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Der Israelit · 1890-07-31 · Heft 60 (31.7.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 60 (31.7.1890)
Date
1890-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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7 B’jchlvcuadluas XXXI. Jahrgang. Israelit... Jeschimm Zeltschüst Dl Fördernng D. Geistes uiiö jSd. Kkdens in Sans, GkNkindr und Klhnlk. Gentrak-Hrgan für das ortßodore Iudenthum. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den »1. Juli 5650 (1800). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Viertes Buch. XXXI. Fortgesetzt von L i e p m a n Philip P r i n s. Frankfurt a. M. 31. Juli. Wir haben im vorigen Kapitel nachzuweisen uns bemüht, daß die Aussprüche Rabbi Zadok's nicht gut auf das Rabbineramt und den Lehrberuf zu beziehen seien. Versuchen wir nunmehr eine Erklärung auf andere Weise. Denjenigen Staat und jede staatliche Vereinigung müssen wir glücklich preisen, in welchen ein Gesetz über alle herrscht, in welchem der gerechte Wille des Gesetzgebers die alleinige Norm ist, nach welcher sich jeder Staatsbürger richten muß. Nationaler Wohlstand und seliger Friede sind die Früchte eines Gesetzes, welches für alle und für alles gleiche Giltigkeit hat. Ausnahmegesetze führen nie zum Frieden; sie erregen immer und überall, wann und wo sie auch gegeben und ausgeführt werden, eine Disharmonie, welche ein einheitliches Zusammenwirken aller Staatsbürger unmöglich macht. Gleiches Recht für Alle, das ist eine Forderung der Gottheit an die Menschheit, eine Forderung, der die jüdische Religion, das jüdische Gesetz, unsere heilige Lehre ganz und voll entspricht. Im jüdischen Staate jedoch hatten sich Parteien gebildet, von denen jede einzelne für sich und ihre Anhänger ein Vorrecht beanspruchte. Jedes einheitliche Schaffen, jedes harmonische Zusammenwirken wurde dadurch gestört und der alles zersetzende Parteigeist fraß an den Stämmen des jüdischen Staates und untergrub dessen Selbstständigkeit. Wehe dem Gemeinwesen, in welches Streit und Hader seinen Einzug halten! Was Liebe und Vertrauen geschaffen, das wird von jenen zerstört! Man fragte einst den Weisen und Prediger: p»n ma» na 'jbd (d'tm 812). Warum wurde der israelitische Staat zerstört? weßhalb ging das jüdische Reich zu Grunde? — Aber Niemand konnte Antwort geben. Die menschliche Kurzsichtigkeit suchte nach äußeren Gründen, die keine befriedigende Antwort auf obige Frage zu geben vermochten. Da sprach der Aügerechte, vor dessen Blick alles klar liegt, der die geringsten Ursachen .'erkennt und die geheimsten Gründe offenbart; er sprach: imy bv »min nN Weil sie meine Thora verlassen haben. Mein Gesetz ist es, dem sie untreu geworden, meine Lehre ist es, die sie nicht mehr befriedigt. Diese Antwort erklärte R. Juda im Namen von Raw mit den Worten: r6nn mina pmo p Der erste Lobspruch „das Gesetz vereint die Bürger eines Staates" könne auf den jüdischen Staat keine Anwendung mehr finden. Seitdem die verschiedenen religiösen Sekten in Israel entstanden waren, die sich nur in der Frömmigkeit, besonders aber in dem Zurschautragen ihres Gottvertrauens unterschieden kdv 9 a 'na oiinua ihn und diese min mn nnnan vtöjh ihre Ansichten höher stellten, als die Worte der Thora selbst, seit dieser Zeit war die Harmonie zwischen Gesetz und Recht gestört, die Uebereinstimmung zwischen den Ansichten der Menschen und dem Gesetze des Schöpfers war vorüber, das den Staat einigende Band, war zerschnitten — und Israel ging zu Grunde, Jerusalem wurde zu Schutt und Asche. Wir wollen nur eine dieser Sekten näher betrachten; dieselbe entstand zur Zeit R. Zadok's und verdankt ihre Entwickelung und den Ausbau ihrer Satzungen Juda dem Galliläer. Die wichtigsten Sekten jener Zeit waren die Pharisäer, die Saduzäer und die Baetöeseaner. Neben diesen Hauptsekten bildeten sich kleine Vereine, deren Mitglieder, obschon sie des Gesetzes unkundig waren, sich durch Frömmigkeit, Mildthätigkeit oder auch durch auffallende Tracht und Ceremonien auszeichnen wollten. Nur die Form war ihnen Hauptsache und es bewährte sich an ihnen der Ausspruch unserer Weisen: Ton pwn oy vb. Der Unwissende kann sich nie so hoch über das Niveau der Alltäglichkeit erheben, daß er durch äußere Formen das ersetzt,

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