Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1890)
- Date
- 1890-07-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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XXXI. Jahrgang. Zweite Beilage y&M 56 &»s „Israelit & Irschurun? Lilterarische Aotiz. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Die Fülle des Lobes," die der sehr geehrte Herr Recensent der Hildcsheimer'schen Jubelschrift in der vorletzten Nummer Ihrer w. Zeitschrift über die Arbeit des Herrn Dr. Feilchens"eld ausgießt, veranlaßt mich zu der Mittheilung, daß dieses Lob nicht allenthalben getheilt wird. Die Erklärungen des genannten Herrn sind gewiß höchst geistvoll, aber nur wenige sind darunter, gegen die nicht sehr viel einzuwcnden wäre. Auch Homer schläft einmal und vielen der vorzüglichsten Exegeten ist schon bas Mißgeschick begegnet, daß sie Kartenhäuser aufbauten, die be^m ersten Windstoß in sich zusammenfielen. In unserem Falle würde ich mir das Anblasen ersparen, wenn nicht zu fürchten wäre, daß Laien, durch den Namen des auch als Exegeten hochgeschätzten Verfassers in Sicherheit gewiegt, trotz aufsteigender Bedenken sich seine Erklärungen zu eigen machten. Mir scheint es, daß der Verfasser durch den an sich guten Einfall das schwierige nnN K. 66, V- 17, mit riN, Feuertopf in Verbindung zu bringen, zu all' seinen höchst gewagten Cvmbinationen verleitet wurde. Ohne Beleg aus der heiligen Schrift oder einem Prosanschriftsteller macht er die schlechten Inden zur Zeit des zweiten Tempelbaues zu Anhängern de.8 Parsismus, nachdem er erst die Möglichkeit erwiesen hatte, daß schon zur Zeit des Cyrus der Parsismus in Babylon Eingang gefunden. Dann wird der gute alte Herodot ausgegraben und nach Belieben wird das eine Mal auf ihn, das andere Mal auf die Ergebnisse moderner Forschung gehört. Herodot erzählt, daß die Perser Tempel verpönten und auf den höchsten Bergesspitzen opferten; das genügt dem Verfasser, um die beiden ersten Verse des Kap. 66 als gegen die tempelseindlichen Perser gerichtet anzusehen. Kap. 65, 7 hat wieder Spiegel das Wort, und nur die alten jüdischen Götzendiener, aber nicht die Anhänger des Parsimismus opfern auf Höhen. In dieser mehr als kühnen Weise geht er fast die ganze Abhandlung durch. Das “Tin wird zum Repräsentanten der unreiiten Thiere der Perser gemacht, trotzdem weder Avesta, noch Herodot und Spiegel, die Duellen des Herrn F., etwas davon wissen. Kap. 65, 4 wird zu Dnilpa DOtPTl die Uebersetzung. „Die zwischen beu Gräbern sitzen" gewagt und diese lebenden Bewohner des Friedhofs werden dann beschuldigt, daß sie Leichen ausgraben oder die Bestattung verhindern wollen. Daß die Perser ihre Tobten nicht begraben, hat Herr F. vorher mit Aufwand von Scharfsinn und Gelehrsamkeit zu beweisen gesucht. Mit den weiteren Resultaten dieser Exegese mögen die Leser sich selbst bekannt machen, dann werden sie auch erfahren, wie man die Götter Gad und Mni in den persischen Olymp hineinbringen kann, und — wer es am weitesten gebracht hat in der gezwungenen Erklärung des dritten Verses von Kap. 66. Der Scharfsinn hat das sonst so klare Urtheil des Herrn Dr. Feilchenfrld getäuscht. Wir hoffen, daß der geschätzte Gelehrte sich bald wieder aufrafft und uns mit noch recht vielen trefflichen Schriftauslegnngen erfreuen wird, wie wir sie aus früherer Zeit von ihm gewohnt sind. Dr. R. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Der Beth-Jakob-Verein hat im Norden Berlins (Veteranenftraße 6) am Sonnabend, den 5. Juli, eine neue Synagoge mit täglichem Gottesdienst eröffnet. Als Prediger fungirt der frühere Rabbiner der orthodoxen Separatgemeinde in Königsberg, Herr Dr. Grünfeld. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Im israelitischen Landes-Taubstummeninstitut fand die Jahresprüfung statt, welche neuerdings die wohlthätige Wirksamkeit dieses Instituts in glänzender Weise demonstrirte. Da die beiden untersten Jahrgänge des Instituts Parallelklassen besitzen, wurden im Ganzen acht Gruppen von taubstummen Knaben und Mädchen in den verschiedenen Volksschulgegenständen geprüft. Neunzig Schüler und Schülerinnen an der Zahl traten nacheinander vor und stellten in hart klingender, aber durchaus verständlicher Sprache sowohl sich, wie auch dem Lehrkörper des Instituts ein glänzendes Zeugniß aus. In dem großen Prüsungssaale, welcher mit dem Bilde des hochherzigen Stifters Anton Fochs geschmückt ist, lauschte Kopf an Kopf ein zahlreiches diftinguirtes Auditorium — wir nennen den Vertreter des Unterrichts-Ministeriums Ministerialrath Szalay, — den klugen Antworten, welche die Zöglinge beiderlei Geschlechtes, vom siebenten bis zum zwölften Lebensjahre, auf die an sie gerichteten Fragen ertheilten. Zum Schluffe der Prüfungsfeier richtete die kleine Regina Wollner an das Auditorium eine hübsche Ansprache. Volles Lob gebührt dem Direktor Leopold Grünberger und dem aus drei Herren und fünf Damen bestehenden eifrigen Lehrkörper des Instituts. Besonders schöne Erfolge wiesen die Lehrerinnen im Handarbeitfache auf, wie man sich bei Besichtigung der ausgestellten stylvollen Stickereien überzeugen konnte. Amerika. A New-Aork, 2. Juli. Dr. Klein, der neue Rabbiner der Ungar. Gemeinde „Ohel Zedek" hat unter großem Enthusiasmus seine Antrittsrede am letzten Sonntag gehalten. Die Feier, an der sich ein Bankett anreihte, war eine großartige.