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Der Israelit · 1890-08-11 · Heft 63 (11.8.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 63 (11.8.1890)
Date
1890-08-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1163 hat, blosgestellt. Das junkerliche Blatt hat augenscheinlich in seiner Gier, den Juden eins auszuwischen, den von Morris de Jonge ihm vorgehaltcncn Brocken unbesehen heruntergeschluckt. Aus der Provinz Posen. In einer der letzten Nr. dieses geschätzten Blattes wurde die Mittheilung gebracht, daß durch die allbekannte Wohlthätigkeit des Herrn Rohr in unserer Kreishauptstadt ein Krankenhaus entstehen werde, das auf der Basis des gesetzestreuen Judenthums errichtet werden soll. Hierdurch veranlaßt, glaube ich auf folgenden Punkt aufmerksam machen zu sollen. Es besteht in unserer Provinz — vielleicht anch in der benachbarten Provinz Schlesien — keinerlei jüdische Anstalt für Geistes-Kranke, Nerven- und Gemüthsschwache ic. Wiederholt mußte ich zu meinem großen Leidwesen mir erzählen lassen, daß dieser oder jener Gemüthskranke jüd. Confession in einer christlichen Anstalt sich befinde und dort auch die Anftaltskoft genieße. Einsender dieses selbst kennt den Fall, daß ein Patient, der ebenfalls in einer solchen Anstalt sich befand und die in derselben verabreichte Kost essen mußte, sich freute, wenn er von Zeit zu Zeit etwas Koscheres vom Hause aus erhielt. Diese Erfahrung veranlaßt mich, die leitenden jüd. Kreise unserer Provinz auf diesen Punkt aufmerksam zu machen; vielleicht genügt diese Anregung, um auch hierin Wandel zu schaffen. Es wäre vielleicht auch möglich, daß in dem von Herrn Rohr zu stiftenden Krankenhause eine Abtheilung für Nervenschwache re. eingerichtet werde. S. B. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 7. August. Die galizische Stadt S taremiasto ist durch eine Feuersbrunst zerstört worden. An 120 Häuser, darunter alle jüdischen Bethäuser, fielen den Flammen zum Opfer, lieber 300 Familien sind obdachlos. Das Elend unter denselben ist groß. Biclitz. Aus Anlaß der Vermählung der Erzherzogin Marie Valerie hat der Gemeinderath von Bielitz je ein evangelisches und ein katholisches Mädchen mit Ausstattungen von 200 fl. bedacht und einen weiteren Betrag von 200 fl. dem israelitischen Armenfonds gespendet. Krakau, 7. August. Die hiesige Akademie der Wissenschaften hat eine Preisarbeit ausgeschrieben, mit dem Thema: „Die Bedeutung Adam Mickiewicz für die Literatur im Allgemeinen und die der polnischen insbesondere." Unter 155 Bewerbern hat unser Glaubensgenosse, der Hörer der juridischen Fakultät Sigmund Leser, den ersten Preis von 160 fl. errungen. Nach Ausspruch des Preisrichter-Collegiums ist diese Arbeit eine der gelungensten über die Stellung Mickiewicz zur Literatur. Rußland. Kiew, 8. August. Für die traurige Lage des Großgrundbesitzes in Süd-Rußland dürfte der „Voss. Ztg." zufolge den besten Beweis der Umstand liefern, daß im Monat Juni in den Gouvernements Kiew und Tschernigow nicht weniger als 182 Rittergüter auf Antrag der Kiewer Landschaftsbank versteigert worden sind. Dabei ist noch zu erwägen, daß in dieser Ziffer Besitzungen von Aristokraten enthalten sind, wie z. B. diejenigen des Fürsten Kotschubei, Gedroje, der Grafen Maurokordato und Tolstoi, des Barons Wrangel u. s. w., die allgemein als sehr reich galten und die neben den Einkünften aus Grund und Boden noch bedeutende Einnahmen aus Fabriken, Kapitalien oder hohen Beamtenstellungen hatten. In diesem Jahre erlöschen sehr viele Pachtverträge. Die Juden, welche eine bedeutende Zahl von Pächtern stellen, wollen sich jetzt, wo das Gesetz von 1882, welches Verpachtung an Juden verbietet, das aber vielfach umgangen wurde, streng ansgeführt wird, auf Pachtverlängerung nicht mehr einlassen. Infolge dessen ist der Pachtzins bei steigendem Angebot in stetem Sinken begriffen, während sich anderseits die Anzahl derjenigen Großgrundbesitzer mehrt, welche ihre Güter nicht selbst bewirthschaften mögen. Käufer von solchen verkauften Gütern sind hauptsächlich entweder hohe Staatsbeamte, welche infolge ihrer Stellung an die Hauptstadt gebunden sind, oder Speculanteu, selten nur Landwirthe von Beruf, sodaß die Güter sehr schnell ihre Besitzer wechseln. Amerika. Die Sonntagsruhe soll auch demnächst dem Oberbun desgericht zur Entscheidung unterbreitet werden. Der „Testfall" kommt aus Tennessee, wo ein Bauer, der zu den Adv ent ist en gehört — eine Sekte, welche des Glaubens ist, daß der liebe Gott am Sonntag und nicht am Montag die Welt zu erschaffen angefangen habe, und welche deßhalb am Sonnabend rastet — auf Betreiben andersgläubiger Frommen in Anklagezustand versetzt wurde, weil er an eiuem Sonntag sein Feld bestellt hatte. King heißt der Mann, und er wurde in erster Instanz zu 75 Dollar Buße verurtheilt und seine Appellation gegen dieses Urtheil vom Obergericht des Staates abgewiesen. Jetzt will er nun an das oberste Bund esgericht gehen und die Frage „testiren", ob ein Staat das Recht habe, Sonntagsgesetze zu erlassen. Die Form, in welcher die Frage vor das höchste Tribunal kommen wird, ließe voraussetzen, daß sie von diesem bejahend beantwortet werden würde, wenn der Appellhof sich nicht auf die im ersten und vierzehnten Zusatze zur Bundesverfassung garantirte Ausübung der Religions¬ und persönlichen Freiheit stützte.

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