Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1890)
- Date
- 1890-05-28
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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für das L^ Wrthodoxe MudenlhumÄ -aa o a e s 28. Mai l [1890 mffl m$M r./m Der jüdische Friedhof in Newport. Von Longfellow Eine angenehme Ueberraschung beabsichtigen wir unseren Lesern mit dem kleinen Stimmungsbild aus der Feder des berühmten amerikanischen Dichters Longfellow (1807 geboren, gestor. 1882) zu bieten. Wenn auch die darin ausgesprochenen Ideen zum Theil anfechtbar erscheinen, so ist doch die dafür gewählte Form — das wird wohl keine Einrede erfahren -- von einschmeichelnder Schönheit. Mit äußerster Gewissenhaftigkeit bemühte sich daher auch der Uebersetzer gerade dieser Form gerecht zu werden. Heber die aktuellen Verhältnisse der Stadt Newport (Zweite Hauptstadt des nordamerikanischen Freistaats Rhode-Jsland) hätten wir uns gerne unterrichtet. Wenn aber auch die Schilderung für die Gegenwart unzutreffend wäre, so würde das der poetischen Wahrheit keinen Eintrag thnn. Die Art der Anwendung von Vergleichen — und Longfellow hat eine besondere Vorliebe für die der Bibel entstammenden — ist zu charakteristisch, als daß wir es uns versagen könnten, darauf einzugehen. Longfellow — umgekehrt, wie es andere Dichter machen würden — zieht das Ferne, Abstrakte heran, um dem vor Augen Liegenden eine poetische Seite abzugewinnen. Die Gräber mit den staubbedeckten Bäumen erwecken in ihm die Vorstellung einer Rast der Kinder Israels in der Wüste unter Zelten, die Steinplatten erinnern ihn an die zerschlagenen Gesetzestafeln Moses. Auffallender als in den kurzen lyrischen Strophen erscheint diese ästhetisch nicht ganz berechtigte Anwendung der Vergleiche in größeren erzählenden Gedichten. Homer vergleicht die Geschlechter der Menschen mit dem fallenden Laub, Longfellow würde das fallende Laub selbst hinsterbende Geschlechter nennen. Homer ist eben antik, Longfellow modern, das heißt voller Voraussetzungen. So wird auch in unserem Gedicht: die aus spanischen und anderen Elementen gemischte Gemeinde zu Newport und ihre Auswanderung, die in der einzigen biblischen Gestalt des Mordechai zusammengefaßte Verfolgung und Bedrückung der früheren Zeiten — es wird Alles nur andeutend berührt und als Voraussetzung behandelt. Die schmucke Seestadt! Und heran so dicht Hier an der Straße, beim Gebraus der Wogen Die Judeugräber — sonderbar Gesicht! Die Wanderer still, zur Ruh' hier eingezogen! Die Bäume staubbedeckt — der Südwind faßt Das Laubdach, ihres Schlummervorhangs Falten Sie scheinen unter grünen Zelten Rast Auf dunkelm Todes Exodus zu halten. Und diese braunen Leichensteine, flach, Dem Boden gleich, ringsum zerstreut! So lagen Einst jene Tafeln, die im Zorne jach Am Fuß des Berges Moses hat zerschlagen. Wie sonberbar sind schon die Namen mir Wie fernen Landes und wie fremder Sprache! Alvarez und Rivera wechseln hier Mit jenen Namen aus der Väter Tagen. .Gesegnet Gott, daß er den Tod erschuf!" So sprach die Trauer. „Tod ist Ruh' und Frieden" Und wieder freudig schallt des Glaubens Ruf „Ein ewiges Leben wird uns dann beschieden."