Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 40 (22.5.1890)
- Date
- 1890-05-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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733 gemeinde, Dr. Ludwig August Ritter v. Frankl und Andere. Der Präses des Vorstandes der Cultusgemeinde, kaiserlicher Rath Arminio Cohn, hielt, seine Worte an den Statthalter richtend, eine Ansprache, die er mit einem Hoch auf den Kaiser schloß, in welches die Versammlung einstimmte. Hierauf verlas Vaurath Stiaßny, welcher im Vereine mit dem Architekten Fleischer das Haus erbaut hat, die Schlußstein-Urkunde. Prediger Dr. Jelltnek hielt die Festrede, die er mit dem Schriftworte: „Heilig ist der Boden, auf dem du stehest" begann. Er pries die Errichtung des Hauses als ein Werk der Dankbarkeit für den erlösenden und befreienden Monarchen, dessen Wort heilig und geweiht sei; das Haus sei, weil es so viele Herzen erleichtert und befreit habe, ein Werk jener Dankbarkeit, welche sich in Thaten der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit kundgebe. Baurath Stiaßny richtete dann an die Staats- und communalen Functionäre einige Worte, in denen es hieß: „Unbeirrt um den widerwärtigen Kampf, der leider zwischen Nationalitäten, Rassen und Confessionen in unserem Vaterlande, unserer Vaterstadt entbrannt ist, haben die Künstler und Handwerker, welche verschiedenen Nationalitäten und Confessionen angehören, einig und brüderlich gearbeitet, so daß unser Werk zu gedeihlichem Abschlüsse gelangt ist." Als der Schlußstein eingefügt war, sprach der Architekt das Meisterwort: „Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, Muß den Stein mit eig'ner Hand behauen." Dabei führte er die drei Hammerschläge, wonach der Statthalter, ferner Dr. Borschke, der Präses der Cultusgemeinde und viele andere Ehrengäste diesen symbolischen Akt vollzogen. Im Namen des Baucomitös gab dessen Obmann, Landesschulrath Baumgarten, eine Geschichte des Baues. Die Schlußrede hielt Rabbiner Dr. Güdemann. Die Tempel-Chöre sangen nun die Volkshymne, welcher die Versammlung begeisterte Hochrufe auf das Kaiserhaus folgen ließen. Graf Kielmansegg und die übrigen Ehrengäste besichtigten dann das Gebäude in allen seinen Räumen, sowie den längst aufgelassenen alten Friedhof auf dieser Area. Pefth. Der Sekretär im ungarischen Justizministerium Herr Michael Szanto wurde von Seiner Majestät dem König zum wirklichen Sektionsrath ernannt. England. Portsea, 15. Mai. Am 5. d. M. verschied in Liverpool Herr Louis Benas, Chef des Bankhauses L. BenaS und Söhne im 71. Lebensjahre. Der Verstorbene, geboren in Posen, war in den besseren Kreisen der Stadt sehr geachtet wegen seiner Redlichkeit und Wohlthätigkeit. Er war ein Mann von bedeutender literarischer, klassischer und hebräischer Bildung und nahm seiner Zeit großen Anthetl an dem Kampfe für die Emancipation der Juden in England sowohl als anderswo. — Ein intimer Freund des verstorbenen Sir B. Phillips, ehemaliger Lord Mayor von London, war er in Verbindung mit den hervorragendsten englisch-jüdischen Familien und schrieb im Juli 1886 einen sehr interessanten Aufsatz über „die alten jüdischen Familien in England." Leider war er mehrere Jahre vom Schlage gerührt und konnte an öffentlichen Angelegenheiten keinen Antheil nehmen. Die Betheiligung am Begräbnisse war eine zahlreiche, unter anderem auch von vielen christlichen Notablen der Stadt. Seine wackeren Söhne, von denen der älteste Herr Baron Benas Friedensrichter (^nstiee ok tbe Peace) und Präsident der literarisch-philosophischen Gesellschaft in Liverpool ist, sind alle Ehremänner und bekleiden verschiedene Ehrenämter in der Gemeinde. Friede seiner Asche! Herr A. L. Emanuel, Juwelier von hier und Vorsteher der israel. Gemeinde, ist vor kurzem vom Justizminister (Lord Chancellor) zum Friedensrichter ernannt worden. Es ist dies ein unbezahltes Ehrenamt, das bei kleinen Gesetzes-Uebertretungen in Verbindung mit einem Rechtsanwalt Urtheile zu fällen berechtigt ist. Die Königin Victoria von England in Begleitung ihrer Tochter und ihres Schwiegersohnes, Princeß und Prince Battenberg, beehrten gestern Herrn Baron Ferdinand de Rothschild und Lord Rothschild mit einem besonderen Besuche auf den Gütern der letzteren unweit London und hielt sich mehrere Stunden daselbst auf. Der Empfang war selbstverständlich ein großartiger. Schreiber dieser Zeilen hielt in der Halle des Seminars eine Gedächtnißrede auf den zu früh verblichenen Herrn Rabb. Dr. Lehmann £"m, worin er dessen große Verdienste um Juden und Judenthum hervorhob. Die Rede schloß mit dem Gebete □’öm für dessen ewiges Seelenheil. Die Besetzung des Ober-Rabbinats in London und dem vereinigten britischen Reiche beschäftigt jetzt alle jüdischen Gemüther hier, und sind wir zu der Hoffnung berechtigt, daß die Wahl einstimmig auf den hochverehrten Herrn Dr. H. Adler. Sohn des unvergeßlichen Herrn Chief Rabbi Dr. N. Adler fallen wird. Vox populi, vox Dei!" Dr. W. Stern.