Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 54 (10.7.1890)
- Date
- 1890-07-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 54 »es „Israelit & Ieschmmn? Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg. Der hier z. Z. weilende Herr- Leonhard L e w i s o h n aus New-Aork hat zu ehrendem Andenken an seinen im Jahre 1872 verstorbenen Vater, Herrn Sam. Lewisohn, die Summe von Mk. 100,000 gespendet zur Errichtung von Freiwohnungen für Hilfsbedürftige. Für die Verwaltung dieser Stiftung sind bestimmt der durch seine Wohlthätigkeit bekannte Herr Sally Lewisohn, ferner die Herren A. Wittmund und H. Gumperz. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Bei der am 7. v. M. hier erfolgten Ankunft Sr. Majestät des Kaisers erkundigte sich derselbe unter Anderem nach der Bestimmung des schönen Gebäudes, welches er bei der Einfahrt gegenüber vom Thiergarten jetzt zum ersten Male erblickte. „Es ist dies" — gab der Ober- Bürgermeister zur Antwort — „das israelitische Spital." — „Und wer hat dasselbe gebaut?" fragte der König weiter. „Das Spital verdankt" — erwiderte Herr Rath — „feine Entstehung einzig und allein der Opferwilligkeit der Mitglieder der Budapefter israelitischen Religionsgemeiude." Mit besonderer Befriedigung nahm der König auch die weitere Aufklärung des Ober-Bürgermeisters zur Kenntniß, daß in dringenden Fällen Kranke ohne Unterschied der Confession im Spitale Aufnahme fänden. Rumänien. Bukarest. Am kommenden jüdischen Neujahrstage wird hier der neue sephardische Tempel, der schon seit zwei Jahren im Bau sich befindet und der eine wahre Zierde unserer Stadt zu werden verspricht, eingeweiht werden. Für die Eröffnungsfeier werden schon jetzt große Vorbereitungen getroffen. Die hiesige sephardische Gemeinde zählt dreitausend Mitglieder, von denen viele große Geschäfts- und Bankhäuser besitzen. Im neuen Tempel werden ein Chasan nebst zwei Stellvertretern, dann ein Chor und ein Gesanglehrer fungiren. Egypten. Alexandrien, 18. Juni. Das vor Kurzem von der egyptischen Regierung unterdrückte hiesige arabische Tagblatt „Al - Hakikah (Die Wahrheit)" , das von hiesigen Israeliten eigens gegründet wurde, um als Organ unserer Glaubensbrüder in der moslimisch - arabischen Welt zu dienen, hat noch immer nicht, trotzdem sich der englische Premierminister Lord Salisbury, der englische General-Consul in Cairo, Herr Baring und der berühmte jüdisch-indische Philantrop, Baron Abdallah Sassoon in London, für dasselbe eifrigst beim egyptischen Ministerpräsidenten Riaz Pascha verwendet haben, die Erlaubnis erhalten, weiter erscheinen zu können. Man darf indeß in diesem Vorgehen der egyptischen Regierung keineswegs eine Animosität gegen das Judenthum erblicken, da derselben nichts ferner liegt, als den Antisemitismus, der jetzt im sogenannten „aufgeklärten" Abendlande feine Orgien feiert, nach dem Nillande zu verpflanzen und so Erinnerungen an die Tage der Pharaonen wieder wach zu rufen; auch mißgönnt sie es nicht den Inden, wenn dieselben zu ihrer Verteidigung und Abwehr ein eigenes Organ gründen. Sie sieht es nur nicht gerne, wenn dasselbe in arabischer Sprache erscheint — und auch von den Arabern gelesen wird. Diese könnten, so fürchtet sie, durch die Lektüre eines liberalen Blattes aus ihrer geistigen Lethargie aufgerüttelt und auch ververanlaßt werden, eine Regierungsform im europäischen Sinne mit einer Verfassung und einem verantwortlichen Ministerium zu fordern, ^ie duldet daher, daß in Egypten französische, italienische und englische Tagesblätter erscheinen, nur ein arabisches Tageblatt ist ihr zuwider. Und mit Ausnahme des Amtsblattes „Wakajer Mizrieh" erscheint auch wirklich kein anderes arabisches Blatt im ganzen Nillande. Unter unfern Halb-Glaubensbrüdern in Abessynien, den sogenannten Falaschas, herrscht jetzt, wie Berichte aus diesem Reiche melden, trotzdem sie im vergangenen Jahre eine ausgezeichnete Ernte hatten, große Hungersnot. Ihr Landesvater, Negus Menelik, hat im vergangenen April die Provinz Semen, die zumeist von diesen Falaschas bewohnt wird, mit seinem Besuche beehrt. Er kam jedoch nicht mit seinem Gefolge allein, sondern zugleich in Begleitung eines Heeres von 120,000 Mann, das er aus allen Provinzen seines Reiches zusammengezogen hatte. Gleich den Sultanen Marokkos führen auch die Beherrscher Abessyniens, wenn sie eine Reise durch ihr Land antreten, ein großes