Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1890)
- Date
- 1890-05-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XlXl. Jahrgang. 37. Israelit««. Jeschurun. Zkltschrlst zur FSrderuug D. Grlstes und M. Kebens iu Daus, (StnteinDt null Mule. Kentrat-Hrgan für das orLhodore Zudentßum. Begründet von 1>» Lehmann in Mainz. Montag, den 12. Mai 5650 (1890). Leitender Artikel. Pit jüdischen SWer in Den p|trcn fepanplten. Mainz, 11. Mai. Den Bericht über die vorgestrigen Verhandlungen des „Herrenhauses" in Berlin finden unsere geehrten Leser unten im Auszuge. Die gehaltenen Reden lassen uns die unermeßliche Gefahr erkennen, welche über unserem Haupte schwebt, wenn die Conservativen von dem Schlage der schlesischen Landjunker zur Herrschaft gelangen. Einen „Anachronismus" nannte die „Voss. Zeitung" das Haus der Hochgeborenen; die „Herren" haben einen eklatanten Beweis geliefert, daß sie diese Titulatur ehrlich verdienen. In Brüssel arbeitet die Antisklaverei- Conferenz und zeigt Erbarmen mit den Wilden im entfernten Afrika, und in unserer Mitte lebt das Barbarenthum auf, das civilisirte Menschen zu Sklaven herabdrücken will. Die „N. Pr. Zeitung" wettert und zetert gegen das halbasiatische Rußland, das die Evangelischen unterdrückt, und schwelgt in demselben Athemzuge in dem wonnigen Traume, daß doch endlich einmal für den „Judenli-- beralismus" — ein Hirngespinst der conservativantisemitischen Gesellen — der Tag des Unterganges herangekommen sei. Wo bleibt der gesunde Menschensinn? Wo der Glaube an einen gerechten Gott, der seine Menschenkinder zur Wahrheit erziehen will? Ist nicht alles Jammern über die Bedrohung eines Glaubens eitel Lug und Trug? — Doch es haben auch die Seuchen und die verheerenden Unwetter ihren Zweck in der Weltenharmonie. — Israel, wache auf! Der grimmige Hasser lauert vor deinen Thoren! Er will deinen emporstrebenden Geist einäschern, er will wieder, wie vor 48, die Knute schwingen, will dich in die Ghettis hineinpeitschen und dir auf den gesegneten Fluren des theuren deutschen Vaterlandes eine ägyptische Finsterniß erstehen lassen. — Dem Herrn der Heerschaaren sei cs gedankt und den Intentionen Sr. Majestät des Kaisers, daß die Rede des Cultusministers die luftreinigenden Mittel wirken ließ, die der Majorität des übrigens sehr schwach besuchten „Hauses", einige Ernüchterung brachte. Nicht minder verblüffend, als die klare und bündige Abweisung des Cultusministers wirkte die Ablehnung des Grafen Moltke. Für diese Genugthuung sind wir d«n schlesischen Antragefteller zu vielem Danke verpflichtet. Moltke auf der einen Seite und mit ihm die Intelligenz der Nation, und ein Häuflein beschränkter Menschen auf der andern Seite — unter solchen Umständen haben wir, Gott sei Dank, nichts zu fürchten. Die Verhandlungen im Herrenhause waren Folgende: Zum Eapitel der höheren Lehranstalten im Eultusetat liegt folgender Antrag des Grafen Pfeil, unterstützt von 24 Mitgliedern, vor: „Auf Grund der vom Herrn Minister der geistlichen ec. Angelegenheiten constaürten Thatsache, daß bei preußischen öffentlichen höheren Lehranstalten wegen der Ueberzahl jüdischer Schüler an den jüdischen Sabbaten und Festtagen der Unterrichtsplatt hat verändert iverden müssen, die königl. Staatsregierung um Erwägung von Maßregeln zur Beseitigung der hieraus erwachsenden Uebelstände zu ersuchen." Nach den antisemitischen Ausfällen des Grafen Pfeil führt der Eultusminister von Goßler aus: Der Antrag ist darauf berechnet, gewisse Uebelstände zu beseitigen, welche sich in der llnterrichtsverwaltnng durch die Uebersüllung mit jüdischen Schülern bemerklich gemacht haben. Er ist relativ beschränkt aus die technische Unterrichtsverwaltnng, und ich habe deßhalb auch irgend eine Beurtheilnng oder Entscheidung über den Antrag innerhalb der Regierung nicht herbeigeführt. Ich erkläre hiermit, daß ich hier lediglich als Unterrichtsminister spreche und durch meine Erklärung der Regierung weder präjudicirt werden darf noch kann. Ich knüpfe an die Bemerkungen des Herrn Vorredners über die Verfassungsurkunde an und kann versichern, daß derartige Erwägungen innerhalb der Unterrichtsverwaltnng bisher noch nicht angeftellt sind, und wo einmal die Sache zur Sprache gekommen ist, da