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Der Israelit · 1890-07-28 · Heft 59 (28.7.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 59 (28.7.1890)
Date
1890-07-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1084 Gesellschaft in die egyptische Halle, wo der Lord- Mayor die Friedensfreunde willkommen hieß. Bemerkenswerth in der Rede des City - Magnaten war seine mit großem Nachdruck abgegebene Erklärung, daß er stolz darauf sei, der jüdischen Religion anzugehören; er zog einen Vergleich mit Rußland, wo Juden und nicht-orthodoxe Christen ihres Glaubens wegen verfolgt werden, während in England Juden und Christen friedlich nebeneinander wirken. Die Rede wurde laut beklatscht, obschon sich Sir Henry in Betreff der praktischen Resultate der Konferenz etwas skeptisch ausdrückte. Nach dem Lord Mayor sprach der greise amerikanische Jurist Dudley Field, er stellte Amerika mit seinen freien Institutionen als Vorbild vor und betonte die Brüderschaft aller Nationen. Dann ergriff Marquis of Bristol das Wort und sprach den Dank der Friedensfreunde für den Empfang im Mansion Hause aus, und betonte die Wahrheit des von Lord Derby gemachten Ausspruches, daß der Friede Englands größtes Interesse sei. FrLdöric Pfassy schilderte die Schwierigkeiten, welche die französischen Friedensfreunde in der Vergangenheit zu überwältigen hatten. Die Verhandlungen kamen ungefähr um 5 Uhr zu Ende. Feuilleton. Eine Mieln-ie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Meseritzer berichtete Alles haarklein, worüber er besonders befragt und auch Vieles, worüber er nicht besonders befragt worden war. Als er seinen Bericht beendet hatte, legte er Herrn Meixner seine , Zeugnisse vor. Dieser überblickte dieselben schnell und legte sie mit den Worten: „Sehr schön! Aus-! gezeichnet I" neben sich auf den Tisch. Dann sagte! er: „Nun wollen wir über Ihre Angelegenheit sprechen! Mein Bruder hat mir Alles ausführlich! geschrieben, und Ihre schönen Zeugnisse, die Sie mir gefälligst hier lassen wollen, bestätigen mir das von ihm Mitgetheilte." „Sie haben sich für das höhere Lehrfach vorbereitet, haben aber Ihre Studien unterbrochen, weil sich herausgestellt hat, daß Deutschland Ihnen, dem Juden, kein Feld zur Wirksamkeit bieten würde. Das ist hier anders! Die Gesetze Nordamerikas kennen keine confessionellen Unterschiede. Und diese Gesetze sind bei uns nicht blos bedruckte Papierbogen, die auf dem Wege bis zur wirklichen Geltendmachung zur nichtswerthigen Makulatur herabsinken, sondern sie haben wirkliches Leben und sind bei uns in Fleisch und Blut übergegangen! Sie verstehen alte und neue Sprachen, auch gut hebräisch, sind tüchtig in Musik und Gesang und haben sich auch mit der kaufmännischen Buchführung bekannt gemacht. Sie passen demnach für alle Sättel oder vielmehr alle Sättel paffen Ihnen. Das ist schon eine echt amerikanische Eigenschaft, mit der sich hier etwas ausrichten läßt. Was nun das Kaufmännische, einschließlich des Bankgeschäfts betrifft, kann ich Ihnen jetzt nicht die mindeste Aussicht machen. Wir sind noch nicht aus einer schweren Geschästsklemme heraus, es hat fast jeder Kaufmann und jeder Banquier, auch ich nicht ausgeschlossen, sich genöthigt gesehen, das Geschäftspersonal zu verringern, und Tausende tüchtiger, geschäftskundiger, junger Leute laufen in Folge dessen beschäftigungslos umher, von denen viele ihr Leben kaum zu fristen wissen. Was das Unterrkchtertheilen betrifft, so scheinen Sie wirklich zu einer glücklichen Stunde hierher gekommen zu sein." Das Angesicht Meseritzer's, das bei der von Herrn Meixner gemachten Schilderung der zeitlichen Geschäftslage den finstern Ausdruck des Schreckens angenommen hatte, wurde bei den letztern Worten desselben plötzlich von einem freudigen Aufleuchten erhellt. Meixner hatte dieses bemerkt und sagte lächelnd : „Es braucht Ihnen darum auch gar nicht bange zu sein! Ich glaube, daß Sie hier sehr gut durchkommen können und schließlich, bei tüchtigem Privatfleiße, hier das Ziel erreichen werden, das Sie bei den jetzigen Zuständen Deutschlands dort vergeblich angestrebt hätten. Zunächst habe ich zwei Knaben in dem Alter von 10 und resp. 8 Jahren, die ich in Religion, biblischer Geschichte und hebräisch Lesen und Uebersetzen, sowie im Clavierspiel unterrichten lassen möchte, nach einem Jahre etwa werden dann wohl noch einige andere Unterrichtsgegenstände hinzukommen. Ich wollte in dieser Woche deßhalb eine Annonce in verschiedene Blätter einrücken lassen, da Sie aber nun hier sind, kann ich das unterlassen, wenn Sie den Unterricht übernehmen wollen." Meseritzer erhob sich ein wenig von seinem Sitze, indem er sich zuftimmend verneigte. „Das würde Sie wöchentlich 6—8 Stunden beschäftigen, welche Sie auf die verschiedenen Tage zu vertheilen haben und worüber wir später noch sprechen werden. Ich habe auch noch zwei Töchterchen im Alter von 7 und resp. 5 Jahren, die kommen, so Gott will! später auch noch hinzu. Die Knaben sind meine ältesten Kinder. Sie werden sich wundern, daß meine ältesten Kinder noch so jung sind, obschon sich mein Bart schon mit

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