Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-08-07 · Heft 62 (7.8.1890) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 62 (7.8.1890)
Date
1890-08-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448084--30513-2478294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

XXXI. Jahrgang. Zweite Beilage M M 62 des „Israelit & Ieschurun? Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Fränkisch-Crumbach i. O. Auf deni vonr Odenwald-Club veranstalteten und am 20. v. M. auf der Burg Rodenstcin, bei Reichelsheim, stattgehabten Volksfeste, brachte der Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeister, Herr Ohl i von Darmstadt, Präsident des erwähnten Clubs, seine humanen und toleranten Gesinnungen, wie schon öfters bei derartigen Versammlungen, in zündenden Worten zum Ausdruck. — Herr Ohli, welcher in allen Bevölkcrnngsklasscn eine hochgeachtete und beliebte Persönlichkeit ist, hob in seiner begeisternden, mit großem Beifaüe aufgenommenen Rede nachdrücklichst hervor, daß er Antisemiten nicht zu Mitgliedern dieses Vereins wünsche, daß vielmehr Anhänger der verschiedenen politischen Parteien und Bekenner der jüdischen wie christlichen Konfession Aufnahme in denselben finden könnten. Auch betonte der Redner, daß er von Menschen, welche den Religions- und Klasscnhaß schürcil, nichts wissen wolle. Er liebe alle Menschen, welcher politischen Partei und welchen! Glaubensbekeuntniß sie angehörten, wenn sie nur der Ehrlichkeit und Redlichkeit sich befleißigten und gute Patrioten seien. — Sicherlich haben diese herrlichen Worte bei der ganzen Versammlung und darüber hinaus eine tiefe und nachhaltige Wirkung hcrvorgcrufen. — S. Levy, Lehrer. Rußland. Odessa, 19. Juli. Die „Odess. Ztg." veröffentlicht folgenden unsinnigen Erlaß des Odessaer Stadtgouverneurs, Kontreadmirals Selenoi: „Viele geehrte Bürger der Stadt Odessa wandten sich oft mit der Bitte au mich um Einschränkung der nmsichgreifenden Frechheit der Juden bei der Ansammlung des Publikums, besonders aber während des Eknnehmens der Plätze auf den Waggons der bei der Stadt gelegenen Eisenbahnen. Laut Aufgabe der Bittsteller drängen sich die jüdischen jungen Leute stürmisch in die Waggons, anstatt den Leuten von vorgerücktem Alter oder solchen, welche Uniform tragen, die auf deren hohen Stellung hinweist, Achtung zu bezeugen, und beachten dabei die Regeln der Höflichkeit und des Anstandes nicht, ja erlauben sich sogar, die anderen Reisenden wörtlich und thätlich zu beleidigen, so daß diese genöthigt sind, den Frechen nachzugeben, da sie in solchem Falle nicht über die jüdische Dreistigkeit verfügen. Ein solches | Betragen der Juden, welches infolge des von ihnen hervorgerufencn Gedränges und wegen des kurzen Aufenthalts der Waggons gewöhnlich ungestraft bleibt, ruft einen Haß gegen die jüdische Bevölkerung hervor und kann leicht Veranlassung zu Gewalrthätigkeiten gegen Person und Eigenthum der Juden geben. Infolge dessen und auf Grundlage des am 3. Mai 1882 Allerhöchst bestätigten Reglements des Ministercomites erkläre ich hiermit, zur Warnung und um Veranlassungen zu ähnlichen Unordnungen abzuwenden, daß jeder Jude, welcher sich solcher Ruhestörungen an Orten, wo Ansammlungen des Publikums stattfinden, oder an den Eiusteigestcllen der die Stadt berührenden Eisenbahnen, oder überhaupt der Unehrerbietigkeit (!) oder Beleidigung gegen irgend Jemand schuldig macht, sofort einer strengen Bestrafung in der administrativen (!) Weise unterworfen wird, welche gegen die der öffentlichen Ruhe schädlichen Leute angewandt wird. Zugleich ersuche ich den Herrn Odessaer Polizeimeister, Anordnung zu treffen, daß an den öffentlichen Orten, wo Juden in größerer Maffe sich versammeln, die polizeiliche Aufsicht verstärkt (!) werde, und mir über jeden einzelnen Juden, der bei den oben geschilderten Unordnungen betroffen wird, sofort zu berichten. Der Odessaer Stadtgouverueur, Kontreadmiral Selenoi. Den 5./17. Juli 1890. Feuilleton. Sine Ätluirie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) „Willst Du bei diesem Herrn Unterricht nehmen, Elise?" fragte Carlisle jetzt seine Tochter. „Sehr gern, lieber Papa! wenn Du es erlaubst", antwortete diese leicht erröthend. „Spiele Du dem Herrn einmal etwas vor, damit derselbe beurtheilen könne, wie weit Du es im Clavierspiele gebracht hast." Elise folgte dieser Aufforderung. Während sie spielte, winkte Carlisle seine Frau in das Nebenzimmer. „Wie meinst Du, Liebe?" fragte er sic, indem er sie bat, sich neben ihn auf das Sopha zu setzen. „Ich meine, das wäre ein sehr geeigneter Lehrer für unser Kind. So tüchtig, wie dieser, waren die früheren Lehrer nicht und werden wir in ganz New-Aork auch einen gleichen nicht finden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.