Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1890)
- Date
- 1890-08-28
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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1262 Provinz'ial-Ordnung tu den östlichen Provinzen wurde Rickert 1876 in Königsberg in Preußen auf sechs Jahre zum ersten Landes - Director der damaligen Provinz Preußen gewählt, legte jedoch 1878 bei der Theilnng der Provinz in Ost- und Westpreußen dieses Amt nieder. Seit Beginn der antisemitischen Strömung trat Rickert sowohl im Reichstage, als auch bei anderen Gelegenheiten mit Nachdruck gegen diese neue Art politischer Anschauung auf und scheute sich trotz mannichfacher Anfeindungen und Verdächtigungen nicht, seine Ueberzeugung stets offen und frei auszusprechen. Zur Erimerililll m eine eitle Mfische Königin?) Von Karl Wicfenthal. Die geist- und anmnthsvolle Königin Amalie Auguste, die Gemahlin des längst in Gott ruhenden edlen Königs Friedrich August von Sachsen, besorgte einst im Jahre 1821 zu Leipzig, während dcr Frühlingsmeffe den Einkauf der bräutlichen Ausstattungsgcgenftände für die talentvolle und sittsame Tochter eines armen sächsischen Hofmannes. Das Fräulein hatte mehrere Jahre bei der erlauchten Königin gedient und hauptsächlich durch sittliche Tugend und feine Bildung das Augenmerk eines ansehnlichen Stabsoffiziers in der sächsischen Armee auf sich gezogen, der nun um die Hand der Tochter des Hofmannes anhielt. Da beschloß die mildherzige Königin, Mutterstelle au dem armen Kammerfränlein zu versehen. Erfahren nun die Handelsleute, daß hohe und reiche Standespcrsonen einkaufen wollen, da sind sie flugs mit ihren Musterkarten da, und loben und preisen ihre Waare. Unsere gnädigste Königin hatte zur Ansicht und Bestellung des Nothwendigeu durch das Amt einen eigenen Tag bestimmt. Dieser erschien und schon mit dem frühesten Morgen harrte eine Doppelreihe von Kauf- und Handelsleuten, Putzmacherinnen u. s. w., von dem Hoffonrier im weiten Speisesaale des Fürstenhauses*) **) geordnet, auf die erhabene Käuferin. Mit ihrer angestammten Leutseligkeit ließ sich die fürstliche Frau mit jedem, der seine Mnfterkarte vor sich auf dem langen Tische liegen hatte, in ein Gespräch ein, munterte mit geistvoller Umsicht den Gewerbsfleiß und Handelseifer eines Jeden auf und theilte ihre Bestellungen so ein, daß Jeder etwas zu liefern hatte, ein Einziger ausgenommen, der, als bereits die *) Nachdruck verböte». **) Das Fürstenhaus liegt in der Chrimmaischen Straße. Bis zur Zeit, wo Leipzig noch kein Palais hatte, nahmen die Könige und Prinzen von Sachsen dort Wohnung. Andern ihre Sachen zusammengepackt und sich unterthänigst der erlauchten Käuferin empfohlen hatten, allein noch mit aufgeschlagener Mnsterkarte am Tische stehen blieb und mit bittenden Augen die Fürstin ansah. „Lieber Nathan!" begann die erhabene Frau nun, „es thut mir leid, aber ich darf, meinem festen Grundsätze gemäß, Ihnen, so gern ich wollte, nichts abnehmen. Sie haben lauter englische Waare, ich jedoch halte es, um den einheimischen Gewerbsfleiß aufznmuntern, einzig mit der vaterländischen. Sie können mir das nicht übel deuten." „O, das sei ferne von mir. Eure Majestät — im Gegenthcil ist so Etwas rechtlich und nutzendringend; — ich aber bin dabei übel daran, bin ein ruinirter Mann, wenn Eure Majestät meine Waare, die ich bei dem reichen und geizigen Kaufmann Josef auf Borg herausnahm, gänzlich unberücksichtigt lassen sollten." So sprach unter einem lauten Seufzen der noch jugendliche Israelit, zog das Taschentuch hervor und wischte sich eine Thräne aus dem Auge. „Ach — nun weiß ich, woran wir Beide sind", begann sichtlich gerührt die edle Königin. „Hier gibt cs nur einen Seitenweg, und den wollen wir straks einschlagen. Ich muß das umsomehr thun, damit ich Ihnen, lieber Nathan, auch den leisesten Argwohn benehme, als hätte ich deßwegen nichts bei Ihnen bestellt, weil Sie nicht meines Glaubens sind. Wir glauben Alle an Einen Gott, müssen aber auch Alle ein Vaterland im Herzen und im Auge behalten! Verziehen Sic ein Wenig; ich komme bald wieder, und bringe Hilfsmittel." Noch wußte Nathan nicht, woran er war und stand daher wie auf glühenden Kohlen vor ängstlicher Erwartung der Dinge, die da kommen würden. Amalie Auguste erschien jetzt, reichte deur Israeliten einen Brief, der an den Kaufmann Josef adressirt und mit 100 Thaler in Banknoten beschwert war. „Dieses", sprach die großmüthige Königin, „geben Sie Herrn Josef und ich bin versichert, daß er die ausländischen Waaren gern znrücknehmen wird. Folgen Sie meinem Nathe und beziehen Sie in Zukunft die Messe nur mit einheimischen Fabrikaten. Ich habe Ihrer häuslichen Verfassung nachgeforscht und erfahren, daß Sie noch ein Anfänger und eben kein Glückskind sind. Für das können Sie nun nicht, und ich habe deßwegen meinen Kassier angewiesen, Jbnen einen Vorschub von 500 Thalern auszuzahlen, damit Sie ein Geschäft anfangen können. — Keinen Dank! Keinen Dank! Ich habe nicht mehr als Menschenpflicht ausgeübt und bedinge mir über den ganzen Vorfall Verschwiegenheit, wenn Sie mich je ferner Ihnen