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Der Israelit · 1890-07-14 · Heft 55 (14.7.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 55 (14.7.1890)
Date
1890-07-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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992 und der Stud. jur. von Semmern aus Wernigerode vor der 2. Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu verantworten. Veranlaßt wurde der Zweikampf durch den Student von Semmern vom Korps „Thuringia", der in einem Nachtkaffee eine auf Lehmann (Burschenschaft Arminia) bezügliche antisem. Beleidigung fallen ließ, weshalb Lehmann dem Beleidiger eine Ohrfeige versetzte. Die Folge davon war ein Pistolenduell mit dreimaligem Kugelwechsel, wobei von Semmern durch einen Schuß in den Unterleib verwundet wurde. Er gilt gegenwärtig als geheilt. Der Gerichtshof verhängte über jeden der beiden Angeklagten eine 6 monatliche Festungsstrafe. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pesth. Nach der „Allg. Jüdischen Zeitung", haben die hervorragendsten orthodoxen Rabbinen des Landes beschlossen, die Delegirten sämmtlicher orthodoxen Gemeinden zur Abhaltung einer Landcsgeneralversammlung nach Pesth einzuberusen. Mit der Einberufung selbst sowie mit der Bestimmung des Zeitpunktes für den Zusammentritt dieser Versammlung ist Oberrabbiner Schreiber in Preßburg betraut worden. Pefth. Der jüdische Unterrichter Dr. Jos. Kramer in Kaposvar ist zum ordentlichen Oberrichter ernannt worden. Endlich ist dem hervorragenden Lehrer des Rechts selbst Gerechtigkeit zu Theil geworden. Aus Ungarn wird uns Folgendes berichtet: Der Ehewra-Kadischa-Verein der Pesther autonomen orthodoxen Judengemeinde ist bekanntlich mit seinem Gesuche, im Deutschen Thale in Ofen einen eigenen Friedhof anlegen zu dürfen, vom hauptstädtischen Verwaltungs-Ausschuffe abgewiesen worden. Gegen diesen Beschluß rekurrirte der Verein an den Kultusminister, welcher dem Gesuche mit der Begründung Folge gab, daß gegen die Anlage eines besonderen Friedhofes kein kulturelles oder sanitäres Hinderniß obwalte. Es herrscht darob natürlich große Freude unter den Orthodoxen, welche nun endlich erreichten, was sie schon lange erstrebten. In Fünfkirchen starb der Vizepräsident der isr. Kultusgemeinde Dr. Ignaz Grün Hut nach mehrwöchentlicher Krankheit im Alter von 41 Jahren. Dr. Grünhut war ein gesuchter Advokat und eifriger Förderer aller gemeinnützigen Bestrebungen. — Am 28. Juni fand in Debreczin die Installation des Rabbiners der auth. orthodoxen isr. Religionsgemeinde Sigmund Szoffer statt. Nach Beendigung des Frühgottesdienstes, welchem nahezu alle Gemeindemitglieder beiwohnten, richtete der Präsident Ignaz Tafler eine Begrüßungsrede an den Rabbiner, den er dann feierlichst in die mit diesem Amte verbundene Rechte und Pflichten einsetzte. Hierauf hielt der Rabbiner eine wirkungsvolle Antrittsrede, in welcher er den Segen Gottes auf das Herrscherpaar, das Vaterland, auf die Stadt Debrcczin herabflehte und die Gläubigen ermahnte, mit den übrigen Bürgern der Stadt friedlich Zusammenleben. — Der in Budapest jüngst verstorbene Niederländische Generalkonsul Max Ritter Brüll de D om o ny, hat für wohlthätige Zwecke die Summe von 20,000 fl. hinterlaffen. D. H. 8. Trieft, im Juli. Die hiesige Chewra-Kadischa (Fraternitä Israelitica di Misericordia) veröffentlicht soeben einen Bericht über ihre Thätigkeit im abgelaufenen Verwaltungsjahre (vom 1. Mai 1889 bis zum 30. April 1890), nach welchem sie wieder Gelegenheit hatte, eine emsige und auch segensreiche Thätigkeit zu entfalten. Die Bilanz der Gesellschaft zerfällt wie üblich, in eine ordentliche und eine außerordentliche, und während die erstere mit einem Deficit von 655 fl. schließt, zeigt die letztere wieder eine Mehreinnahme von 3253 fl., so daß sich im Ganzen ein Ueberschuß von 2588 fl. ergibt. Wir ersehen daraus, daß, während die fixen Beiträge der Mitglieder von den unvermeidlichen Spesen absorbirt werden, die außerordentlichen Einnahmen von den eingelaufenen freiwilligen Spenden, dann von den frommen Legaten, dem Verkaufe der Grabstellen, den Sammlungen bei Begräbnissen rc. bedeutend gestiegen sind. Um nun das Gleichgewicht in ihrem ordentlichen Budget wieder herzustellen, hat der Vorstand des Vereins einen Aufruf zu zahlreichen Beitritten ergehen lassen, dem von vielen Seiten auch bereitwilligst entsprochen wurde. Was nun die Ausgaben dieses Vereins betrifft, so kommen davon 208 fl. auf Unterstützungen, 603 fl., auf Auslagen für Medicamente an 273 Kranke, 185 fl. auf Fleischspenden an 95 unbemittelte Sieche und der Rest dann auf die Besoldung der Aerzte und der Krankenwärter. Was die geistige, d. h. die religiöse Thätigkeit dieses frommen Vereins anbelangt, so müssen wir bemerken, daß derselbe eigens zwei Rabbiner besoldet, damit sie mit den Sterbenden die üblichen Gebete verrichten und auch einige Todtengräber und Leichenwäscher angestellt hat. Von den im vergangenen Verwaltungsjahre 96 Verstorbenen wurden 35 ganz umsonst beerdigt, während bei den übrigen ein Theil

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