Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 40 (22.5.1890)
- Date
- 1890-05-22
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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fuHasc^ ^orthodoxe MuderrthumÄ OS ESv.1 22. Mai.I [1890 Eise firanftalt für arme Isrselites i« Ad Kode« (Caunus) 8. Es war ein glücklicher Gedanke, den vor wenigen Jahren einige für die Förderung jeder humanen Bestrebung begeisterten Männer in Frankfurt a. M. faßten, einen Verein zu gründen, der armen kranken Glaubensgenossen die Mittel zu einem Aufenthalte in einem deutschen Bade gewähren sollte. Wie jeder gute Vorschlag, der geeignet ist, die Noth zu mildern und den Armen seine Armuth minder fühlbar zu machen, auf die Sympathie unserer Glaubensgenossen rechnen darf, so war es auch dieser, und es dauerte nicht lange, bis eine Summe beisammen war, welche es gestattete, das geplante Unternehmen zur That werden zu lassen. In erster Linie war der dem Hauptcomite zunächst gelegene Badeort, Soden, für die Unterbringung der Kranken in Aussicht genommen, doch verweigerte man auch denen eine Unterstützung nicht, welche in einem andern Kurort ihre Heilung suchten, sofern die Geldmittel reichten. Allein es konnte dies nur ausnahmsweise geschehen, da es natürlich sowohl im Interesse der Kranken als des Vereines liegt, daß das aufsichtführende Comite sich in nächster Nähe des Badeorts befindet, dem er seine Pfleglinge anvertraut. Zudem ist ja Soden gerade der Platz, der am geeignetsten erscheint für das zu erwartende größere Eontingent, auf welche die Vereinsthätigkeit rechnen mußte. Eine festere Gestaltung hat nun die Thätigkeit des Vereins erlangt durch ein im vorigen Jahre für diese Zwecke neu erbautes Haus, das derselbe dem großmüthigen Wohlthätigkeitssinn der Frau Baronin Wilhelm von Rothschild zu Frankfurt a. M. verdankt. Am Abhang des Dachbergs gelegen, bietet es einen freundlichen Eindruck, und der Anblick erhebt unser Herz, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß es Armen, die zum größten Theil das Jahr über in engen und dumpfigen Räumen Hausen müssen, vergönnt ist, einige Sommerwochen in jenen luftigen von frischem Grün umhegten Räumen zuzubringen und unter guter Pflege in den Stand gesetzt sind, eine heranschleichende Krankheit in ihren Anfängen schon mit Erfolg zu bekämpfen. Denn, das müssen wir gleich hinzufügen, für Schwererkrankte hat diese Anstalt, wie der amtliche Bericht ausdrücklich hervorhebt, um von vornherein aussichtslose Anmeldungen zu verhüten, keinen Raum. Aber, wo eine Krankheit im Anzuge ist, wo sich die ersten Spuren eines Lungenleidens bemerkbar machen, da vermag der Aufenthalt Heilung herbeizuführen; und wo, selbst bei vorgeschrittener Krankheit, die aber dem Patienten noch die Möglichkeit freier und selbständiger Bewegung gestattet, ihn nicht auf besondere Hilfeleistung beim Gehen und Ankleiden anweist, da vermag auch die Anstalt insofern heilsam zu wirken, als sie die Krankheit aufhält, den Kranken gegen die Gefahren der kommenden rauhen Jahreszeit widerstandsfähiger macht, so daß er im nächsten Sommer die begonnene Kur mit Erfolg fortsetzen kann. Es mögen daher die Aerzte mit der Empfehlung ihrer Pflegebefohlenen vorsichtig sein und das Gesagte wohl erwägen, damit sie nicht Hoffnungen erwecken, die dann durch die Ablehnung der Aufnahme zu Nichte gemacht werden. Das Haus selbst enthält nur Raum für elf weibliche Kranke, Männer werden in das Haus nicht ausgenommen; die übrigen vom Verein nach