Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1890)
- Date
- 1890-06-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448069--30194-2477960- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
853 ein, sein ganzes Inneres war in Aufruhr, in heilige Bewegung gerathen und manche Thräne glitt über seine Wangen. Als der Gottesdienst beendet war, und die angesehensten Mitglieder der Gemeinde sich an den fremden Cantor Herandrän gtcn, und ihm theils, mitdem Vorstande an der Spitze, in begeisterten Worten Dank anssprachen, theils durch stummen Händedruck ihren gerührten Dank bekundeten,^ der andere Theil der Gemeinde aber gruppenweise unter lebhafter Unterhaltung seinen Wohnungen zuwanderte, begab sich Michel Kolischer still und "in sich gekehrt in sein kleines Dachzimmerchcn und setzte sich hier tiefaufathmcnd nieder, stützte den Ellenbogen ans den Tisch und drückte die Hand vor die Augen. Die gehörten Melodien schienen sich in seinem Innern zu verkörpern. Sie hoben sich in ihm empor wie leibliche Gestalten, immer höher und höher, als suchten sie nach dem Ansgange. Da begann er endlich, sie leise vor sich hin zu summen, dann aber sprang er plötzlich auf und lies; sie laut durch das Zimmer schallen. Er erschrack anfangs selbst vor dem mächtigen Klange und Wohllaute seiner Stimme und hielt einen Augenblick inne. Er hatte ein ganz außerordentlich glückliches musikalisches Gehör und Gedächtniß. Jede Melodie, die er einmal gehört hatte, war sein bleibendes Eigenthum; aber gesungen hatte er eigentlich niemals/anßer an jedem Freitagabende und Samstagmittage die üblichen sabbatlichcn Tischgcfängc, bei welcher er aber seine Stimme nie hatte recht laut werden lassen. Jetzt hatte sich ihm plötzlich seine ungewöhnliche Gcsangsbcgabung offenbart. Er fühlte sich unendlich beglückt durch diese Wahrnehmung und sang immer lauter und kräftiger, in süßer Selbstoergessenheit sich mit einem größeren Wonnegefühle der lauten Wiederholung der heute vernommenen Melodien hingebend. _ (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Redaction. B. in V\T. Gegen den sogenannten „Teufel im Setzerkasten" ist es ganz unmöglich sich vollkommen zu schützen. Wir glauben kaum, daß bei irgend einem anderen Blatte eine sorgsältigere (5orrcciur gelesen wird als wie bei dem unsrigen. Nichtsdestoweniger spielt der Drnckfehlerkobold auch uns oft schlimme Streiche. Dies gilt hauptsächlich von hebräischen Eitaten, die selbst von jüdischen Setzern, weil ihnen das nöthige Wissen fehlt und sie dcßhalb den Sinn sehr oft nicht verstehen, falsch cor rigirt werden. Wochen - Kalender. Mittwoch, 18. Inni, 30. Siman n"T! 'X*DV. Donnerstag, 19. Juni, 1. Tamns. n"~n '3 er. Freitag, 20. Juni, 2. Tamns. Samstag, 21. Juni. 3. Tamns. '3 pi3 n 3 p. Sabbat-Ausgang 9 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr). _ Tie „Münchener Eonditor-Zeitnng" berichtet gelegentlich der Kochkunst-Ausstellung über Hotel Goldschmitt, Würzburg, wie folgt: Es freut uns, daß anch die israelitische Küche zur Geltung gebracht wurde. Zweimal hatte die Firma sich gemeldet, und wieder zurückgezogen, in letzter Stunde meldete sie sich zum dritten Male an, und erschien anch. Auch sie hat gezeigt, daß sie es versteht, Angen und Gaumen zu reizen, denn die von ihr vorgeführten Speisen, sowie das ganze Arrangement waren musterhaft. Schade, daß die Firma, in Folge ihrer verspäteten. Anmeldung nicht günstiger fititiit werden konnte, sie hätte sicher eine höhere Auszeichnung geholt, doch der bescheidene Mann begnügte sich mit dem Spruch der Jury, welche ihm die silberne Medaille zuerkannte. n j « i s ß n. stzür de» folgende» Theil ist die Redactiou nicht verantwortlich. ILin isr. j. Mann, seit 5 Jahren in der Eisen-, Holz-, Frucht-, Samenuitd Eolonialwaaren-Branche rhätig, sucht Stellung als Verkäufer, wo sich gleichzeitig Gelegenheit bietet, sich für E-mptoir auszubilden; hohes Gehalt wird deshalb nicht beansprucht. Gest. Offerten erbeten postlagcritd unter M. W. 180 Rheda i. W. (3180 ©<$> <$>; ® /Kill j. Mädchen, Israelitin, mit bcschei- '5' denen Ansprüchen findet familiäre Stellung bei Kinder». Dasselbe muß befähigt sein, Kinder bei den ersten Schularbeiten zu beaufsichtigen. Off. unter 1*. M. 1790 an die Annoncen-Expedition PH. Hartig, Altona. (3200 UTchKtz Durchaus tüchtige Arbeiterin für Mainz gesucht. Offerten unter Nr. 3192 befördert die Expedition dieses Blattes. Lchrlingsstcllc gesucht. Für eilten jungen Mann, 1? Jahre, von angenehmem Aeußern, am liebsten in einem Bazar mit Artikeln zu 50 Pfg.—2 M. jc. Suchender ist Holländc r und spricht perfect deutsch, französisch und englisch. Bedingung Samstags frei, dagcgeit wird Sonntags gerne gearbeitet. Offerten unter G. W. Kr. 3188 befördert die Expedition dieses Blattes. ur Stütze und Gesellschaft für meine Frau suche ein Mädchen vom Lande saus anständiger Familie, das auch im > Laden thälig sein kann. Familiäre Behandlung zugesi'cherk. Offerten mit Gehaltsansprüchen erbittet Jacob Wendel, Flamersheim, Rheinland. _ _ _ _(3194 O)um Herbste findet ein junges Mädchen zur Etlernung mir Stellung. 3203) des Haushalts bei R. Lcnueberg, Olpe i. Wests. /£in >or. Mädchen, gesetzten Alters, sucht Stellung, am liebsten bei einem älteren Manne oder einer alleinstehenden Frau. Ansprüche bescheiden. Gest. Offerten richte man an Fanni O t t e n h e i m e r, Deltensee Post Empfingen (Hohenzollern). (3197