forsche nach, ob in Deinem eigenen Herzen Etwas sei, das den Wiedcrschein zurückspiegelt. Zur Charakteristik Friedrich Wilhelms I. von Preußen. Friedrich Wilhelm I., am 25. August 1688 geboren, folgte seinem Vater, Friedrich I. (der als Kurfürst Friedrich III. hieß) in der Negierung. Der zweite König Preußens unterschied sich wesentlich von seinem königlichen Vater in einer Eigenschaft, die allgemein bekannt ist, — in der Sparsamkeit. Von allen Regenten, die Preußens Königsthron zierten, war keiner so sparsanl, wie Friedrich Wilhelm I. Er war ein Feind aller Pracht und Vergnügungen und schaffte die Oper und die Hofkapelle ab, weil sie zu kostspielig für ihn waren. Dagegen sah er gern gymnastischen Vorstellungen und Kraftproduktionen zu und liebte eine gute Tafel, wenn sie ihm nichts oder wenig kostete. Sehr häufig speiste er bei General Grundkow, selbst wenn er Gäste oder einen Gesandten empfangen hatte. Den Sinn für Sparsamkeit suchte er auch bei seinen Unterthanen zu fördern. Er zog Kolonisten in's Land und nahm die aus Neligionshaß vertriebenen Salzburger auf, welche er in Ostpreußen ansiedelte. Religionsfreiheit übte er auch gegen die Juden. Unter seiner Regierung hatten sie sich einer gewissen Toleranz zu erfreuen. Sie durften in der Residenz Berlin wohnen, sich nach Belieben kleiden und ihre religiösen Gebräuche ganz ungestört ausüben. Dafür mußten die Juden sein Hauptvergnügen, die Jagd, unterstützen. Der König ließ die Verwerthung der reichen Jagdbeute nicht außer Acht. Alle Beamte, Gewerke, Kaufleute mld die Juden mußten eine bestimmte Anzahl der Beutethiere, für die der König willkürlich den Preis festsetzte, annehmen. Der Jndenschaft wurden zumeist die Wildschweine gegeben. Daß die Juden alles andere geschossene Wild, auch Hirsche und Rehe, nicht essen dürfen, scheint nicht bekannt gewesen zu sein. (Das Fleisch der Hirsche und Rehe — die nach religiöser Vorschrift geschlachtet werden — ist uns zum Genüsse erlaubt.) „Wenn man der Judenschaft namentlich die wilden Schweine, die sie selbst weder genießen, noch verkaufen (? Red.) durfte, sondern an Armenhäuser und Hospitäler abgab, zuertheilte, so hielt man dies im Sinne der Zeit für einen besonders guten Scherz" (F. A. v. Winterfeld). Am 31. Mai waren 150 Jahre verflossen, seitdem der sparsame, staatstüchtige Herrscher, Friedrich Wilhelm I. seine Augen für immer schloß. Zur Erinnerung an die 150. Wiederkehr seines Todestages veröffentlichte die „Kölnische Zeitung" unter obiger Ueberschrift einen Artikel aus der Feder des bekannten, militärischen Schriftstellers F. A. v. Winterfeld. Nachfolgende Mittheilung, in dem erwähnten Artikel enthalten, dürfte noch von allgemeinem Interesse für uns sein, weßhalb sie hier ihren Platz finden möge: Auch die reiche Judenschaft wurde bei Gelegenheit heraugezogen, um dem Hofe Kurzweil zu verschaffen, wußte sich aber bei solchen aufgedrungenen Ehrenbezeugungen schadlos zu halten. So wird berichtet : „Am 7. Januar 1740 ist, auf besonderen Befehl der königlichen Familie und der durchlauchtigen Braunschweig-Wolfenbüttelschen Herrschaft zur Ergötzung, in dem Wohnhause des Juweliers und Banquiers Ephraim, sowie auch auf dessen und seiner Söhne Kosten und Aussteuer eine Eheverbin-

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