Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 46 (12.6.1890)
- Date
- 1890-06-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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827 treuen Judenlhume ein unersetzlicher Verlust ent- , standen. Derselbe opferte in uneigennütziger Weise viele Tausende, um die Aufnahme eines tüchtigen Rabbiners zu ermöglichen. Von seiner großen Beliebtheit zeugte das große Leichcnbegängniß, dem die bedeutendsten Männer der Stadt beiwohnten. An seiner Bahre sprachen bedeutende Rabbinen und Talmudgelehrte. Es ist unmöglich, seine viele edlen Eigenschaften hier anfzuzählen, und deßhalb schließe ich mit dem Wunsche, daß der Allgütige in seiner großen Gnade den Schmerz der trauernden Wittwe wie der Waisen lindern möge. PH. Krauß. Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Herr Löwi", erwiderte Bärwald, und seine Stimme bebte merklich, „Sie haben bei Ihrem Kommen wiederholt geäußert, daß Sie außer sich vor Freuden sind. — Sie werden es daher begreiflich finden, daß ich mich mächtig erregt suhle, es handelt sich um das Lebensglück meines Kindes." „Gewiß, gewiß, Ihre Erregung begreife ich vollkommen. — Aber bedenken Sie nur, wie könnten Sic das Lebensglück Ihres Kindes besser sichern als durch ihre Verbindung mit einem Manne wie Herr Meierhof?" „Ich will durchaus nicht in Abrede stellen, daß, nach Ihren heutigen Mittheilungen, die Verbindung mir sehr sympathisch erscheint. — Doch es ist das eine Angelegenheit, die mau nicht übereilen darf, ich muß zuvor mit meiner Frau allein darüber sprechen und dann erst mit meiner Tochter, ich kann Ihnen daher heute keine definitive Antwort ertheilen." „Das ist mir leid, aufrichtig leid, nämlich um den Herrn Meierhof, daß der sich noch länger wird gedulden müssen. Aber es kommt mir natürlich nicht in den Sinn, Sie pressiren zu wollen. Also bis wann könnte ich mir Ihre Antwort °holen?" „Ich denke morgen im Laufe des Tages." „Vormittags sind Sie nicht zu Hause? — Sie gehen ja wohl noch in's Geschäft?" „Das hätte nichts zu sagen, wenn ich nicht zu Hanse sein sollte, würde meine Frau Ihnen unfern Entschluß mittheileu." „Schön, sehr schön", sagte Herr Löwi, indem er aufstand, „also morgen im Laufe des Vormittags werde ich mir erlauben, wieder anzufragen." „Ich denke, daß wir bis dahin zu einem Entschlüsse gekommen sein werden. Doch Eines möchte ich Sie ersuchen, Herr Löwi, vorgestern habe ich zwar nichts dagegen gehabt, daß Sie selbst mit meiner Tochter über diese Angelegenheit^ gesprochen haben, denn wie die Sache damals lag,' da wußte ich, daß sie sich nicht lange zu besinnen haben werde, Ihnen eine Antwort zu ertheilen. — Heute jedoch ist die Angelegenheit in ein ganz anderes Stadium getreten, darum bitte ich sehr, wenn Sie auch vielleicht inzwischen meiner Tochter begegnen würden, nicht mit ihr davon sprechen zu wollen." „Gewiß nicht, Herr Bärwald, gewiß nicht; da können Sie unbesorgt sein, eine Jndiscretion haben Sie von dem Löwi nicht zu befürchten — denn Sie wissen doch, ich bin kein professiouirter Schadchen. — Alsdann wird's wohl das Gescheiteste sein, ich mache mich auf die Beine, denn je eher ich fortgehe, desto eher werden Sie sich mit der Gnädigen berathen." Er griff nach seinem Hute und reichte Herrn Bärwald die Hand. „Ich habe die Ehre. — Bitte meinen Handkuß der gnädigen Frau, werde mir erlauben, morgen meine Aufwartung zu machen." Sobald Herr Löwi sich entfernt hatte, begab sich Värwald in das gegenüberliegende Zimmer, wo er seine Frau und seine Tochter beschäftigt wußte, und bedeutete der Ersteren durch einen Wink, ihn hinüberzubegleiten. Sie hatte an dem eigeuthümlichen Tonfall seiner Stimme, als er eine gleichgiltige Frage an sie richtete, seine Erregung sofort erkannt, und war in einer gewissen Spannung seiner Aufforderung gefolgt. Erwartungsvoll blickte sie zu ihm hinüber und in wenigen Worten theilte er ihr den Inhalt seiner Unterredung mit dem Heirathsvermittler mit. „Da wären wir im Nu aus aller Verlegenheit." „Ja", sagte sie gepreßt — es war ein eigenthümliches ja. „Die Sache scheint Dir nicht sympathisch." „Und ist sie Dir sympathisch?" „Ich kann es nicht leugnen. — Alles, was ich über Meierhof gehört habe, ließe Bella's Verbindung mit ihm als wirkliches Glück erscheinen." „Sie wäre versorgt", entgegnete sie, „ob aber auch glücklich? —" Er athmete tief auf und ging einigemal sinnend im Zimmer auf und nieder. — „Es kommt mir selbstverständlich nicht in den Sinn, Bella's eventuellen Entschluß irgendwie beeinflussen zu wollen; aber ich gestehe offen, wenn sie sich, wie ich vermuthe, daß sie es thun würde, aus freien Stücken für die Annahme des Antrages entschließen würde,