Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 46 (12.6.1890)
- Date
- 1890-06-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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«-> njwffpwwpi WMV 532 Hang eintraf, fand er den Saal vollständig von Gegnern besetzt, weßhalb er sich ins Nebenzimmer zurückzog. Der nationalliberale Abgeordnete Hermann brachte es fertig, zum Worte zu kommen; er gab im Namen der nationalliberalen Fraction der Zweiten hessischen Kammer die Erklärung ab, daß die Berathungen der hessischen Kammer dargethan hätten, wie sie bemüht sei, den in Handel und Landwirthschast sich offenbarenden Auswüchsen und Schäden entgegenzutreten, daß sie aber unmöglich billigen könne, wenn eine Bewegung wachgerufen würde, welche nicht mit dem Standpunkte der christlichen Religion, der Humanität, auch nicht mit dem Grundsätze der Gleichberechtigung aller Deutschen vor dem Gesetz vereinbar sei. Die Herren B. Eramer-Darmstadt, Prof. Stengel-Marburg, Phil. Müller-Darmstadt und Häusler-Mannheim sprachen dann unter allgemeinem Beifall über die — Judenfrage, allerdings nicht im Sinne von Böckel und Konsorten. Als Herr Böckel sich, ohne Lorbeeren geerntet zu haben, zurück nach Reichelsheim aus den Weg machte, wurde er von einer Anzahl junger Leute verfolgt und provocirt. In Reichelsheim versuchten diese, unter denen viele Israeliten gewesen sein sollen, Einlaß in das Sälchen im „Engel", wo Herr Böckel mit den Seinigen weilte. Der Einlaß wurde natürlich verweigert, worauf es zu einer allgemeinen Keilerei kam, bei der auch Blut floß. Schließlich kam die Polizei und trieb die Menge auseinander. Aehnliche erbauliche Auftritte ereigneten sich, als Herr Böckel Abends absuhr. Freiburg i. B., 2. Juni. Der Privatdocent der Nationalökonomie und Finanzwiffenschaft Dr. Georg Adler ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Aus Baden. Gewiß wird es die Leser Ihres Blattes interessiren, zu vernehmen, daß das Gesuch des polnisch-russischen antisemitischen Agitators, Henschel in Handschuhsheim, um Aufnahme in den badischen Staatsverband von dem Bezirksamt in Heidelberg abschlägig beschieden wurde, weil sein Auftreten dazu angethan sei, den confessionellen Frieden in unserem liberalen Lande zu stören und da Haß und Zwietracht zu stiften, wo seither Friede und Eintracht herrschte. Es ist überhaupt in unserem Lande für die Antisemiten kein Boden und der geringste Versuch dieser Antisemiten-eligue mit ihren Ideen in das friedliche Wohlleben der Confessionen untereinander einzudringen, wird von dem gesunden Sinn der Bevölkerung zurückgewiesen, wofür wir in den stattgehabten Versammlungen in Lörrach und Weinheim den beredsten Beweis haben. Kr. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest, 11. Juni. In unserer Zeit des Kampfes, welcher von den Verächtern des alten, ehrwürdigen glorreichen Judenthums gegen das heilige Vätererbe mit so vieler Erbitterung und leider auch mit manchem Erfolg geführt wird, ist eine jegliche Erscheinung als einen Sieg der guten Sache zu begrüßen, in welcher dein Prinzipe der Orthodoxie eine Huldigung dargebracht wird. Unter diesem Gesichtspunkte möge auch die Mittheilung von allgemeinem Interesse sein, daß die Tötvnyer Status guo-Gemeinde sich kürzlich als eine orthodoxe konstituirt hat. Dem daselbst amtirenden Herrn Oberrabbiner Ungar ist das Verdienst für dieses offizielle Bekenntnis zuzuschreiben. — Der seit sieben Jahren vakante Rabbinatssitz der hiesigen autonomen orthodoxen Gemeinde ist nunmehr besetzt worden. Nach manchen Schwierigkeiten, während der laugen Zeit, seit dem Hiuscheiden des ehrwürdigen Rabbi Ehaim Schreiber V"pisr?, ist nunmehr Herr Oberrabbiner Reich aus Verbau gewählt worden. Derselbe hat die ehrenvolle Berufung angenommen. Sein vergangenes Wirken ist die sichere Bürgschaft, daß in der Gesinnung seines unvergeßlichen Vorgängers die hiesige Gemeinde auch fernerhin auf der Bahn des echten wahren Judenthums wandeln wird. Möge es Herrn Oberrabbiner Reich beschieden sein, lange in unserer Mitte seines heiligen Amtes zu walten, zum Segen und Heile der Gemeinde und des Heranwachsenden Geschlechts. Rußland. Petersburg, im Juni. Die Vorlage über die Einschränkung der Rechte der Juden in Rußland ist in letzter Stunde zurückgezogen worden! Das ist das erfreuliche Ereigniß, welches ich Ihnen zu melden habe. Wie man hier erzählt, wurden der Vorlage die Arbeiten der ehedem vielgenannten „Pahlenschen Kommission" zu Grunde gelegt, welche dem inzwischen verstorbenen Minister des Innern, Grafen Tolstoi, seinem Adlatus, v. Plehwe, zur weitern Bearbeitung übergeben worden waren. Ferner hatte Grafen Tolstoi 20 Vize-Gouvernenre nach Petersburg berusen, und unter Mithilfe dieser, die sich ebenso wie der gleichfalls um seinen Rath angegangenen Graf Jgnatieff sämmtlich als Antisemiten erwiesen, entstanden dann jene 42 Paragraphen, aus welchen die Vorlage zusammengesetzt ist. Ueber die Details der einzelnen Paragraphen verlautet nur wenig, doch auch nur dies Wenige genügt vollauf zur Charakteristik der ganzen Vorlage. Bekanntlich ist den Juden überhaupt nur in acht russischen Gouvernements der Aufenthalt gestattet. In den-