Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1890)
- Date
- 1890-05-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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.sr?-TS^T-WJ^RRT^^p^-Tf» * .^rts^r* \ 695 wird der Centralvorstand und werden auch die von ihm gewählten Repräsentanten unbeantwortet lassen, denn sie berühren den Kern des Nebels, an den man nicht heranzutreten wagt. — Da loben wir dieser Halbheit gegenüber den festen Standpunkt des Gemeindevorstandes, der jede Annäherung an die Strenggläubigen mit aller Entschiedenheit ablehnt, weil er die Kluft kennt, die ihn von den Bekennern der geoffenbarten Lehre, denen schriftliche und mündliche Thora unverbrüchliche Wahrheit ist, trennt. Die Leiter der Gemeinde wissen wohl, daß eine Rückkehr zur Religion nur über den Sinai führt, auf welchem Gott seinen Sabbat und seine Einheit verkündete. Die Splitter der Gesetzestafeln verschmäht ihr feingebildeter ästhetischer Geschmack, und die ganzen Tafeln —, die zu tragen sind die Herren zu alt, und nun einmal in der Gewohnheit, sich ihnen abzuwenden, ergraut. — Warten wir ab, auch die Mächtigsten können stürzen, andere Menschen, andere Zeiten! „Ruhig überschaut der Mensch, der sich an Gott hält und seine Weisheit und seine Stärke vom Himmel schöpft, das Gewühl der Menschen auf Erden." m8t. Lübeck, im April. Die öffentliche Prüfung, der die Schüler der hiesigen Elementar- und Religionsschule (Talmud Thora) am letzten Peßachfeste unterzogen wurden, giebt mir Anlaß, aus unserem Freistaate nach langer Pause wieder von neuem zu berichten. Auch in unserer Gemeinde hat es sich gezeigt, daß die Jugend begierig danach strebt, in die Kenutniß unserer heiligen Religion eingeführt zu werden und daß dieses Sehnen nur durch einen geregelten, mit Ernst und Begeisterung geleiteten Unterricht im vollen Umfange gestillt werden kann. Während früher unsere Schule sehr darniederlag, ist es unserem von wahrer Frömmigkeit erfüllten und sich im Berufe keine Ruh' und Rast gönnenden Lehrer B. Goldschmidt im Verein mit unserem allverehrten Rabbiner Dr. Carlebach unter Beistand von noch zwei tüchtigen Lehrkräften gelungen, die Anstalt so zu heben, daß der früher in der Gemeinde übliche Privatunterricht fast völlig beseitigt wurde und alle Gemeindemitglieder wieder mit Freuden ihre Kinder der Schule zusandten. Und einen seltenen Genuß hatten wir, als am Chaul hammaued zum e r st e n Male in Lübeck unter Anwesenheit fast aller Gemeindemitglieder und der eingeladenen Behörden und Schulmänner eine öffentliche jüdische Schulprüfung stattfand. Von neuem ging uns das Verständniß des , Satzes auf: „Auf den Mund der Kinder hast Du die Macht begründet", immer mehr fühlten Wir, daß in der Schule die Wurzeln unserer Kraft liegen und daß so lange wir diese zu hüten wissen, die aus ihnen hervorsprießende Pflanzung alle Gefahren und Stürme des Lebens überstehen werde. Aber noch in anderer Hinsicht war diese erste jüdische Schulprüfung im Staate Lübeck bedeutungsvoll. Sie war ein stiller Protest gegen die den Juden gerade von Lübeck so viele Jahrhunderte hindurch gewordene Zurückdrängung und Ausschließung. Die von den Kindern öffentlich vorgetragenen Lehren der Gottesverehrung und Menschenliebe mußten wohl den letzten Rest von Zweifel zerstreuen, der in Folge der Unkenntniß des jüdischen Lebens noch in mancher nichtjüdischen Brust nistete. Die in der Schule eingeführte Unterrichtsmethode und deren auf echtjüdischem Geiste beruhende Durchführung bürgen auch für eine wettere gedeihliche Entwicklung der Anstalt. Mögen wir noch oft Gelegenheit haben, Erfreuliches über dieselbe zu berichten. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 25. April. Am 22. d. M. begab sich eine Deputation, bestehend aus dem Präses der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, kaiserlichem Rathe Arminio Cohn, dem Obmanne der Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreichs Böhmen, Dr. Moriz Lichtenstern, und dem Obmanne des Curatoriums des mährisch-jüdischen Landes-Massefonds als Vertreter der israelitischen Cultusgemeinden Mährens, Julius Ritter v. Gomperz, zum Minister- Präsidenten Grafen Taaffe und zum Cultusminifter Freiherrn v. Gautsch, um denselben für die Einbringung und das Zustandekommen des Gesetzes, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religions-Genossenschaft, ihren wärmsten Dank auszusprechen. Die Deputation, welche die freundlichste Aufnahme fand, stellte zugleich an den Minister-Präsidenten die Bitte, für die durch den Kaiser dem Gesetze gewährte a. h. Sanctton ihren ehrfurchtsvollsten Dank an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen, was auch vom Minister-Präsidenten zugesagt wurde, Wien. Im Kolomeerbezirke ist die Bauernbewegung gegen die polnischen Gutsbesitzer und die Juden gerichtet. Militär ist dorthin beordert. In einzelnen Gutshöfen wurde das Dienftgesinde mißhandelt und ein festes Wohngebäude wurde zertrümmert. Bei den Krawallen wurde eine Person getödtet.