Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1890)
- Date
- 1890-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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690 Italien. Rom In dem seit sieben Jahren durch den Professor Dr. Moses E h r e n r e i ch mit großem Erfolge und mit fürsorglicher Liebe geleiteten Rabbiner-Seminar, fand vor Kurzem die Prüfung von vier Rabbinats-Candidaten statt. Eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten der Gemeinde, ebenso der Vorstand wohnten der Prüfung bei, die so günstig ausfiel, daß allen vier den Titel CH a der verliehen wurde, zweien sogar mit deni Zusatz „mit großem Lobe". In dem neuen Schuljahre zählt die Anstalt sieben Schüler. In dem Jsraeliti scheu Asyl für Alterversorgung ist seit kurzem eine weibliche Abtheilnng eröffnet worden und konnte die Zahl der Insassen auf 14 erhöht werden. Im vergangenen Jahre hat sich der Vermögensbestand des Asyls, Dank der Fürsorge des Signor S. Esdra, der zugleich erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Rom ist, um Frs. 6072 vermehrt. Für die neue Synagoge sind 26 Pläne eingeschickt worden und soll baldigst von der dazu auserwählten Commission ein Project entgültig angenommen werden. Die Kosten sind auf Francs 900.000 veranschlagt. L. M. F e u tj_l eton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Noch ein Wort, Paul. — Und dann noch eine Bitte, von der ich mich überzeugt halte, daß Du sie mir nicht abschlagen wirst. — Ich habe Dich in meinem Testament zu Hugo's Vormund ernannt — deßhalb habe ich auch Deine Gegenwart bei meinen Mittheilungen an ihn gewünscht — ich darf doch hoffend" — In den wetterfesten Zügen des wackern Freundes zuckte es seltsam, der Hals war ihm wie zugeschnürt, einen Moment glaubte er ersticken zu müssen, und bemühte sich vergebens, einen Laut hervorzubringen, aber mit all seinen nicht geringen Kräften drückte er die Hand des Kranken, der einen halbunterdrückten Schmerzenslaut ausstieß. Das brachte den alten Haudegen wieder zu seiner Besinnung. „Herr Gott! — mir scheint, ich bin verrückt! — ich habe Dir wehe gethan, Ullrich, ich alter Esel, ich! — Aber im Grunde genommen, bist Du selbst daran Schuld, wer heißt Dich, so hirnverbranntes Zeug schwatzen! — Was braucht Hugo einen Vormund? — in zwei oder drei Jahren wird er mündig — und Du bist ein kräftiger Mann in den besten Jahren — wenn man Dich so reden hört — wahrhaftig, der Verstand kann einem still stehen." Ein unsäglich schmerzliches Lächeln spielte um Wildau's bleiche Lippen. „Mein lieber, guter, alter Freund — wir verstehen einander. — Und nun gute Nacht, Paul, lege Dich nieder, ich hoffe auch jetzt schlafen zu können." „Gute Nacht, mein Ullrich", flüsterte der Rittmeister mit heiserer Stimme, indem er die Hand des Freundes leise drückte, „ich bin in der That schäfrig, ich werde schlafen wie ein Maulwurf. Nochmals gute Nacht!" Er nickte dem Freunde zu und begab sich in das Nebenzimmer, um den Wärter zu wecken und ihm auf die Seele zu binden, daß er bet der geringsten Veränderung, die er an dem Kranken wahrnehmen würde, ihn wecken möge. Hugo hatte sich inzwischen, seinem Versprechen gemäß, auf das Bett geworfen, doch nicht um zu schlafen, sondern um ungehindert seinen maßlos aufgeregten Gefühlen freien Lauf zu lassen; er hatte das Antlitz in den Kissen vergraben und schluchzte Stunden lang, bis der Schlaf, der Tröster aller, die gedrückten Herzens, ihn übermannte und ihm die Augen schloß. Noch drei Tage kämpfte Wildau's kräftige Natur, bevor sie unterlag. Hugo, in Schmerz nahezu aufgelöst, wich nicht von seinem Bette und der alte Werner blieb an seiner Seite. Der dritte Tag neigte sich zu Ende, der Abendsonne goldene Strahlen hüllten das Sterbezimmer wie in magischem Glanz, unregelmäßig hob sich die Brust des Kranken, hin und wieder röchelnd, alle wußten, daß es sich nur noch um Minuten handelte. Da ward die Thür hastig geöffnet, und ohne sich von dem Wärter zurückhalten zu lassen, drängte sich ein ärmlich gekleidetes Weib in das Zimmer, ein rosiges Kind hielt sie im Arm. Laut schluchzend eilte sie zu dem Bette und sank dort in die Knie. „Herr Wildau", rief sie, „ich muß Ihnen noch danken, hier ist das Kind, das Sie gerettet haben", und dabei hielt sie ihm das Kind enigegen. Der Sterbende öffnete die Augen, sein Blick fiel auf das jauchzende Kind, das ihm die Arme entgegenstreckte, und ein glückliches Lächeln huschte über sein Angesicht. Dann wandte er den Blick noch einmal auf Hugo und hauchte in Hugo's Armen seinen letzten Seufzer aus. * * *