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Der Israelit · 1890-06-09 · Heft 45 (9.6.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 45 (9.6.1890)
Date
1890-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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815 finden darf, zulassen." — zahlreich vorliegenden Abänderungsanträge gehen meistens dahin, die Stunden zu fixiren, in welchen gearbeitet werden darf, theilweise auch in der Richtung einer Herabsetzung der Stundenzahl und der Beschränkung polizeilicher Willkür. Nach vierstündiger Diskussion wird ein Antrag Bebel (Soz.) am ersten Weihiiachts-, ersten Oster- und ersten Pfingstfeierkag die Gehilfenthätigkeit zu untersagen, mit 15 gegen 10 Stimmen angenommen, dagegen der Antrag desselben Abgeordneten, Verkaufstellen aller Art an Sonn- und Festtagen höchstens 3 Stunden zu öffnen und spätestens Mittags 12 Uhr zu schließen, Ausnahmen aber nur durch die höhere Verwaltungsbehörde zuzulassen (RegieruugSvorlage: Polizeibehörde) abgelehnt. Ein Antrag Huene (Centr.) den zweiren und dritten Satz an den Schluß des Absatzes zu stellen, wird einstimmig angenommen. Es soll damit deutlich ausgedrückt werden, daß die Polizeibehörde die Stunden, in denen gearbeitet werden darf, nicht für jedes einzelne Geschäft besonders, sondern nur für alle Geschäfte derselben Kategorie bestimmen darf. Die Anträge Wöllmer, Dr. Hirsch, Dr. Gutfleisch, Schmidt -Elberfeld (sämmtlich sreis.) auf Beschränkung der Arbeit auf drei Stunden, in Verkaufsstellen auf fünf Stunden, sowie auf die Zeit vor 1 Uhr, endlich auch auf die Bestimmung, daß die Arbeitsstunden unmittelbar aufeinander folgen müssen, werden abgelehnt. Ein Antrag Möller (nat.-lib.), der Polizeibehörde aufzugeben, daß sie vor ihrer Bestimmung der sonntäglichen Arbeitsstunden die Gemeindebehörde anhöre, wird abgelehnt, dagegen ein Antrag Hirsch (sreis.) dahingehend, daß in den besonderen Ausnahmefällen, in denen die Polizeibehörde, insbesondere zur Zeit gewisser Feste, die volle Sonntagsarbeit gestatten kann, die Beschäftigung der Gehülfen nicht über 10 Stunden stattfinden dürfe, — einstimmig angenommen. Darauf wird mit diesen Abänderungen Absatz 2 der Regierungsvorlage mit 21 gegen 4 Stimmen und schließlich der ganze § 105 d der Regierungsvorlage mit den beschlossenen Abänderungen mit großer Majorität angenommen. Hamburg, im Juni. Zur Unterdrückung des ungesetzlichen Mischbutterhandels und des betrügerischen Verkaufes der Margarine für Naturbutter hat sich hier ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, sämmtliche unreellen Händler der Behörde zur Anzeige zu bringen. In der letzten Versammlung wurde beschlossen, durch mehrere unverdächtige Personen bei Butterhändlern Proben von 1 M. bis M. 1.20 zu entnehmen, und es wurden in kurzer ca. 120 verdächtige Butterproben bei der Polizei« behörde eingeliefert. Daraus ergibt sich wohl zur Genüge wie lohnend das Geschäft für diese Art Händler sein muß, da trotz der strengen Strafen noch immer Gesetzesübertretungen stattfinden. Der Verein verdient Nachahmung! Ansprache. Der Bischof und seine Umgebung waren von derselben sichtlich angenehm überrascht. Der Rabbiner feierte den Bischof als edlen Menschenfreund, indem er an dessen jüngst im poliklinischen Verein gesprochene Worte: „die sozialen Leiden müssen durch die soziale Liebe geheilt werden", anknüpfte. Der gelehrte Bischof drückte dem Rabbiner seinen wärmsten Dank für seine „äußerst gediegenen Worte" aus und bemerkte, der Redner habe treffend hervorgehoben, „daß sein Leitstern bei allen gesellschaftlichen Fragen immer nur das Prinzip der reinsten Menschenliebe sei, und zwar jener Menschenliebe, die sich auf sämmtliche Klassen, Rassen und Religionsbekenntnisse erstreckt." „Ich kann Ihnen versichern — sagte Bischof Schlauch — daß unsererseits nie und nimmer etwas geschehen wird, was mit diesem Prinzipe auch nur im Entferntesten im Widerspruche steht." Der edle Kirchenfürst konversirte sodann längere Zeit mit dem jungen Rabbiner und ließ sich mehrere Mitglieder der Deputation vorstellen. Zabrze, 1. Juni. Es freut mich, Ihnen die Mittheilung machen zu können, daß Dank der Opfersreudigkeit der jüdischen Gemeinden und Wohlthätigkeitsvereine die israelitische Kinderheilstätte in dem Soolbade Königsdorff - Jaftrzemb heute mit den ersten Pfleglingen eröffnet wurde. Die Räume des Kinderheims, das für dieses Jahr aus 3 großen, Hellen, aneinanderschließenden Zimmern besteht, sind in einem gesunden, trocknem Hause, umgeben von einem großen Blumengarten, dicht an dem, über 80 Morgen großen Kurpark gelegen. Kinder bemittelter Eltern werden für den billigen Preis von 50 Mark pro Monat incl. Kur und Bädern ausgenommen. minder Bemittelten und ganz Armen werden halbe eventuell ganze Freistellen gewährt. Diejenigen Eltern, die ihre Kinder noch in diesem Sommer in dem Kinderheim unterbringen wollen, Ihun, da noch einige Betten zu vergeben sind, gut daran sich schleunigst an den Vorsitzenden des Comites, Herrn Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz zu wenden. Oefterr.-Ungar. Monarchie. j Banoftor (Syrmien), 30. Mai. Am 17. - Mai wurde Herr Bezirksrabbiner Dr. Ignatz Szilgy-SomLly«, im Mai. Der Erzbischof! Süß aus Neusatz, Ungarn von Sr. Majestät dem von Großwardein Dr. Lorenz Schlauch hielt am j König, durch Herrn Obergespan Dr. Flatt mit dem 19. d., seinen Einzug in Szilägy-Somlyo j gMenen Verdienst-Orden wegen seiner ersprießlichen und wurde daselbst in glänzender Weise em- ' Thätigkeit auf dem Gebiete der Wissenschaft auspfangen. Bei dieser Gelegenheit begrüßte ihn auch gezeichnet. Der Herr Obergespan hielt eine zündende der Oberrabbiner der hiesigen israel. Gemeinde Ansprache, worauf der Herr Rabbiner ehrfurchts- Moses Rosenbaum mit einer schönen ungarischen voll dankte.

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