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Der Israelit · 1890-08-14 · Heft 64 (14.8.1890) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 64 (14.8.1890)
Date
1890-08-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Ztveite Beilage zu M 64 d-s „Israelit & Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Fürth, 7. August. An der israelitischen Bürgerschule dahier fand gestern unter Vorsitz des Ministerialkommissärs, des kgl. Prof, am Realgymnasium zu Augsburg, Herrn L. König, die diesjährige Absolutorialprüfung — die 10. dieser Anstalt — statt. Die 4 Abiturienten bestanden dieselbe sämmtlich und, wie wir in Erfahrung bringen, mit glänzendem Erfolg. Rumänien. Bukarest, 3. August. Wie ich Ihnen schon berichtet, wird am kommenden Rosch-Haschanah byn der hier neuerbaute scphardische Tempel inaugurirt werden. Unterdessen hat der Vorstand unserer sephardischen Gemeinde schon eine vortreffliche Acguisition gemacht, indem es ihm gelang, für dieses neuerbaute Gotteshaus Herrn Josef Curiel, bisherigen ersten Vorbetcr am sephardischen Tempel in Triest, als Hasan zu engagireu. Herr Curiel hat ' auch schon ans eine freundliche Einladung des Vorstandes einen Probevortrag hier gehalten, wobei er allgemeinen Beifall erntete. Man stellte nun Herrn Curiel, um ihn an Bukarest zu fesseln, die besten Bedingungen, und so entschloß er sich, seine Vaterstadt zu verlassen und in unserer Mitte seinen Wohnsitz zu nehmen. Mitte dieses Monats trifft derselbe hier ein, um sein neues Amt hier anzutreten. Somit ist nun ein schon längst gehegter Wunsch unserer sephardischen Gemeinde, endlich einmal auch einen musikalischen Cautor zu besitzen, in Erfüllung gegangen. Die scphardische Gemeinde in priest wird Herrn Curiel nur ungerne aus ihrer Mitte scheiden sehen. Türkei. Konstaritinopel, im August. Anläßlich des eben vergangenen Kurban-Veiramfestes hat sich unser Chacham Baschi mit seinem Adlatus in den kaiserlichen Palast begeben, um dem Sultan seineMückwnnsche zu diesem hohen Feste zu überbringen. Gleich den andern Kirchenfürsten wurde auch der Chacham Baschi hier vom ersten Kammerherru des Sultans empfangen, der dann die Glückwünsche im Namen seines Souveräns entgcgcnnahm. Derselbe versicherte dann km Chacham Baschi, daß Abdul Hamid die Israeliten zu seinen treuesten und loyalsten Untcrthanen zähle und auch von ihrem großen Patriotismos überzeugt sei. Feuilleton. Hieiseöriefe aus der Schweiz. Bon E. H a t t e n h e l f e r. I. Rigi-Kaltbad, iwjr nwart. Mein lieber Freund! Ich sehe schon, wie Du den Kopf mit einem bedenklichen Hm! schüttelst, wenn Du nur das Datum siehst. „Auch Du, Brutus?" denkst Du. Der alte Hattenhelser ist also richtig fahnenflüchtig geworden und geht ill seinen alten Tagen auch unter die Zahl derjenigen, welche Sommerfrischen aufsnchen, an welchen es keinen koscheren Bissen gibt?! Damit Du Dich nicht zu früh und umsonst ereiferst, will ich Dich zu allernächst beruhigen, daß alles in schönster, alter Ordnung ist, und zwar ans die einfachste Weise. „Wieso?" Das sollst Du später erfahren, denn ich bin zu voll von all' dem Herrlichen, das hier auf mich cinstürmt, als daß ich über Magen- und Küchenfragen jetzt mit Dir philosophiren könnte. Ist dieser Fleck Erde vom Himmel begnadet! Ich schreibe am offenen Fenster. Die Sonne, der man hier fast 6000 Fuß näher ist, brennt stärker als bei Euch da nntc:, aber dabei geht ein kühler, geradezu frischer Wind, wie ihn unten erst au den Setichostageu der i?n 'n über die Roggenfelder wehen läßt, so daß ich mich oft über der Frage ertappe, ob cs kalt oder warm ist, ohne daß ich sie zuverlässig beantworten kann. Vor mir liegt m der Tiefe der Vierwaldstättersee, den man mit einem Steinwurs erreichen zu können glaubt, bis einer seiner stattlichen Salondampfer wie ein niedliches Kinderspielzeug vorüberdampft und uns durch seine Winzigkeit erinnert, wie groß die Entfernung sein müsse, die ihn von da oben trennt. Das Schiff zieht seine langen Furchen und verdirbt dem mitten in den See wie ein ungeheures Krokodil vorspringenden Bürgenstock den blauen Spiegel, in welchem er sich sonst mit majestätischer Ruhe spiegelt. Rings um den himmelblauen See fassen ihn, wie Perlen, die Städte und Dörfer ein, die au sein Gestade aus allen Seiten gestreut sind. An diese schließen sich die grünen Matten, deren oberer Rand durch Wälder eingefaßt sind, über welche sich verwitterte, gigantische Felsen erheben, auf deren höchster Spitze der ewige Schnee herniederglänzt.

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