Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 49 (23.6.1890)
- Date
- 1890-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXI. Jahrgang. 1JF1.; ««Wyi1“' i .!*•J1 “■ T-.."1 v-m,,' , wgm ,,/ r" f beii*. Btzchheud)vug£ .If* >•. /* /^NKF'JUT ^S4S. Israelit.»Jeschimm. 3citfärrift juc JFätöctuna D. Geistes imö D. Kedens in Aus. Gemeinde Mil Mule. Gentral-Hrgan für das orlhodoXe IudenLhum. Begründet von v,-. Lehmann in Mainz. Montag, den SS. Jnni 5650 (1890). Da mit dem 1. Juli 1890 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitender Artikel. Ciuk MtiseiultW AuMsMg. Von Jsaa c Hirsch. Es hat einem Herrn E. Radenhausen gefallen, ein sehr umfangreiches Schreiben unter der Adresse: An das verehrliche Rabbinat und den Vorstand der israelitischen Gemeinde zu —" zu erlassen und vermuthlich an viele oder gar sämmtliche deutsche Rabbinate und Synagogen-Vorstäude zu versenden. Dasselbe trägt das Datum: „Hamburg, Mai 1890", und weist als Drucker Friedr. Petersen, Pferdemarkt 13" auf; wer aber die nicht unbeträchtlichen Kosten des Drucks und des Portos bestritten hat, ist bedauerlichst nicht angegeben, und doch wäre eine autentische Kundgabe über diesen Punkt nicht nur interessanter, sondern überhaupt das Beachtenswertheste in dieser Sache. Denn daß irgendwo irgend einer vorhanden ist, welcher die dreiste Stirn hat, ein solches Pamphlet zu schreiben und seinen Namen dafür preiszugeben, kann kein Erstaunen erregen. Es gibt ja, wie männiglich bekannt, allerwegen Einzelne, welche mit dem Einsatz ihrer Person und ihres Namens ein großes Risiko nicht eingehen. Wer aber sich den Luxus gestatten kann und will, die baaren Auslagen für ein solches Unternehmen zu tragen, das ist allerdings eine sehr interessante Frage. In vielen Fällen sind „die Batzen rarer als die Tatzen" ist eine alte Erfahrung des Volkswitzes. Sollte der Unterzeichner des Eirkularschreibens auch noch das Opfer der baaren Auslagen für den Vollzug der edlen That selbst gebracht haben, so würde die Anerkennung für sein Wirken demnach um so größer sein. Wir glauben jedoch, daß in den schuldigen Zoll der Dankbarkeit für die wohlwollenden „Vorschläge" des Herrn Radenhausen und deren nicht minder liebenswürdige Begründung sich Mehrere zu theilen haben. Diese „Vorschläge", welche den Rabbinaten und Gemeindevorständen zur „geneigten Erwägung" unterbreitet werden, haben nach der Versicherung des Herrn Radenhausen den Zweck, der antisemitischen Bewegung die Spitze abzubrechen, „wenn nicht gar die ganze Gewalt" zu benehmen. Ihn bewegt „die Sorge um den Innern Frieden des deutschen Reichs" und der liebenswürdige Wunsch, den Juden „eine höhere sittliche Bildung zu verschaffen." Der edle deutsche Patriot, der verehrungswürdige Wohlthäter der Juden! Zu diesem Zwecke macht er u. A. folgende wohlwollende Vorschläge: 1. Die Einberufung eines Sanhedrin zur Verstopfung der „schmutzigen Quelle" aller Mtßstände, d. h. zur Verwerfung des Schulchan- Aruch, um diesem Werke jede Geltung für das Thun und Lassen der Juden zu nehmen; 2. Die Verpflichtung aller Rabbiner zur Ablehnung „Rathschläge zu ertheilen, wie man ohne Verletzung des Gewissens lässige Staatsgesetze nach Anleitung älterer rabbinischer Lehren umgehen oder ihnen entgehen könne"; 3. die Verhängung des großen Bannes „über jede Zuwiderhandlung gegen die Gesetze des Staats"; 4. Die diensteidliche Verpflichtung aller Rabbiner, Vorbeter, Lehrer, Gemeindebeamten und Vorsteher, „der Verbreitung aller ererbten Lehren entgegenzuwirken, welche den Staatsgesetzen und der herrschenden Moral widerstreiten."