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Der Israelit · 1890-07-31 · Heft 60 (31.7.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 60 (31.7.1890)
Date
1890-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Beilage 60 des „IsraM"Z«„Ieschurun" Die ersten hebriüschen Druckwerke. (Zur Jubelfeier der Auchdruckerkunst.) (Abbildung siehe Belletr. Beilage.) Zum zweiten Male in diesem Jahrhunderte, so schreibt ein angesehenes deutsches Familienblatt, begehen wir eine Feier, welche die Theilnahme aller Gebildeten findet, denn sie berührt nicht nur die Angehörigen eines Landes oder Standes, sondern sie berührt die gesammte Menschheit. Diese Feier gilt der Buchdruckerkunst, deren Erfindungsjahr man etwas willkührlich auf das Jahr 1440 festgesetzt, die hiernach gerechnet, also 450 Jahre im Dienste der Menschheit gestanden und segensreich gewirkt hat. Es dürfte überflüssig sein, die Wohlthaten auszuzählen, welche wir der Erfindung Gutenberg's verdanken. Jedermann weiß, daß dieselbe sofort im Dienste der Wissenschaft, Kultur und Aufklärung stand, daß sie in diesem Dienste groß ward und mächtig auf die geistige Entwickelung der Menschheit einwirkte. Ihr verdanken wir zum großen Theil unsere geistigen und gesellschaftlichen Freiheiten, den hohen Stand unserer Wissenschaften, die Blüthe unseres Industrie- und Gewerbslebens. Die ersten hebräischen Typen wurden im XV. Jahrhundert in Italien von Juden angefertigt, von Christen bediente sich Aldus Manutius und Daniel Bömberg in Venedig der hebräischen Typen. In Frankreich ließ 1508 der Professor Tissard außer griechischen auch noch hebräische Typen von Gilles Gourmont anfertigen, der sich mit Stolz den ersten Buchdrucker der Stadt Paris für Griechisch und Hebräisch nannte. Gourmont druckte eine von Tissard verfaßte Grammatik der hebräischen Sprache, welche außer dem Alphabet noch einige Gebete und Glaubenssätze für die christliche Religion enthielten. Nach dem frühen Tode Tifiard's ließ Franz I. einen edlen Genueser, Augustinus Justiniani aus Rom kommen, welcher an der Pariser Universität den Lehrstuhl für hebräische und arabische Sprache einnahm. Unter dessen Leitung wurden auf Kosten des Königs hebräische Punzen geschnitten und Lettern gegossen, mit denen die Grammatik des Rabbi Moses Kimchi 1520, dann die Klagelieder Jeremiae von Gourmont gedruckt wurden. Später zeichnete sich Robert Etienne, der, wie oben erwähnt, 1539 zum königlichen Typografen für Hebräisch ernannt wurde, durch hebräische Drucke aus, seine Typen wurden von Guillaume de Be geschnitten, der auch 1567 im Aufträge Philipps II. die Typen zu Plantin's Polyglottenbibel schnitt, von denen wir unfern geehrten Lesern die ersten Zeilen photographisch. reproducirt im Bilde vorführen. Das '71 in dem Worte D’p^N ließen wir, da solcher ein t£Hlp DIP ist, weg. — In Deutschland soll Ernard Oeglin, kaiserlicher Typograph zu Augsburg, zuerst hebräische Bücher gedruckt haben, Professor Dr. Johann Heinrich Majus in Gießen soll zuerst die Buchstaben, unterschnitten, haben gießen lassen, um die Punktatkonen mit den Radkcallettern zusammenzusetzen, eine Manier, die in vielen Druckereien angewendet wird, aber nicht allgemein geworden ist, da andere, wie z. B. die k. k. Staatsdruckerei in Wien, noch gegenwärtig es vorziehen, die Punktalion gesondert unter und über den Text setzen zu lassen. Elias Hutter druckte zu Hamburg 1586 einen Psalter und 1588 eine hebräische Bibel, in welcher die Punktation roth und der Text schwarz gedruckt wurde. Auch mit der Herstellung von Spielkarten beschäftigten sich zu jener Zeit viele Israeliten. Im Jahre 1520 z. B. brachte der Jude Josef bei dem Gouverneur einer Stadt am Rhein eine Petition an zu Gunsten seines Schwiegersohnes Maier Chaim des Schulklopfers, welcher als Nebenamt die Kartensabrikation betrieb, darin aber durch seine Glaubensgenossen sich geschädigt glaubte, weil diese anderswo gemachte Karten einsührten. Er verlangte Schutz, ob mit Erfolg, ist nicht gesagt. — Bekannt ist, daß in Köln auch die Vuchdruckerkunst zuerst jenem bekannten Reuchlin'schen Streite gegen zwei getaufte Juden diente. Das erste Schriftchen erschien 1473: „Hyerin wärt gelesen, wie Herr Viktor v. Carben, welcher ein rabi der Juden gewest ist, zu christlichem Glauben kommen." Der andere Täufling, Johannes Pfefferkorn, veröffentlichte seine erste Schrift im Juli 1507. Er hatte in Verbindung mit den Dominikanern es beim Kaiser durchzusetzen versucht, daß man den Juden ihre handschriftlichen Bücher nehme, che diese durch den Druck vervielfältigt würden. Reuchlin rettete die jüdischen Bücher vom Untergange. Sein Andenken sei zum Segen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, 23. Juli. Ein bemerkenswcrther Akt kaiserlicher Gnade ist in diesen Tagen, dem Wiesbadener Generalanzeiger zufolge, zu verzeichnen. Der wegen seines Duells mit dem Referendar S. zu drei Monaten Festung verurtheilte Dr. meä. Fr., Ass.-Arzt der Reserve zu Wiesbaden, ist zu acht Tagen Stubenarrest begnadigt worden, noch ehe er seine Strafe angetreten hatte. Dr. Fr. forderte seinerzeit seinen Gegner wegen einer antisemitischen Aeußerung und wurde im Duell verwundet. Posen, im Juli. Wie wir schon früher berichteten, hat Herr Moritz Rohr zu Breslau der hiesigen jüdischen Gemeinde im Jahre 1886 100,000 Mk. zur Errichtung eines jüdischen Kranken- und Siecheuhauses geschenkt. Mittels gerichtlicher Schenkungs-Urkunde hat derselbe jetzt wiederum 200,000 Mk. für die Zwecke des Kranken- und Siechenhauses zu zahlen sich verpflichtet, und wird nunmehr mit der Errichtung desselben vorgegangen werden. Aus Rinteln wird geschrieben: Die hier erscheinende „Schaumburger Zeitung", Kreisblatt und amtliches Publikations-Organ, bringt antisemitische Notizen ans der Feder des Rektors der Bürgerschule in Rodeuberg. Da heißt es u. A.: „Im Innern haben wir jetzt häufig die ergötzliche Erscheinung, daß unsere werthen israelitischen Mitbürger gegen unsere liebe Straßenjugend die Aktive ergreifen, weil sie in den Jungen.lauter Antisemiten wittern, sobald dieser oder jener seine Nase zwischen die Finger nimmt oder auch nur in Gegenwart eines Juden lacht. Es kommt dabei selbstverständlich oft zu ergötzlichen und heiteren Scenen; ja, es ist schon so weit gekommen, daß, wenn Abends etwa auf der Straße nur etwas hörbar „Cohn" oder „Aron" gesagt wird, den Juden ein Schrecken und Zittern in die Beine fährt. Aber warum das?

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