Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-07-10 · Heft 54 (10.7.1890) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 54 (10.7.1890)
Date
1890-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448076--30325-2478098
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXI. Jahrgang. hefcr- B"achlia^viiUÄg Jtö 54. Israelit„«* Zeschurun. Zritstzrlst m Fördernns jild. (Stiftes unD jilö. f tbtns in Uns. itmtinbt und Mir. Gentrat-Organ für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den IO. Juli 5050 (1890). Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Viertes Buch. XXVIII. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. Frankfurt a. M. 4. Juli. Noch eine vierte Lesart haben wir zu verzeichnen-, rro yp'DOQ wo by „Wer lernt, in der Absicht zu lehren, dem gibt man Gelegenheit zu lernen." Jedem ist heutzutage Gelegenheit geboten, zu lernen, aber Wenige nehmen diese Gelegenheit wahrt Wie oft wird die mas des Thoralernens in einer Weise erfüllt, die auch bei der Erfüllung anderer wLv fast characteristisch geworden ist! Wie oft ist das Unterlassen eines Verbots, die Ausführung eines Gebots so zur leidigen Gewohnheitssache geworden, daß weder Geist noch Herz, weder Seele noch Gemüth dabei betheiligt sind! Automatisch, wie eine Maschine, erfüllt Mancher in Folge der Gewohnheit die göttlichen Gebote. Der Mensch aber soll sich dessen bewußt sein, was er thut. Es ist freilich etwas Herrliches, wenn das Pflichtgefühl in uns so stark ist, wenn wir so daran gewöhnt sind, die Gebote unserer heiligen Religion zu erfüllen, daß wir uns unbehaglich fühlen, solange wir nicht unserer Pflicht hinsichtlich der ros» Genüge gethan, daß es uns, wir möchten sagen, ein Lebensbedürfniß wird, die nwo, wo sie auch an uns herantreten mögen, freiwillig und gerne zu erfüllen. Aber dieses gewohnheitsmäßige Erfüllen der nra darf unseren Geist nicht abstumpfen. Wir müssen uns bei der Ausübung einer rrora stets an deren Inhalt und Bedeutung erinnern. Man darf beispielsweise nicht frühstücken, ehe mall in n'vv gehüllt, mit yben an Hand und Stirn, sein Morgengebei zum Schöpfer aller Welten gerichtet hat! Warum wartet man mit dem Essen bis nach dem Gebete? — Ja, warum? — Weil man es so vor sich gesehen hat, weil man es seit seiner frühesten Jugend nicht anders gewöhnt ist. Gar Mancher weiß nicht, daß sich dieses Verbot unserer Weisen auf den Vers stützt: cnn by t<b. Ihr sollt nicht essen, ehe Ihr Gott für Euer Leben gedankt habt, denn das Blut ist das Leben. (Siehe Berachoth, Fol. 10 d., Rambam 'ypn vrw mson nsD—D3on by ny ltewi ni>. Das Essen würde ihm zuvor auch gar nicht munden! — Einst lobt.e ein Mann aus dem Volke die Klugheit unserer Weisen, die nach seiner Meinung das Anlegen der ybsn am neunten Ab nur untersagt hätten, um uns zu erinnern, daß wir es mit dem Fasten an diesem Tage ja nicht leicht nehmen, denn, fuhr er fort: „Wie kann man essen, bevor man pen gelegt hat!" Der gute Mann dachte ganz richtig, die Gewohnheit würde zur Erfüllung einer niso zwingen, über die sich Mancher in Rücksicht auf seinen Magen leichter hinwegsetzen könnte. Ja, die Gewohnheit! Sie ist es auch, die unserem Gebete die nöthige Andacht raubt. Wir werden später auf die Andacht bei der Ausübung der mso zurückkommen und erwähnen dieselbe hier nur, um zu begründen, daß man auch gar zu oft ohne Andacht, ohne Aufmerksamkeit, selbst ohne zu wissen, wovon die Rede ist, nur aus Pietät und alter Gewohnheit sogar „lernt". Wir wollen hier nicht schildern, wie man auf diese Weise nnoyo und o^nn hersagt, ohne daß man sich bemüht, deren Inhalt, der für unser sittliches Leben doch so wissenswerth und werthvoll ist, gründlich zu erfassen; wir wollen nicht beschreiben, wie selbst *iny jnfo und niwo auf diese Weise oft heruntergelesen werden, ohne daß die Leser eine Ahnung von dem haben, was sie lesen. Und doch enthalten alle Paragraphen, enthält jede Zeile für uns wichtige Lebensregeln. Viele glauben, daß diese Art

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.