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Der Israelit · 1890-08-25 · Heft 67 (25.8.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 67 (25.8.1890)
Date
1890-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Israelit «* Ieschurun Zettsltzüfi W FördkMS D. Geistes Md W. Kebess in KM». Gmeillde Md Klhuie. Aentrak-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den SS. August SOSO (1890). Leitender Artikel. Der Gegensatz in den Gemeinden. Von Isaak Hirsch. (Fortsetzung.) Nicht minder erkannte Abraham Geiger den sich tief einschneidenden Gegensatz zwischen dem alten orthodoxen Judenthum und der Reform und die Notwendigkeit einer Trennung dieser disparaten Bekenntnisse schon im Jahre 1831, und mit dieser Erkenntniß trat er in die rabbinatliche Wirksamkeit ein. Er sieht in der „gewaltsamen Verbindung dieserzwei so ganz getrennten Theile" sehr erhebliche Nachtheile für das religiöse und sittliche Leben der „Nichtgläubigen Juden" *) und erklärt die Durchführung dieser Trennung als die Aufgabe seines Lebens. Die Juden, „welche sich im Herzen vom Talmud losgesagt haben, sollen auch laut dasselbe thun und von ihrem Staate die Erlaubniß zur Bildung einer besonderen Gemeinde fordern". Er hält dieses „für sehr einfach und leicht ausführbar". — Einem andern Freunde gegenüber**) spottet er der Furcht „vor dem Gespenste einer Trennung im Judenthum", „als wenn das Schisma im Leben nicht auf die entsetzlichste Weise bestände!" Und als er in Breslau war, um als Rabbinatsassessor neben Tiktin und zweiter Gemeinderabbiner zu amtiren, spricht er sich gegen einen dritten Freund***) dahin aus, daß das „wahrscheinlichste Ende" . „eine völlige Spaltung" sein wird, „die übrigens für die Gemeinde wie für das Prinzip nur heilsam sein kann." „Es läßt sich die große Kluft zwischen den zwei verschiedenen Richtungen nicht mehr aussüllen und es lassen sich die Parteien nicht mehr Zusammenhalten; was hier jetzt eingetreten, muß nach und nach in großen und kleinen Gemeinden immer *) Brief an Ullmann v. 20. Sept. 1831. **) Brief an Frensdorfs vom 21. November 1837. ***) Brief an Jakob Auerbach vom 18. April 1842. mehr hervortreten, in gleicher Weise sich gestalten", meint Geiger und fährt fort: „In London ist das Factum schon entschieden, in Hamburg läßt sich's auch nicht mehr zurückhalten, in Frankfurt muß der Fall auch binnen kurzer Zeit eintreten und die Nachfolge kann dann nicht fehlen." So betrachtete Geiger vor 48 Jahren den Gegensatz in den Gemeinden. Wenn er trotz dieser Erkenntniß fortfuhr als Rabbiner zu sungiren und zwar ohne dieses Bekenntniß offen und klar auszusprechen und die Trennung offen zu verlangen, so ließ er sich dabei von seinem ungemein praktischen Blick leiten. Der Mann, welcher schon als 19jähriger Jüngling den Talmud „tagtäglich verabscheuungswürdiger" fand und das alte Judenthum dem Hofrath Paulus in Heidelberg und Schulrath Rossel in Aachen denuncirte, schlug doch den andern von ihm vorgezeichneten Weg ein, der weniger ehrlich aber auch minder existenzgefährdender war. Durch gewissenlose Wahrnehmung der rabbinatlichen Functionen, durch langsames Unterwühlen der pflichtmäßigen Gewissenhaftigkeit in dem Herzen der Gelneindemitglieder sollte das Volk der Reform in die Arme geführt werden. Geiger nennt dieses selbst ein Spiel. Er spricht sich darüber im Vertrauen also aus: „Der Geistliche hat sowohl in der Kirche als in der Schule immer positiv zu wirken, d. h., richtige Einsichten zu verbreiten, Wahrheiten gangbar zu machen und den Sinn der Juden aufzuklären, ohne hiermit das negative Prinzip zu verbinden, d. h., zerstören zu wollen; er lasse diese Gegensätze, die von ihm verbreitete Wahrheit nämlich und den bestehenden Jrrthum, in den Gemüthern der Einzelnen im Kampfe sein und gestehe es nicht, daß das letztere wirklich Jrrthum sei, bis er gegründete Hoffnung hat, daß eben dieser Gedanke schon von selbst im Kopfe eines Jeden angeregt würde, und dann trete erbloß bestätigend auf. Aber selbst hiergegen welch' ein unmäßiger Widerstand läßt sich, selbst wenn diese Gemeinde einmal auf diesen Wankzustand gebracht ist.

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