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Der Israelit · 1890-07-21 · Heft 57 (21.7.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 57 (21.7.1890)
Date
1890-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1035 artig eine Massenauswanderung sich in allen Theilen des Ansiedelungsrayons zu vollziehen beginnt, welche gegen die Emigration in den Schreckensjahren 1881 und 1882 nicht zurücksteht. Sehr bezeichnend und im höchsten Grade beunruhigend ist die Wahrnehmung, daß seit dieser Woche auch die russischen Tageszeitungen über die Vorlage zu berichten anfangen, worin jeder Kenner der Censurverhältnisse den vollständigsten Beweis erblicken wird, daß die Vorlage kein'Phantasiegebilde, sondern nur allzu traurige Wahrheit ist." Odessa, 10. Juli. Die Auswanderung rus' sischer Inden nach Afrika hat, besonders nach dem Capland, in den letzten Jahren recht große Dimensionen angenommen, so daß einer der Emigranten in Johannisburg, wo 10,000 russische Juden wohnen, eine Zeitung in jüdischer Sprache unter dem Titel „Der afrikanische Israelit" herausgibt. Die Juden befassen sich dort ausschließlich mit dem Handel von Straußfederu, Goldsand und Elfenbein. Viele von denselben seien schon wohlhabend. England. London. Der Anführer der Garde-Kürassiere bei der am Geburtstage der Königin abgehaltenen Parade war der Oberstlieutenant Goldschmid. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Steinheim hatte gleich am ersten Tage einen geschulten Wärter ausgenommen, dennoch wich Emmi im Laufe des Tages selten von des Kranken Lager und war unablässig bemüht, ihn durch heitere Erzählungen zu unterhalten, sie hatte keine Ahnung, wie unheilvoll er einst in das Lebensglück ihres Galten einbegriffen hatte. Doch auch Steinheini verbrachte jede freie Stunde an seiner Seite. Adolf fühlte sich jetzt, nach seiner eigenen Versicherung, vollkommen wohl und die stille Heiterkeit, die sich über sein Gemüth ergossen hatte, schien die düstere Aussage des Arztes Lügen strafen zu wollen. Nach einigen Tagen, als seine Kräfte zugenommen zu haben schienen, bat er um Papier und Tinte und Feder, er müsse an seine Eltern schreiben. Emmi erbot sich, nach seinem Dictat zu schreiben, doch er lehnte dankend ab. Er schrieb jedoch nur wenige Zeilen, es schien ihn sehr anzustrengen, noch bevor er seinen Namen vollständig unterzeichnet hatte, entsank die Feder seiner Hand. Dankend nahm er jetzt Emmi's Anerbieten an, das Geschriebene zu couvertiren und mit einer Adresse zu versehen. Sie that es in seiner Gegenwart und versprach, für die Beförderung des Brieses zu sorgen. Mit dem Ausdruck unaussprechlichen Dankes ruhte sein Blick auf ihr, er schien zu schwach auch nur ein Wort zu flüstern. „Sie hätten mich schreiben lassen sollen," sagte Emmi vorwurfsvoll, „jetzt sind Sie erschöpft. Sie sollten zu schlafen suchen." Ein Lächeln irrte um seine zuckenden Lippen, ein seltsames Lächeln — und feine großen, weitgeöffueten Augen hafteten unverwanot an ihr mit einem sie plötzlich beängstigenden Ausdruck. Sie befahl dem Wärter, ihm ein Stärkungsmittel zu reichen, das der Arzt angeordnet, doch während der Mann die Flüssigkeit in ein Gläschen goß, waren dem Krankeri die Augen zugefallen. „Er hat sich allzusehr angestrengt," entgegnete Emmi in demselben Flüsterton, „sobald er aufwacht, ziehen Sie an dem Schellenzug, er muß dann etwas nehmen." Sie entfernte sich, um das Schreiben befördern zu lassen, und sandte gleichzeitig zum Arzt, den sie um seinen Besuch bitten ließ, da das Befinden des Patienten sich plötzlich verschlechtert habe. Als der Arzt erschien, lag der Kranke noch immer mit geschlossenen Augen, während ein Lächeln seine jetzt nicht mehr zuckenden Lippen umspielte. „Er schläft noch immer", flüsterte Emmi. Der Arzt neigte sich über ihn und erkannte sofort, daß er aus diesem Schlummer nimmer erwachen werde. * -i- * Seitdem Bärwald die Nachricht von seinem Sohne erhalten hatte, daß dessen finanzielle Verhältnisse sich plötzlich geändert und daß er baldmöglichst heimkommen werde, um dem Vater den größten Theil dessen zurückzuerstatten, was er ihm einst geraubt, seitdem befand sich Bärwald in unaufhörlicher Aufregung. Daß er sein Vermögen zurückerhalten werde, daran dachte er wenig, doch daß er seinen Sohn Wiedersehen werde, nach dem er sich seit so vielen Jahren so heiß gesehnt, daß erden Sohn umarmen werde, der durch seinen vierzehnjährigen gesetzestrcuen Wandel die Schuld der Vergangenheit, wenigstens in des Vaters Augen,

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