Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1890)
- Date
- 1890-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. b«bi». Suchh .Kr HadJ Furt 11 * rws M 8& Israelit... Zeschllraa. Zkitslhüst W FördkMg jiili. Geistes md H. Kevens in Aus. Gkweiudt Md Kchllle. Gentrat-Hrgan für das orthodore Zudenthum. Begründet von vt Lehmann in Mainz. Donnerstag, den LS. Mai 5650 (1890). Leitender Artikel. I>r. Israel Kitdesheimer Rabbiner und Seminar-Director in Berlin. Mainz, 13. Mai. I. Wenn diese Blätter in die Hände unserer Leser und Gesinnungsgenossen gelangen, ist in Berlin bereits eine auserlesene Gesellschaft von Gelehrten und andern Männern von Namen und Klang vereint, um den 70. Geburtstag des Nestors unserer Glaubenstreuen in Deutschland zu begehen. Aus allen Kreisen, aus den verschiedensten Ständen eilen Verehrer des großen Mannes nach der Residenz, um ihm persönlich ihre Huldigungen darzubringen. Zu den Allernächsten, die diesen Tag freudigst begrüßen, gehören auch wir, die treuen Gefährten in dem Kampfe für Gottes geoffenbarte Lehre und die ewigen Träger des Sinaiwortes. Wir folgen der heiligen Pflicht und nicht minder dem Zuge des treuen Herzens, indem auch wir den Zoll unserer Ehrerbietung zu Füßen des hochverdienten Meisters, des wackern Kämpfers für Gottes unsterbliches Wort niederlegen. Allerdings müssen wir bei dieser Veranlassung unsere Schwäche offen eingestehen. Die Hand, die berufen wäre, den Kranz um das Haupt des verdienstvollen Führers zu winden, ruht in kühler Gruft. Der edle Mann, der sich schon vor Monden auf den Jubeltag seines Lehrers rüstete, uni in dessen unmittelbaren Nähe, Gott für die Gnade zu preisen, die er dem Lehrer und Freunde beschicken, ist eine andere lichtvolle Bahn gezogen, um vor dem Höchsten in den Höhen für das Heil und das Gedeihen seiner Brüder auf Erden zu beten. Sern köstliches Leben stand ganz und ausschließlich im Dienste der Idee und der Grundsätze, denen Dr. Hildesheimer sein arbeitsreiches Wirken hingiebt; sein durchdringender Blick vermochte zu überschauen und geziemend zu würdigen, was Dr. Hildesheimer erstrebt und erreicht. Wir vermögen nur einen Abglanz dessen zu geben, was unter dem Leben und Wirken Hildesheimers begriffen wird. Die unbefangen und von historischer Treue geleitet den Griffel der Geschichte führen, werden die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts als die Zeit bezeichnen, in welcher der gesunkene religiöse Geist innerhalb Israels wieder erwachte; sie werden die Männer feiern, deren glühende Liebe zum Judenthum die EkSrinde löste, unter deren Hülle die Herzen Israels zu erstarren drohten; sie werden dankbar bekennen, daß deren Feuerwort gleich mächtigem Posaunenklang in die jüdische Welt hinaustönte, um Schlummernde zu erwecken und die Verirrten zur Gottesthat zurückzurufen. Sie werden zählen die berühmten Häupter Israels, aber auch wägen und erwägen, welchen Großen und Weisen der Wurf gelungen ist. Der unbefangene Geschichtsschreiber wird gleich einem trockenen Rechner die Familien, Gemeinden und Kreise zählen, an welchen der gewaltige Einfluß jener Männer seine Kraft erprobte. Da wird die Summe der Hildesheimer'schen Mitarbeit eine Höhe gewinnen, die den Fernstehenden zum Erstaunen und zur Bewunderung hinreißen wird. Man wird sich fragen, was ist aus dem Anhang und den Verehrern derer geworden, die mit dem Geiste unseres Zeitalters wandelten und ihm zu Liebe ein Stück Gotteslehre nach dem andern opferten, um ein Capitel der jüdischen Lehre aus dem Brande der Zeiten zu retten. Man wird nach ihren Gemeinden, wie nach den Spuren ihrer Erfolge vergeblich forschen. Die Schwächlinge, die Grundlehren, ja Bücher der Torah Preisgaben, haben sich jeder Autorität entäußert, haben dem