Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1890)
- Date
- 1890-06-19
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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880 wenn möglich, als Gesangsgehilfen an sich zu fesseln. Er ließ ihn daher bitten, ihn am folgenden Tage in dem Gasthofe, in welchem er Wohnung genommen hatte, zu besuchen. Michel Kolischer stellte sich zur bestimmten Stunde ein. Der kunstverständige Mann nahm eine Prüfung der Stimmmittel Kolischer's vor und konnte nicht umhin, über die seltene gesangliche Begabung desselben seine Bewunderung auszudrücken. Er schlug ihm vor, gegen Gehalt bei ihm als Gesangesgehilfe einzutreten, und da Kolischer sich dazu bereit erklärte, so hatten sie sich über die Bedingungen bald geeinigt. Sehr erfreut war Kolischer noch besonders über die Mittheilung, daß sein nunmehriger Brodherr den Gesangesgehilfen allwöchentlich, außer dem Singunterrichte, auch noch einige Stunden Unterricht im Violinspielen ertheile und daß daher auch er denselben genießen werde. Michael Kolischer begab sich nunmehr zu dem Rabbiner, um ihm von seinem Entschlüsse und von dem, was bereits zur Verwirklichung desselben geschehen war, Mittheilnng zu machen, sich für den bis jetzt genossenen Unterricht zu bedanken und sich zugleich zu verabschieden. Der Rabbiner hatte schon von dem Vorhaben Kolischer's, die Cantorenlaufbahn einzuschlagen, gehört; er war ein wenig empfindlich darüber, daß Michel nicht vorher seinen Rath eingeholt hat, und gab diesem Gefühle auch Ausdruck. In seiner frommen, nachsichtsvollen und versöhnlichen Weise trug er indessen keinen Groll nach und suchte ihn aus treuestem Pflichtgefühle zu bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen und dem Talmudftudium und damit der Rabbinerlaufbahn treu zu bleiben, da diese ein weit größeres und weitreichenderes Feld zu nützlicher und segensreicher Thätigkeit darbiete. Da aber Kolischer auf seinem Entschlüsse bestand und erklärte, daß er überzeugt sei, sich nur dann im Leben glücklich fühlen zu können, wenn er dem so plötzlich und unwiderstehlich in ihm erwachten Drange nachgebe, forderte der Rabbiner ihn auf, ihm die am Samstage vernommenen Gesänge einmal vorzusingen. Kolischer that dieses. Der Rabbiner horchte erstaunt auf und war einsichtsvoll genug, der Erkenntniß Raum zu geben, daß solcher Begabung und solchem inneren Drange gegenüber jeder Widerstand vergeblich sei. Als Kolischer den Gesang beendet hatte, ertheilte er ihm mit gerührter Stimme und thränenfeuchten Augen noch einige herzliche Ermahnungen und küßte und segnete ihn, worauf Kolischer sich weinend von ihm verabschiedete. (Fortsetzung folgt.) (Mit dem ersten Vreis gekrönt.) Motto: Reschith Chochma Jirath Haschern. Der Erste ist des Ganzen Hort, umfassend Raum und Zeiten. Sein offen mitgetheiltes Wort schreibt ab die Hand des Zweiten. Zu Drei stand wohl ein Herrscherthron. Doch könnt' er lang nicht währen, Weil Jakob's sehr verstockter Sohn vergaß des Vierten Lehren. Fünf war ein Ruf, als Ehrenzoll galt er dem Reichsverweser. Sechs ist gewebt aus Lein' und Woll', kaum trägt es unser Leser. Der Siebte ist ein Buch geehrt von mancher Denkerschichte. Doch hat zu jeder Zeit mehr Werth die Achte beim Gerichte. Die Frohnfest' Neun zum eignen Zwang mußt' selbst ein Volk sich bauen. Doch könnt' sein Rest durch edlen Drang den Zehn des Tempels schauen. Sein Gegenstück erstand uns neu in Elf, dem Judenhasser, Der alten Buchstab' Zifferrcih' schließt Zwölf, ein Tropfen Wasser. Der ersten Zeichen ganze Reih' von Anfang bis zum Ende Mög' dem Gesetze wahrlich treu stets leiten Herz und Hände. Sie ist die Basis zu dem Wort, daß sich dann wird gestalten, Wenn Du die Schrift am letzten Ort liest, nach der Höh' gehalten. M. M. Fürst in Paris. Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wird geloost und erhält der Gewinner: Ein israelitisches Gebetbuch in Prachtband. Auflösung des hebr. Räthsels in Nummer 40: -2-r Mein Vater, Mutter Königs Ehiskjah. Nichtige Lösung sandte ein: Lehrer und Vorsänger Max Schlessinger, Mergentheim. Auflösung des Prcis-Räthsels in Nummer 41 u. 42: Mord chai — Mord Leben. Es ging nur eine richtige Lösung ein und zwar von Hrn. Lehrer Oberndorfer in Archshofen, dem wir die Prämie, bestehend aus: Einem Baud von Dr. Lehmanns Erzählungen, heute zusandten. Nichtig st ellung. Unter den Namen der Auslösern des Arithmogriphs in Nr. 40, Zeile 3 v. u. lies: Karl Fischer in Moson, Sz. Jänos, Wieselburg, Ungarn. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition beö „JSraelit" und „Jeschurun"Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.