Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1890)
- Date
- 1890-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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i.m', .ti.pyfjjpi -->W ...»v»-»-Ay«wiy •»'" .'«*• ’••• > 688 Briefen berührt und meist auch der Rand mit geistreichen Bemerkungen versehen. Oft vernehmen wir bittere Klagen über die Heranwachsende Jugend, die sich im Absprechen und Verleugnen alles Heiligen gefällt, doch leuchtet auch die Hoffnung durch, daß neben den Wunden die Heilung erblüht. Das junge Geschlecht, das Thora und Wissenschaft auf seine Fahne geschrieben, werde heranreifen und der unduldsamen, ja verfolgungssüchtigen Reform die Stirn bieten. — Nach zweijähriger mühevoller Arbeit in Berlin begab sich H. nach Halle, um die bedeutendsten Orientalisten Gesenius und Rüdiger aufzusuchen. Die Schrift „über die rechte Art der Bibelinterpretation", die H. als Inauguraldissertation der Universität vorlegte, gibt uns einen Beleg für den Ernst, mit welchem derselbe auch diesen Zweig des Wissens kultivirte. Gegen Ende 1844 erhielt H. von der Universität Halle die Doktorwürde. — Nun kehrte er nach Halberstadt zurück, um in den glücklichen Stand der Ehe zu treten. Kaum war die erste fröhliche Zeit verstrichen, da dachte H. an seines Lebens höchste Ziele. Er begann vor einem Kreise gesinnungstüchtiger Jünger das Wort Gottes zu lehren. Um diese Zeit saß unser theuerer, Heimgegangener Chefredakteur yxi zu den Füßen H.'s und schlürfte aus dem heiligen Brunnen, den die kundige Hand des jugendlichen Meisters geöffnet. Um die gleiche Zeit (1848) erschienen auch in der Zeitschrift „Orient" die „Materialien zur Beurtheilung der Septuaginta", welche einer Rechtfertigung der biblischen Massora gegenüber den Varianten der Septuaginta dienten. Neben den fleißig betriebenen wissenschaftlichen Forschungen und den regelmäßigen Talmudvorträgen, bewahrte sich H. seinen Antheil an praktischer Wirksamkeit. Auf einer Versammlung der Vertreter der Synagogengemeinden des Regierungsbezirkes Magdeburg, die im Jahre 1847 in M. stattfand, traf H., als Delegirter seiner Vatergemeinde, den zur Zeit für die sogenannte Reformirung des Judenthums schwärmenden Dr. Philippssohn. Hier stand er einem der heißesten Gegner des überlieferten Judenthums persönlich gegenüber und konnte seine Kräfte auf dem Kampfplatze der Ideen messen. Ph.'s Neuerungen wurden damals noch angejubelt, und der Reformator selber träumte ein neues Judenthum, das unter seinem Banner steuern werde. Von diesem Wahne war PH. in den letzten Jahrzehnten seiner publicistischen Thätigkeit gründlich geheilt. PH. stand, wie seine anderen gesinnungsverwandten Schöpfer der Reformlehren, isolirt da. Wohin die ersten Anhänger dieser heilverheißenden Theorien irrten, haben wir bereits oben angedeutet. — Dem zielbewußten H. dagegen eröffnete der allgütige Gott ein neues ersprießliches Feld, auf welchem ihm und dem glaubenstreuen Judenthum, mit welchem das ganze Leben Hildesheimer's innig verbunden ist, reicher Segen erblühte. — Der Ruf des philosophisch geschulten jungen Rabbiners, der sich neben moderner Bildung eine treue Liebe zur Gotteslehre bewahrte, der sich das Ergründen und Lehren der talmudischen Wissenszweige zur Lebensaufgabe stellte, war bis nach dem entj ernten Ungarn gedrungen. Da versuchte es eine von frommen und intellegenten Männern geleitete Gemeinde dieses Landes, Dr. Hildesheimer '"5 einzuladen, das erledigte Rabbineramt zu übernehmen. Er sollte nun die Heimath, die theuere, in Ehren ergraute Mutter, die Familie mit welcher ihn gemeinsames Streben für das Heil des Judenthums vereinigte, verlassen. Er sollte von seiner jugendlichen Gattin das Opfer fordern, sich fremdländischen Verhältnissen anzubeguemen und mit ihm in ein Land zu wandern, das er aus eigener Anschauung nicht gekannt, wo ihm wohl reicher Erfolg winkte, aber auch ein mühereicher Kampf bevorstand. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 4. Mai. Die Verbrüderung des Antisemitismus mit dem Anarchismus, die vor einigen Tagen durch die in Paris erfolgte Verhaftung des Marquis v. Morss offenkundig wurde, ist der Berliner Polizeibehörde schon seit Jahren bekannt. Im Posener Socialiftenprozeß gelangte ein Bericht der Berliner politischen Polizei über den Anarchiften- Kongreß zu Chur (Schweiz), den sie von ihren dort vertreten gewesenen Vertrauensmännern erhalten hatte, zur Sprache. Danach hat dort ein deutscher Deputirter, dessen Namen nicht angegeben ist, ein Referat über die antisemitische Bewegung, besonders in Berlin, erstattet, das vom Kongreß mit hochgradiger Zufriedenheit ausgenommen worden ist. Namentlich fand die Bemerkung des Berichterstatters, daß die antisemitische Bewegung in erster Linie dem Zwecke diene, das Kleinbürgerthum und die kleinen Beamten unmerklich für die anarchistischen Ideen zu gewinnen, allseitige Zustimmung. Von anderer Seite wurde der antisemitischen Agitation Glück gewünscht, und der Vorsitzende des Kongresses schloß die Verhandlungen über dieses Referat mit dem Hinweis, daß, wenn auch einzelne der angewendeten